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Görlitz hat wieder Elch-Besuch

Die beiden Tiere wurden am Freitagabend nahe der A 4 das erste Mal gesehen. Es sollen Mutter und Tochter sein.

© privat

Von Daniela Pfeiffer

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Görlitz/Rothenburg. Was steht denn dort? Rehe? Nein, dafür sind sie definitiv zu groß. Das sieht doch fast aus wie .... Und tatsächlich: Die beiden Tiere, die eine Bundespolizistin am frühen Sonntagmorgen während einer Dienstfahrt auf der Autobahn sieht, sind Elche. Mutter und Tochter höchstwahrscheinlich. Die junge Polizistin und ihr Mann haben gleich Michael Striese, den Elch-Experten der Region, kontaktiert. Der freute sich über die Sichtungsmeldung, obgleich sie für ihn am Sonntag nicht überraschend kam. Nicht mehr. Denn ein Bekannter von ihm – ein Jäger – hatte die Elch-Damen schon am Freitagabend entdeckt. Im gleichen Gebiet, wo sie auch am Sonntag von der Bundespolizistin gesehen und fotografiert wurden.

Ein Tier mit Sender – das ist natürlich für wissenschaftliche Zwecke perfekt. Bei den Elch-Damen, die zurzeit in Görlitz sind, wird das allerdings schwierig.
Ein Tier mit Sender – das ist natürlich für wissenschaftliche Zwecke perfekt. Bei den Elch-Damen, die zurzeit in Görlitz sind, wird das allerdings schwierig. © Dr. Axel Gebauer

Anhand des Fotos kann der Experte ziemlich sicher sagen, dass es zwei Weibchen sind. Und anhand der Größe des Jungtieres ist er zudem sicher, dass es ein Vorjahreskalb ist. „Wahrscheinlich sind die beiden schon seit Donnerstag hier unterwegs. Das haben die Fährten gezeigt“, sagt Michael Striese. Schon zuvor seien sie an der Kunnersdorfer Senke gesehen worden. Doch wann und wo sie über die Neiße kamen, kann er nicht sagen. Dass sie aus Polen kommen, scheint sicher. Fast alle Elche, die hier gesichtet werden, stammen von dort. Immerhin soll es in Polen um die 30 000 dieser Tiere geben. Zwischen 2001 und 2017 durften sie nicht geschossen werden. Das wurde für Teile Ostpolens im vergangenen Jahr aufgehoben, zu massiv seien die Schäden gewesen, vor allem an Obstbäumen. „Ich hoffe, dass Elche nicht noch in weiteren Teilen Polens geschossen werden dürfen“, sagt Striese, der die imposanten Riesen seit Jahren erforscht und ihre Wege verfolgt.

So wie auch die des letzten derartigen Besuchers in Görlitz: Elch Ole. Nachdem er vor fast exakt drei Jahren in Dresden durch seinen Besuch in einem Bürogebäude für Schlagzeilen gesorgt hatte, zog es ihn wieder Richtung Polen. Allerdings tat er sich schwer, hier einen Übergang zu finden, wie Michael Striese weiß. Er hatte damals die Chance, das Tier mit einem Sender zu versehen, nachdem es in Dresden narkotisiert wurde. Dadurch weiß man auch, dass Ole sich in Görlitz sogar mitten in die Stadt traute – oder verirrte. Er überquerte die Schlesische Straße – hin und zurück – und lief bis zum Neuen Friedhof. Nach mehreren Tagen Umherirrens im Görlitzer Norden habe er schließlich durch eine Eisenbahnunterführung nach Polen gefunden.

Vielleicht suchen auch die Elch-Damen einen Weg nach Polen. Aber Michael Striese vermutet, dass sie noch ein Weilchen in der Gegend bleiben werden. Die Kühe laufen bei den Elchen nicht annähernd so weit wie die Bullen, die schon mal mehrere 100 Kilometer zurücklegen können. Striese will sich in den nächsten Tagen noch mal auf Spurensuche begeben. Dass er die Tiere zu Gesicht bekommt, glaubt er nicht. Deshalb stelle sich auch die Frage des Besenderns diesmal nicht. Abgesehen davon, dass so ein Sender an die 4 000 Euro koste, seien Genehmigungen nötig. Bei Ole in Dresden war das damals ein anderer Fall. „Die Chance, so nah an einen Elch heranzukommen, ist gering.“ Trotzdem möchte Striese, dass der Ort der Sichtung an der A 4 nicht konkreter benannt wird. Falls Leute auf die Idee kommen, sich gezielt auf die Suche zu begeben, könne das die Tiere nervös machen. Und sie sollen auf keinen Fall dadurch in Richtung Autobahn gedrängt werden. Sollten aber Spaziergänger die beiden Elch-Mädels sehen, ist Striese über jeden Hinweis dankbar. „Wichtig ist, ihnen mit gebührendem Abstand und Respekt gegenüberzutreten“, mahnt er. „Sie sind ja doch sehr groß und wenn sie einen Menschen so schubsen, wie sie sich gegenseitig schubsen, ist das extrem gefährlich.“ Wissenswert auch: Zäune bis 1,20  Meter sind für die Riesen kein Problem.

Obacht geben sollten übrigens auch die Rothenburger. „Nördlich von Rothenburg gab es am Freitag auch eine Elchsbeobachtung. Es sind derzeit also wenigstens drei Elche in der Gegend“, so Michael Striese.

Michael Striese ist unter 0173 8222984 oder per E-Mail an [email protected] zu erreichen.