merken

Globalfoundries besteht den Tüv für Mikrochips im Auto

Dresdens größte Chipfabrik findet neue Kunden. Doch Hunderte Stellen sind gestrichen.

© dpa

Von Georg Moeritz

Bei Infineon gab es das schon vor vier Jahren: Ein Elektro-BMW aus dem Werk Leipzig stand damals auf der Hauptversammlung des Halbleiterkonzerns, um die wachsende Bedeutung der Mikrochips im Auto zu verdeutlichen. Nun will auch Globalfoundries Chips fürs Auto liefern. Am Montag durften daher Mitarbeiter der Globalfoundries-Chipfabrik in Dresden vor dem Haupteingang einen BMW i8 besichtigen. 1 000 Chips stecken in einem solchen Fahrzeug, sagte Oliver Aubel, Manager für das Auto-Programm in Dresdens größter Mikrochipfabrik. Globalfoundries Dresden will zunächst Chips für Auto-Kameras, Radar und Infotainment liefern. Um Motorsteuerung und Reifendrucksensoren kümmern sich andere Lieferanten – darunter auch Infineon und X-Fab in Dresden und das geplante Bosch-Werk, dessen Bautafel seit kurzem im Dresdner Norden steht.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Vier Prüfer des Tüv Süd haben die Dresdner Globalfoundries-Fabrik vier Tage lang überprüft und die gewünschten Zertifikate ausgestellt. Schließlich verlangt die Auto-Industrie Bauteile, die mehr Kälte und Hitze aushalten als Chips in einem Computer oder Handy. Bisher war Globalfoundries aber nur darauf spezialisiert: Ursprünglich lieferte die Fabrik Computerchips für das Unternehmen AMD, dann kam Qualcomm als Smartphone-Lieferant hinzu. 548 000 Siliziumscheiben verarbeitete die Dresdner Fabrik in ihrem besten Jahr 2014 zu Mikrochips. Auf jeder Scheibe mit 300 Millimetern Durchmesser entstehen Hunderte Chips in vielen Schritten durch Beschichten, Belichten und Ätzen.

Im Jahr 2016 brach die Produktion auf 409 000 Scheiben ein. Zwar verbesserte sich die Auslastung der Dresdner Fabrik laut jüngstem Geschäftsbericht innerhalb des Jahres wieder von weniger als 50 Prozent zu Jahresanfang auf mehr als 80 Prozent zum Jahresende. Der Umsatz schrumpfte 2016 von 1,9 auf 1,46 Milliarden Euro. Doch der damalige Dresdner Fabrikchef Rutger Wijburg verordnete technischen Umbau und 20 Prozent Personalkostensenkung.

Beschäftigte protestierten in der Innenstadt gegen einen befürchteten Abbau von 700 bis 800 Arbeitsplätzen einschließlich Leiharbeit. 500 Stellen wurden tatsächlich gestrichen. Heute beschäftigt Globalfoundries Dresden noch nahezu 3 500 Menschen. Zum Vergleich: Bei Infineon sind es gut 2 000, bei X-Fab 450, und Bosch hat Dresden rund 700 Arbeitsplätze versprochen.

Globalfoundries Dresden soll auch künftig Computer- und Smartphone-Chips liefern. Doch Manager Aubel rechnet damit, dass die Chips fürs Auto im Jahr 2024 einen zweistelligen Prozentanteil an der Produktion einnehmen. „Das stabilisiert den Standort deutlich“, sagte der Experte, der seit 14 Jahren in dem Werk arbeitet. Viele Auftragsschwankungen habe der Betrieb erlebt – das sei typisch bei Computerchips, aber nicht für Lieferanten der Autoindustrie. So steht es auch regelmäßig in den Geschäftsberichten von X-Fab – Autoteile seien über viele Jahre gleich und ein vergleichsweise stabiles Geschäftsfeld.

Auf dem Höhepunkt der Computer-Welle kam jeder fünfte Chip weltweit aus dem Dresdner Werk, berichtet Firmensprecher Jens Drews. Doch diese Welle sei abgeebbt. In der zweiten Welle der Chip-Industrie, getrieben durch Tablets und Smartphones, lässt das Wachstum derzeit nach. Daher soll sich die Dresdner Fabrik auf die erwartete dritte Welle einstellen – eine neue Chip-Nachfrage durch das Internet der Dinge, dazu gehören auch elektronische Autoteile. Laut Aubel dauert es höchstens zehn Jahre, bis Erfindungen wie der Spurhalte-Assistent ihren Weg vom Oberklasse-Auto bis zum Mittelklassewagen nehmen. Der Weltmarkt für Auto-Halbleiter soll von 35 Milliarden Dollar im vorigen Jahr auf 54 Milliarden im Jahr 2023 wachsen. Globalfoundries will davon etwas abbekommen.

Außer der Dresdner Fabrik wird aber auch die geplante in China mit der neuen 22-FDX-Technologie arbeiten. Sie verwendet kleinere Strukturen als die bisher üblichen 28 Nanometer. Globalfoundries verspricht auch weniger Stromverbrauch pro Chip, weil die neue Technologie mit Siliziumscheiben mit einer isolierenden Schicht arbeitet. Für teurere Chips mit noch kleineren Strukturen wird allerdings die Globalfoundries-Fabrik im US-Staat New York zuständig sein. Im Dresdner Betriebsrat wird das neue Geschäftsfeld Auto-Industrie dennoch mit Hoffnung gesehen. Die Arbeitnehmervertreter erwarten, dass neue Kunden den Standort weiterbringen. Globalfoundries wird nicht direkt an VW und BMW liefern, aber mit deren Lieferanten sprechen. In der Fabrik hängt schon die Parole „Zero Defect“, also Null Fehler als Aufgabe.

Globalfoundries Dresden gab am Montag auch bekannt, dass es einen Vertrag mit einem wichtigen Lieferanten in der Nachbarschaft verlängert hat: mit dem Maskenzentrum AMTC mit mehr als 250 Beschäftigten. Von dort kommen Werkzeuge zum Belichten der Siliziumscheiben – die Masken sehen wie Dias oder Schablonen aus. Das Unternehmen AMTC gehört Globalfoundries und dem US-Konzern Toppan. Voriges Jahr wurden mehr als 100 Millionen Euro in den Betrieb investiert.