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Glücksfall Aschenbrödel

Die aktuelle Schau zum Kultfilm hat schon wieder über 111 000 Besucher. Das nützt nicht nur Schloss Moritzburg.

© Arvid Müller

Von Sven Görner

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Moritzburg. Wer noch einen Blick in die Ausstellung zum tschechisch-deutschen Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ werfen will, muss sich beeilen. Denn zumindest in diesem Winter ist die Schau am Sonntag zum letzten Mal geöffnet. Schon jetzt steht fest – die Vorjahresbesucherzahl von 105 000 wird überboten. Denn nachdem die Schlossmitarbeiter in der vergangenen Woche den 100 000. Gast begrüßen konnten, waren es am Donnerstagmittag bereits über 111 000 Besucher.

Für viele Besucher der Winterausstellung ein Muss – eine Fahrt mit der Pferdekutsche ums Aschenbrödelschloss.
Für viele Besucher der Winterausstellung ein Muss – eine Fahrt mit der Pferdekutsche ums Aschenbrödelschloss. © Norbert Millauer
Noch schöner wäre das Erlebnis natürlich im Pferdeschlitten. Den gibt es dafür bei der diesjährigen Schau wieder im Schloss zu bewundern. Mit der Figurine von Knecht Vincek drin und dem Pferd davor.
Noch schöner wäre das Erlebnis natürlich im Pferdeschlitten. Den gibt es dafür bei der diesjährigen Schau wieder im Schloss zu bewundern. Mit der Figurine von Knecht Vincek drin und dem Pferd davor. © Norbert Millauer
Auf dem Schlossparkplatz war es an vielen Tagen schwer, eine freie Stellfläche zu finden. Denn oft parkten hier gleichzeitig auch vier, fünf Busse, viele davon aus Tschechien.
Auf dem Schlossparkplatz war es an vielen Tagen schwer, eine freie Stellfläche zu finden. Denn oft parkten hier gleichzeitig auch vier, fünf Busse, viele davon aus Tschechien. © André Wirsig

Die seit 2009 siebente Schau hat damit die Erwartungen der Ausstellungsmacher vom Schlösserbetrieb Sachsen erneut weit übertroffen. Gerechnet hatte man dort mit etwa 80 000 Besuchern. Schließlich wird die Schau in diesem Winter seit der Neugestaltung und Verkleinerung im Jahr 2015 bereits den dritten Winter mit nur wenigen Änderungen gezeigt.

Die winterlichen Aschenbrödel-Ausstellungen von November bis Februar haben sich damit für Schloss Moritzburg zu einer festen Größe und sicheren Einnahmequelle entwickelt. Die zweite Schau im Winter 2011/12 ist mit 180 000 Besuchern noch immer die mit Abstand erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte des Museums. Wenn man bedenkt, dass es die beiden sehr guten Sonderausstellungen im vergangenen Jahr zum Heiligen Benno auf der Meißner Albrechtsburg und zu Luise von Toscana im Schloss Pillnitz zusammen auf 106 000 Gäste gebracht haben, zeigt sich erst recht, was für einen Schatz Schloss Moritzburg mit der Aufbereitung des Aschenbrödel-Themas gehoben hat.

Dank der Winterausstellungen ist dort jetzt das ganze Jahr über Saison. In der Vor-Aschenbrödel-Zeit war der einstige Jagdsitz der Wettiner dagegen nur von Frühjahr bis Herbst geöffnet. Im Winter gab es lediglich an den Wochenenden Führungen.

Nun reißt der Besucherstrom fast das ganze Jahr über nicht ab und dementsprechend fließen auch die Einnahmen. Dass die so erzielten Überschüsse nicht einfach im Tagesbetrieb verbraucht werden, zeigt, dass man beim Schlösserland den Glückfall Aschenbrödel zu schätzen weiß. So wurden dank der zusätzlichen Einnahmen in den vergangenen Jahren mehrfach Ankäufe für die barocke Dauerausstellung getätigt. Für fast 100 000 Euro konnten beispielsweise Teile des königlichen Tafelsilbers ersteigert werden, die zum 1996 gefunden legendären Wettiner-Schatz gehörten. Während diese in einem neu gestalteten Bereich bereits im Schloss gezeigt werden, sollen andere Ankäufe ab dem nächsten Jahr in zusätzlichen Ausstellungsräumen im Backturm zu sehen sein.

Ein Glücksfall ist die Aschenbrödel-Schau indes nicht nur für das Schloss. „Die Ausstellung ist auch für Moritzburg extrem wichtig. Ob nun für die Gastronomen, die Kutscher oder die Hotels und Pensionen“, sagt Gundula Bleul, Geschäftsführerin der gemeindeeigenen Kulturlandschaft Moritzburg GmbH (KLM). „Man braucht sich ja nur im November, Dezember und jetzt den Schlossparkplatz ansehen.“ Dort stehen Autos und Busse auch in der Woche dicht gedrängt. „Ohne Aschenbrödel wäre das undenkbar.“ Nutznießer der winterlichen Besucherströme ist übrigens auch die KLM. Denn diese betreibt unter anderem die Touristinfo und die großen Parkplätze im Ort. „Auf dem Schlossparkplatz haben wir dank Aschenbrödel etwa die doppelten Einnahmen im Vergleich zu einem Winter ohne die Ausstellung.“

Da der 1973 gedrehte Film in Ost und West gleichermaßen beliebt ist, reisen auch viele Besucher über Hunderte Kilometer an. „Die gehen dann natürlich nicht nur zwei Stunden ins Museum, sondern auch essen, einige machen eine Kutschfahrt oder übernachten im Ort“, sagt Gundula Bleul. Sandra Irrmisch, Empfangs- und Verkaufsleiterin der Churfuerstlichen Waldschaenke, kann das bestätigen. „Wir haben sehr viel Übernachtungsanfragen von Gästen, die sich die Ausstellung anschauen möchten.“ Wer will, kann gleich ein Aschenbrödel-Angebot buchen, zu dem neben zwei Übernachtungen und einem speziellen Menü – u.a. mit Linsensalat und Haselnussparfait – auch der Eintritt und eine Kutschfahrt gehören. „Bei der Laufkundschaft merken wir zudem deutlich, dass das Museum montags geschlossen ist.“

Dass die Aschenbrödelausstellung ein Glücksfall für den Ort ist, meint auch Bäckermeister Karsten Liebscher aus Weinböhla. „Wir haben unsere Filiale seit 1996 in Moritzburg. Ohne Aschenbrödel war vor allem im November und zu Jahresbeginn Saure-Gurken-Zeit. Jetzt sind viel mehr Leute unterwegs.“ Er wünscht sich allerdings, dass dieses Zugpferd noch besser genutzt wird, indem sich alle Beteiligten mehr abstimmen. „Damit wir den Gästen auch künftig um das Thema herum Neues bieten können.“

„Jeder, der in Moritzburg auf Gäste angewiesen ist, weiß, wie wichtig Aschenbrödel ist“, sagt Kutscher Bernd Haase. „Schnee und Eis gibt es kaum noch, wer kommt da im Winter nach Moritzburg? Ohne Aschenbrödel hätte ich da kaum was zu tun.“

Der große Erfolg der Ausstellung an einem der Drehorte des Kultfilmes überrascht Gundula Bleul nicht: „Das Thema spricht die ganze Familie an. Omas und Mütter erinnert der Film an ihre eigene Kindheit und auch die Enkel und Kinder werden jetzt wieder damit groß.“