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Görlitz macht sich winterfest

Bevor Frost und Schnee kommen, ist viel zu tun. Auch so manches, an das der Bürger zunächst gar nicht denkt.

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© Friso Gentsch/dpa

Von Ralph Schermann

Da hatten wir ihn in der vorigen Woche doch noch, den sonnigen Herbst. Doch die Tage kurzer Ärmel sind gezählt, das Schmuddelwetter drängelt sich vor. Da wird es Zeit, vorauszudenken. Zum Einkauf der Weihnachtsgeschenke bleiben nur noch 50 Tage Zeit, doch das ist für die Verwaltungen die geringste Sorge. Für sie ist es höchste Zeit, bei Plusgraden schon im Minus zu denken. Winterfestmachung ist angesagt. Und sie läuft auf vollen Touren.

Wie der Winterdienst läuft

Grünzeug: Bevor es kalt wird, müssen Pflanzen sicher und Brunnen dicht sein

Zunächst muss öffentlich bedacht werden, was auch Hobby- und Kleingärtner bewegt: Pflanzen sichern. Das Sachgebiet Stadtgrün plant das sehr konkret: Zuerst sollen am 25. und 26. Oktober die Kübel mit den Phönixpalmen vom Marienplatz und am City-Center ins Überwinterungshaus gebracht werden. Eine Woche später nehmen sich die Stadtgärtner den Lorbeerbäumchen auf Brüderstraße und Untermarkt sowie der Schmucklilien in der Ochsenbastei an. Zu ihren Wintervorbereitungen gehören zudem die Zierbrunnen. Kleinere Anlagen werden bereits seit 9. Oktober schrittweise außer Betrieb genommen. Große Anlagen, nämlich Muschelminna, Neptunbrunnen, Georgsbrunnen, Wasserband Marienplatz, Brunnen im Nikolai- und Ochsenzwinger sowie auf der Berliner Straße erhalten ab der ersten Novemberwoche ihre Winter-Ummantelungen. Zum Lichterglanzfest am Wochenende sind sie also noch an. Bereits erledigt wurde das Abräumen des Sommerflors am Wilhelmsplatz. Auf dem Postplatz werden diese Arbeiten folgen.

Steinzeug: Für besondere Görlitzer Denkmale gibt es schützende Hüllen

Ins Winterkleid kommen zurzeit auch mehrere Denkmale. So ist die „Verzweiflung“ neben dem Goldfischteich im Stadtpark bereits eingehaust. Seine vor Frost schützende Umhüllung wird der „Harmonikaspieler“ in Weinhübel im November erhalten. Ende Oktober geht auf der Lunitz das Tanzglockenspiel in den Winterschlaf. In den verfallen vom 1. November bis zum 31. März komplett auch der Nikolaizwinger und die Görlitzer Ochsenbastei.

Streuzeug: Räumen und Streuen sind wichtig, aber nicht überall Pflicht

„Der Einsatzplan Winterdienst gilt ab dem 13. November“, sagt Sylvia Otto im Görlitzer Rathaus. Streumaterial ist ausreichend eingelagert. Dafür stehen in Görlitz zwei Silos mit je 40 Tonnen und ein Hallenlager mit 150 Tonnen Fassungsvermögen zur Verfügung. „Die Technik, zurzeit noch zur Laubberäumung eingesetzt, wird kurzfristig bei sich ankündigendem Winterwetter umgebaut“, informiert die Stadtsprecherin. Städtisch besteht für den Betriebshof eine Räum- und Streupflicht auf 20 Kilometer Wegen entlang von öffentlichen Gebäuden, Grün- und Parkanlagen. Zusätzlich werden aber auch Wege aufgrund ihrer Bedeutung innerhalb von Parks winterdienstlich betreut: der Lenné-Weg im Stadtpark oder auch Hauptwege im Birkenwäldchen und Kidrontal. Andererseits werden aber auch Treppen in Parkanlagen gesperrt, wenn das Winterwetter das erfordert.

Für die Innenstadt gilt zudem auch diesmal: Der Parkplatz Obermarkt wird, wenn notwendig, immer freitags ab 8Uhr beräumt, und der Marienplatz wird lediglich in den Hauptlaufrichtungen in 3,5 Meter Breite geräumt und mit Splitt abgestumpft.

Die Winterdienstleistungen für reichlich 200 Kilometer Stadtstraßen wurden ausgeschrieben, und auch für den kommenden Winter erhielt die Straßendienst und Kommunalservice GmbH Görlitz den Zuschlag. „Alle Einsatzpläne wurden aktualisiert“, bestätigt Sylvia Otto. Bis 15. November will die Stadtverwaltung alle notwendigen Schneezäune aufgestellt und Selbsthilfe-Streugutbehälter aufgefüllt haben. Und falls es doch ein überaus schneereicher Winter werden sollte, wurde als Schneedeponie wieder der Gewerbering Nordost in Klingewalde bestimmt.

„Es wird aber auch diesmal wieder darauf hingewiesen, dass der Winterdienst eine freiwillige Aufgabe der Stadt ist und nur nach finanziellen und technischen Möglichkeiten durchgeführt werden kann“, betont Sylvia Otto, die damit an die Pflichten der jeweiligen Anlieger erinnert.

Vertragszeug: Damit es reicht, hat der Landkreis viele Räumfirmen gebucht

Auch im Landkreis Görlitz heißt es: Der Winter kann kommen. „In jeder Straßenmeisterei stehen zwei Lkw, zwei Unimog und ein Kleingeräteträger als eigene Fahrzeuge zur Verfügung. Unter Vertrag stehen insgesamt 33 Fahrzeuge und Geräte, davon 14 Lkw und zwei Unimog“, informiert Julia Bjar vom Landratsamt Görlitz. Insgesamt sind im Kreis 4590 Tonnen Salz eingelagert. Weil das mehr ist, als in die Lagerhallen passt, wurden zusätzlich in Lagerschläuchen und Hoch-Silos in Reichenbach und Weißwasser Salzvorräte gebunkert.

Die vier Straßenmeistereien des Kreises betreuen 1212 Kilometer Straßen, darunter 249 Kilometer Bundes-, 475 Kilometer Staats- und 488 Kilometer Kreisstraßen.

Fahrzeug: Der öffentliche Nahverkehr ist auf Flockenwirbel vorbereitet

Die Verkehrsgesellschaft Görlitz (VGG) hat gemeinsam mit der Stadtverwaltung ihre Winterdienstpläne durchgearbeitet. „Die Ein- und Ausstiegsflächen von 124 Haltestellen werden nach Tourenplan durch eine vertraglich gebundene Firma beräumt und gestreut. Die Einsätze werden durch unsere Leitstelle abgerufen“, erklärt der Leiter Infrastruktur der VGG, Uwe Exner. Die zu betreuenden Flächen haben dabei sehr unterschiedliche Größen und reichen von zehn Quadratmeter einer einfachen Bushaltestelle bis zu über 900 Quadratmeter am neuen Busbahnhof. „Es gilt das Prinzip: Straßenbahn- und Innenstadthaltestellen werden zuerst beräumt“, betont Exner.

Alle Weichenheizungen wurden überprüft, die Wintertechnik ist einsatzbereit, Streumaterial vorhanden, ergänzt der VGG-Experte zur Wintervorbereitung.

Kontrollzeug: Stadtwerke achten sehr genau darauf, dass nichts einfriert

Auch für die Stadtwerke (SWG) ist jeder Winter eine Herausforderung, vertrauen die Bürger doch vor allem in der dunklen und kalten Jahreszeit mehr denn je auf eine stabile Fernwärme-, Gas- und Stromversorgung. Die Stadtwerker selbst indes schauen vor allem auf ihre Trinkwassersparte. „Wir haben begonnen, die notwendigen Kontrollen zu verstärken“, berichtet SWG-Sprecherin Belinda Brüchner. Dazu gehört zum Beispiel die Entleerung der Hydranten von stehendem Wasser, damit nichts einfrieren kann. So überprüft werden auch alle Behälter und Pumpwerke. Belinda Brüchner bittet auch die Mieter um entsprechende Vorbereitung: „Schützen Sie Zähler und Schächte in Häusern vor Frost. Schließen Sie im Winter Fenster von Kellern mit Versorgungsanlagen.“

Sportzeug: Ski und Rodel sind gefragt, sogar an den Lenz wird schon gedacht

Noch viele weitere Görlitzer bereiten sich in diesen Tagen auf den kommenden Winter vor. Hausmeisterdienste halten ihre Technik bereit, Autowerkstätten haben gut zu tun mit dem Aufziehen von Winterreifen. Sportgeschäfte locken mit Ski- und Rodelgeräten, Reisebüros mit schneesicheren Touren. Und sogar an das kommende Frühjahr wird im Winter schon gedacht: Die Stadtverwaltung Görlitz hat sich rechtzeitig die Blumenzwiebeln für die 2018er Bepflanzung von Post- und Wilhelmsplatz anliefern lassen. Bereits ab Mitte dieser Woche werden sie in die Erde gebracht.

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