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Kamenz

Gleisanbindung von Kamenz-Nord gefordert

Haus & Grund sieht in der Schiene die Zukunft für die Region. Falls man aus dem Drama um die Städtebahn die richtigen Schlüsse zieht ...

Bei der städtischen Aktion „Spätschicht“, die in mehrere Betriebe führte, wurde auch eine Gleisanbindung ins Industriegebiet am Ochsenberg angeregt. Davon könnten alle Anlieger nur profitieren, heißt es. Natürlich auch die Daimler-Tochter Accumotive.
Bei der städtischen Aktion „Spätschicht“, die in mehrere Betriebe führte, wurde auch eine Gleisanbindung ins Industriegebiet am Ochsenberg angeregt. Davon könnten alle Anlieger nur profitieren, heißt es. Natürlich auch die Daimler-Tochter Accumotive. © Matthias Schumann

Kamenz. Rainer Gröbner ist auch mit über 80 noch umtriebig. Der Vorsitzende von Haus & Grund in Kamenz und Umgebung war jetzt beim Immobilientag in Berlin, wo er Linken-Frontmann Gregor Gysi traf. „Es ging dabei auch um Fragen der Daseinsvorsorge, die Haus- und Grundeigentümer, aber natürlich auch die Mieter umtreiben.“ Nach dem Einbruch der Linken bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen ist sich Gröbner sicher, dass der auch selbstverschuldet ist. „Die Linke erreicht die Unzufriedenen nicht mehr. Offenbar hat sie die falschen Themen“, meint der Kamenzer. Ihm fehlten zum Beispiel klare Ansagen zur infrastrukturellen Anbindung des ländlichen Raumes um Kamenz. „Wo war die Forderung nach einem einheitlichen Verbundtarif in Ostsachsen oder nach der Veränderung der Tarifzonen?“

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Nun, mit dieser Kritik tut der Mann der Partei Die Linke, die er in Kamenz viele Jahre lang unterstützt hat, allerdings unrecht. Die genannten Parteiziele gab es zum Beispiel im Kommunalwahlprogramm im Mai. Womöglich sind sie in der Flut der Ideen untergegangen oder wurden nicht laut genug wiederholt? In taktischen Fragen kann man jedenfalls vom Haus & Grund-Chef in Kamenz tatsächlich einiges lernen. Der lässt einfach nicht locker, wenn er ein Haupt-Dilemma in Raum und Zeit eingekreist hat. So hat er dieser Tage im Namen der Vereinsmitglieder einen Brief an OB Roland Dantz verfasst. Kernaussage: „Verbesserungen der Verkehrsanbindungen in der Erlebnis- und Wachstumsregion Dresden sind dringend geboten!“

Immer auf Augenhöhe mit der Prominenz des Landes: Haus&Grund-Chef Rainer Gröbner traft auf dem Immobilientag in Berlin mit Gregor Gysi zusammen.
Immer auf Augenhöhe mit der Prominenz des Landes: Haus&Grund-Chef Rainer Gröbner traft auf dem Immobilientag in Berlin mit Gregor Gysi zusammen. © privat

In den Medien wurde kürzlich auch die Einbindung von Kamenz in den Strukturwandel der Lausitz genannt. Das stimme recht hoffnungsvoll für Kamenz, weil sich die Politik dem jetzt verstärkt zuwendet und Lösungen aufzeigt. „Diese werden jedoch nur kommen, wenn der nötige Druck ausgeübt wird.“ Anlass dafür sollte auch das Städtebahn-Debakel sein, das auch Kamenz hart getroffen habe und keinesfalls eine Neuauflage erfahren dürfe. In diesem Sinne sollte die Stadt an den Kreis als kommunalen VVO-Träger und die Landesregierung appellieren, „die Städtebahn eindeutig dem Gemeinwohl zuzuordnen und in die öffentliche Hand zu überführen“.

Der Straßenverkehr könne nur entlastet werden, wenn der Schiene wieder der Vorzug eingeräumt werde, was ja auch dem Klimaschutz diene. Die städtische Aktion „Spätschicht“ habe erkennen lassen, dass Unternehmen in Kamenz-Nord gern einen Gleisanschluss hätten. Seitens des Tanklagers Tabek sei signalisiert worden, dass mit einer Weiche des dortigen Bahnanschlusses problemlos die Nachbar-Großbetriebe bahnseitig angeschlossen werden könnten. „Von Dieter Neumann von der Infraplan GmbH haben wir erfahren, dass die Errichtung solcher Nebenstrecken einfacher zu verwirklichen ist, als ein Neuanschluss mit der DB Netz AG.“ Natürlich setzte diese eine genaue Bedarfsermittlung voraus und vor allem Klarheit über die Lage des Anschlusses und die Bauart einer möglichen Bahnrampe – einschließlich der Finanzierung und möglicher Fördermittel.

Im Rathaus ist das Schreiben bekannt, bestätigt Stadtsprecher Thomas Käppler. „Wir werden uns des Themas annehmen“. Allerdings seien hier schnelle Entscheidungen kaum zu erwarten. Das brauche Zeit.