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Görlitz erlebt erste Inthronisation

Der Deutsche Sankt Michael Ritter-Orden tagt und führt den Großmeister in sein Amt ein. Ein Festort ist die Jakobuskirche.

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© Jens Trenkler

Von Ralph Schermann

Görlitz. Gibt es noch Ritter, außer in Filmen und zum Altstadtfest? In Görlitz schon. Hier hat der Deutsche Sankt Michael Ritter-Orden seinen Sitz. Dessen Großmeister, Horst-Achim Ehrenbrecht, erwartet jetzt eine besondere Ehre. Der ehemalige Leistungssportler, Manager in der internationalen Luft- und Raumfahrtindustrie und Dozent für Wirtschaftswissenschaften wird am Sonnabend durch den Hochmeister des Deutschen Ritterbundes vor 70 Gästen aus Deutschland und Österreich in sein Amt eingeführt. Damit erfolgt erstmals die Inthronisation eines Großmeisters in Görlitz.

Bereits im April hatte ihn der 2008 gegründete Orden eingeladen. Da wurde er offiziell als Mitglied des Deutschen Ritterbundes aufgenommen. Zu den Gästen zählte auch Andreas Grapatin, Leiter des Wroclawer Verbindungsbüros der Sächsischen Staatskanzlei. Und ein Spendenaufruf erbrachte spontan 1 100 Euro zugunsten eines Görlitzer Kinderheimes und der Organisation Ärzte ohne Grenzen. Damit stellte die Vereinigung erneut unter Beweis, dass sie sich für einige vielleicht eigenwillig anmutende Sitten und Bräuche, vor allem der Pflege einer überholt wirkenden Sprache, für Bedürftige einsetzt. So finanzierte zum Beispiel der zehnte Konvent umfangreiche Hilfen für Menschen, die als Kind im Vietnamkrieg durch von den USA eingesetztes Nervengift schwer geschädigt wurden. Und so verstehen die Mitglieder auch ihren Namen: Der Heilige Erzengel Michael gilt als Nothelfer. Der Görlitzer Horst Ehrenbrecht nannte das „ein Bekenntnis der Ritter für einen Beitrag zu friedlicher Koexistenz in grenzüberschreitender internationaler Völkerverbindung.“

Als Höhepunkt des jetzt anstehenden Konvents mit der Inthronisation gilt erneut der Einzug in die Kathedrale St. Jakobus zum Festgottesdienst. Die katholische Kirche stellt ihr Gotteshaus dafür bereit, dankte Horst Ehrenbrecht ausdrücklich. Kreuzzüge seien von den heutigen Rittern freilich nicht zu erwarten, sie wären auch keine Märchenspieler oder Realitätsflüchtlinge. Es sind Unternehmer, Lehrer, Polizisten, Ärzte, Beamte. Sie alle wollen „fern der jetzigen Politik kulturelle Werte bewahren und ihre Mittel für wohltätige Zwecke, Kulturveranstaltungen und die reichhaltige Kenntnis der gesamten abendländischen Geschichte einsetzen“. Da der Orden keineswegs ein Geheimbund ist, sind zudem alle Interessenten willkommen.