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Glücksspiel ist was für Verlierer

Im Tatort trifft Kommissar Borowski auf eine Frau, der ein Lottoschein zum Verhängnis wird.

Kommissar Borowski (Axel Milberg) und seine Kollegin Almila Bagriacik (Mila Sahin) im Tatort: "Borowski und das Glück der Anderen" über ein allzu menschliches Phänomen. © dpa

Ach, das Glück. Jeder sucht es, manche finden es. Für viele ist das kleine Glück das große Glück. Nicht so für Supermarkt-Verkäuferin Peggy. Sie sieht im Kieler Tatort nur „das Glück der Anderen“.

Sie will es auch einmal so gut haben wie ihre arroganten „schweinescheißreichen“ Nachbarn, die nie grüßen. Peggy möchte nicht ewig an der Kasse sitzen, Treuepunkte verschenken und ein freundliches Lächeln aufsetzen. Und von den Kunden wie Luft behandelt werden. Eines Abends beobachtet sie, wie das Paar in der Villa gegenüber bei der TV-Ziehung der Lottozahlen vor Freude in die Höhe springt. Offenbar haben die beiden den Millionen-Jackpot geknackt. Ausgerechnet die! Doch dann wittert Peggy ihre Chance. Der Jackpot wird nicht eingelöst. Haben die Nachbarn den Lottoschein verlegt? Peggy bricht in die Wohnung ein, sucht den Schein und findet eine Pistole. Der Besitzer kehrt zu früh zurück, hält sie für die „neue Putzfrau“, und Peggy drückt panisch sieben Mal ab. Wird zur Mörderin wider Willen. Autor Sascha Arango und Regisseur Andreas Kleinert gelingt das Kunststück, keine plakative Neid-Story zu erzählen, sondern die aberwitzige Geschichte einer Frau, die zwischen Wahn und Wirklichkeit wandelt. Karin Wichmann vom Deutschen Theater Berlin spielt Peggy mit liebevoll-sympathischen Zügen, zeigt sie als eine Frau, die mehr vom Leben will als ihr Ehemann, der mit Kohlroulade, Bier und Fernsehen zufrieden ist.

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Eigentlich geht es Peggy gar nicht um den großen Gewinn: „Glücksspiel ist was für Verlierer.“ Sie möchte wahrgenommen, nicht übersehen werden. „Ich war noch nie wichtig“, meint sie. Aber wer Geld hat und teure Klamotten trägt, findet automatisch Beachtung, vermutet sie nicht ganz falsch. Wenn im jüngsten Tatort auch manche Träne fließt, es triumphiert die Leichtigkeit des Seins. Amüsante Dialoge, überraschende Einfälle und soziales Gespür gehen Hand in Hand.

Der Film pendelt zwischen Tragik, Komik und Groteske, spielt mit Klischees. Und er brilliert mit Kommissar Borowski, der seiner jungen Kollegin mit einer kleinen Lüge zu einer Wohnung verhilft. Axel Milberg, die ironisch-distanzierte Ruhe in Person, fühlt sich in der Rolle pudelwohl und stellt in gespielter Naivität die richtigen Fragen. Als seine Mitstreiterin wissen will, ob er noch Junggeselle ist, antwortet Borowski doppelsinnig: „Mir fehlt zum Glück die Frau.“