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Görlitz findet Platz für 26 Eigenheime

Am Ziegeleiweg könnte in einem Jahr Baubeginn sein. Vorher sind aber noch viele Fragen zu klären.

© Archivfoto: Nikolai Schmidt

Von Ingo Kramer

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Görlitz. Kaum hatten Hanka Liß vom Amt für Stadtentwicklung und Eigentümer Torsten Launer die Pläne für die neue Eigenheimsiedlung am Ziegeleiweg vorgestellt, da stand ein Anwohner von der Minna-Herzlieb-Straße auf: „Von der geplanten Erschließung der Baustelle über die Minna-Herzlieb-Straße können Sie sich gleich mal trennen“, sagte der Mann: „Das ist eine Spielstraße, da können Sie mit Baufahrzeugen nicht durchrammeln.“ Die Erschließung sei ausschließlich über den Ziegeleiweg möglich. „Nein“, fiel ihm eine Frau ins Wort: „Im Ziegeleiweg wohnen wir!“

Diese Szene, nach der Hanka Liß erst einmal Mühe hatte, die Gemüter wieder zu beruhigen, steht beispielhaft für das, was sich am Dienstagnachmittag in der Jägerkaserne abspielte. Die Stadt hatte zu einer Bürgerversammlung eingeladen, in der die neue Eigenheimsiedlung zwischen Ziegeleiweg und Minna-Herzlieb-Straße vorgestellt wurde. Torsten Launer plant 26 Einfamilienhäuser, Andrea Zarth kümmert sich um den Verkauf der Grundstücke.

Viele Anwohner stört nicht unbedingt der Fakt, dass Häuser gebaut werden sollen. Stattdessen ist die Zufahrt für die Baufahrzeuge für viele das Hauptproblem. Der Ziegeleiweg sei schon immer viel zu schmal, Anwohner berichteten von wiederholt abgefahrenen Autospiegeln. Für Baufahrzeuge sei da erst recht kein Platz. Hanka Liß und Torsten Launer betonten immer wieder, dass in dieser Frage noch nichts entschieden sei. Nur eines sei sicher, so Launer: „Mit dem Hubschrauber einfliegen können wir die Baufahrzeuge nicht.“

Auch sonst steht noch längst nicht alles fest. Die Grafik, die die SZ heute erstmals exklusiv zeigt, ist nur ein erster Entwurf, betonte Launer: „Da kann es noch einige Veränderungen geben.“ Vieles, was wichtig ist, sei eingehalten, so der vorgeschriebene Mindestabstand zum Friedhof von 35 Metern oder der große Abstand zur Tischlerei Thierbach, die als angestammtes Unternehmen natürlich Bestandsschutz habe. Von dem Betrieb gehen Arbeitsgeräusche aus, ein Lärmschutzgutachten wird nötig sein. Folglich will Launer diese Ecke seines Grundstücks nicht bebauen.

Das eigentliche Hauptproblem aber liegt für ihn woanders: Die Regenentwässerung des Grundstücks ist schwierig. Das, so Hanka Liß, sei einer der Gründe, warum das ursprünglich im Jahr 1999 begonnene Bebauungsplanverfahren abgebrochen wurde. Ein anderer Grund damals war die fehlende Nachfrage nach Eigenheimen. Letzteres habe sich inzwischen ganz klar geändert, so Launer: „Seit vielen Jahren fragen mich Kunden, wo sie bauen können, aber ich kann ihnen nicht viel anbieten.“ Deshalb befasse er sich nun schon seit einiger Zeit mit diesem Gebiet – und auch mit der Frage der Regenentwässerung, zu der es inzwischen auch Erkundungsbohrungen gab. Ergebnis: „Der Boden ist nicht sehr versickerungsfähig.“ Über ein Regenwasserrückhaltebecken, das mitten in der neuen Siedlung entstehen soll, könne das Problem aber gelöst werden.

Eine andere Frage ist, wie die Häuser aussehen sollen. Anwohner Volker Bandmann betonte, dass die Mehrzahl der Häuser an der Minna-Herzlieb-Straße von einem Bauträger errichtet wurden und somit eine einheitliche Handschrift tragen. Da sei eine gewisse Ruhe drin: „Soll dieses Prinzip fortgeführt werden oder sollen die neuen Häuser aussehen wie Kraut und Rüben?“, wollte der 66-Jährige wissen.

Offensichtlich ist genau diese Frage ein Generationenproblem. Bei der Versammlung am Dienstag waren auch mehrere junge Leute anwesend, die gern bauen würden – aber eben nicht alles vorgegeben haben wollen. „Wenn harsche Vorschriften gemacht werden, wird es für mich höchst uninteressant, dort zu bauen“, sagte einer.

Am Ende wird es auf einen Kompromiss hinauslaufen, so Hanka Liß. Eine bestimmte Orientierung wird vorgegeben sein, aber es wird auch Spielraum geben. Denkbar seien Anderthalbgeschosser nahe der Minna-Herzlieb-Straße, aber Flachbauten an der Friedhofsseite. Gerade ältere Bauherren wollen Häuser ohne Treppen, in denen alles auf einer Ebene erreichbar ist.

Was Launer und Hanka Liß mehrfach betonten: Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Die Planung wird sich über das ganze Jahr hinziehen, zwischendrin sind noch zwei Bürgerbeteiligungsrunden geplant. Launer hofft, dass in einem Jahr der erste Bagger anrückt. Am Dienstag ließen sich einige junge Leute spontan als Interessenten vormerken.