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„Görlitz ist der richtige Ort für deutsch-polnische Forschung“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) über ein geplantes Zentrum für digitale Innovationen, dessen Ziele und möglichen Standort.

© dpa

Von Tilo Berger

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Die Länder Sachsen und Brandenburg fordern vom Bund, in der Lausitz ein Institut anzusiedeln. Dort soll an Technologien für die Zukunft geforscht werden – so wie sie die Region braucht. So ein Institut könnte zudem junge Leute locken, die gutes Geld verdienen und Kaufkraft in die Lausitz bringen. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD findet sich dazu ein Passus, über den die SZ mehr von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erfuhr.

Herr Ministerpräsident, laut Koalitionsvertrag will Deutschland zusammen mit Polen ein Zentrum für digitale Innovationen in der Systemforschung einrichten. Es heißt, dieses Projekt hätten Sie in den Vertrag hinein verhandelt?

Die Initiative geht mehr von Professor Sauerbrey aus, dem Wissenschaftlichen Direktor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf. Er hat an der Universität Breslau, an der Technischen Universität Dresden und der Max-Planck-Forschungsgesellschaft mit vielen potenziellen Partnern eines solchen Zentrums gesprochen. Es gibt deutsch-französische Forschungsprojekte, warum soll es dann nicht auch ein deutsch-polnisches geben? Roland Sauerbrey und ich haben darüber gesprochen, und ich unterstütze das mit aller Kraft.

Bei digitalen Innovationen geht es um Neuentwicklungen. Aber was hat es mit Systemforschung auf sich?

Ganz simpel gesagt: rechnen. Ob nun an neuen Therapien gegen bestimmte Erkrankungen geforscht wird oder über den Umgang mit bestimmten Umwelteinflüssen, ob es um die Geheimnisse der menschlichen DNA geht – bei allem hat die Mathematik ihre Hände im Spiel. Ärzte und Wissenschaftler tauschen sich übers Internet aus, Datenbanken sind online verfügbar, alles wird digitaler. Das klingt zunächst wenig greifbar, ich weiß. Aber die Forschungsergebnisse dieses Zentrums werden in den Alltag der Menschen eingreifen.

Wo soll das Zentrum seinen Sitz haben?

Wir streben die Ansiedlung in der Europastadt Görlitz-Zgorzelec an. Der richtige Ort dafür wäre die Hochschule. Es wäre ja nicht das erste Forschungsinstitut, das sich da ansiedelt. Das Fraunhofer-Institut betreibt da schon ein Zentrum für Internetsicherheit. Das neue Zentrum bräuchte weder neue Räume noch einen riesigen Zentralrechner. Nötig sind Büros, Computer und ein Glasfaser-Anschluss für schnelles Internet. All das bietet die Hochschule in Görlitz.

Wie viele Menschen aus Polen und Deutschland sollen dort arbeiten?

Wir stehen ganz am Anfang, das muss sich erst entwickeln. Wir gehen davon aus, dass dort junge Leute aus beiden Ländern arbeiten werden, die auch in der Stadt oder in der Umgebung wohnen und Geld ausgeben. Polen und Deutsche reden viel über Themen der Vergangenheit. Das ist ja auch richtig, aber wir wollen in Richtung Zukunft denken. Polen und Deutsche können zusammen arbeiten und sich dabei besser kennenlernen.

Arbeitet das Zentrum zweisprachig?

Das wird sich zeigen. Vielleicht reden dort auch alle Englisch miteinander – das wissen wir heute noch nicht.

Das Gespräch führte Tilo Berger.