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Impfoffensive: Kreis Görlitz plant 18 lokale Impfzentren

Hier sollen vor allem Menschen über 80 Jahre geimpft werden. Dadurch könnten auch Jüngere schneller an der Reihe sein. Hier alle Details zum Plan.

Einige Oppacher brachte jetzt ein Bus nach Löbau zum Impfzentrum. Die Wege zur Impfung sollen noch kürzer werden.
Einige Oppacher brachte jetzt ein Bus nach Löbau zum Impfzentrum. Die Wege zur Impfung sollen noch kürzer werden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

So wie jeder Kreis in Sachsen hat auch der Landkreis Görlitz bisher ein Impfzentrum - in Löbau. Eine Schwierigkeit von Beginn an: Vielen über 80-Jährigen, die nicht in einer Pflegeeinrichtung leben, fällt es nicht leicht, nach Löbau zu fahren. Das merkte auch die Kreisverwaltung - an vielen Anrufen älterer Menschen, die nicht wussten, wie sie an einen Termin und dann noch Löbau kommen sollten. Das soll ab April ganz anders werden: zum einen durch Hausärzte, zum anderen durch 18 lokale Impfzentren im Kreis. Die SZ hat die Details.

Für wen sind die lokalen Impfzentren geplant?

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Die lokalen Impfzentren sollen für die Menschen über 80 Jahre sein, erklärt Pflegekoordinator Matthias Reuter, zuständig für die Sozialplanung im Landkreis Görlitz. "Und sie sind vor allem für diejenigen der über 80-jährigen Menschen, die nicht aus eigener Kraft oder mit Hilfe von Angehörigen nach Löbau kommen können."

Wo sollen die lokalen Impfzentren entstehen?

Bislang haben 18 Kommunen Interesse signalisiert, teilt Reuter mit: Schleife mit den Gemeinden Trebendorf, Groß Düben und Gablenz, Weißwasser zusammen mit Weißkeißel, Boxberg, Rietschen, Hohendubrau gemeinsam mit Mücka, Rothenburg zusammen mit Hähnichen, Kodersdorf, Niesky, Görlitz, Bernstadt mit Schönau-Berzdorf, Neusalza-Spremberg, Ebersbach-Neugersdorf, Eibau, Herrnhut, Seifhennersdorf, Großschönau, Zittau. Oppach könnte mit Neusalza kooperieren. "Das ist der jetzige Stand. Alle Gemeinden haben sich noch nicht zurückgemeldet", sagt Reuter.

Wann sollen die lokalen Impfzentren starten?

Nicht vor April. "Das hat damit zu tun, dass die mobilen Impfteams jetzt noch in den Pflegeheimen zu tun haben." Und auf die mobilen Impfteams will der Kreis beim Personal in den lokalen Impfzentren setzen. "Sie werden zum Beispiel auch noch in den Behinderteneinrichtungen gebraucht. Erst wenn sie die Kapazitäten haben, können wir in die Kommunen gehen."

Wo sollen die Impfärzte herkommen?

Bei einer Impfung muss auch immer ein Arzt dabei sein. Alleine für die medizinische Aufklärung. Wie viele Fragen die Menschen zur Corona-Impfung haben, hatte kürzlich der Görlitzer Impfarzt Hans-Christian Gottschalk geschildert. Dazu kommt natürlich die medizinische Überwachung der Impfung. "Wir wollen es so handhaben wie derzeit in den Pflegeheimen, wo die Hausärzte mit vor Ort sind", erklärt Reuter. "In manchen Regionen haben sich auch Ärzte im Ruhestand gemeldet. Sollte das alles nicht funktionieren, stellt die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen die Ärzte bereit."

Wie lange sollen die lokalen Impfzentren arbeiten?

Das ist abhängig von der Zahl der über 80-jährigen Einwohner, die noch nicht geimpft sind und keine Unterstützung für den Weg nach Löbau haben, und auch von der Zahl der Impfärzte vor Ort. Aus den Erfahrungen, die der Impfbus des Freistaates, zum Beispiel in Bannewitz gemacht hat, geht der Kreis davon aus, dass pro Tag 150 bis 200 Personen geimpft werden könnten. Für kleine Gemeinden könnte ein Tag reichen, schildert Reuter. Für Görlitz oder Zittau, müsse längerfristig geplant werden, sagen sowohl Matthias Reuter als auch der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. "In Görlitz leben etwa 5.700 Menschen über 80 Jahre", sagt Ursu. Ein Teil von ihnen wohnt in Heimen - der größere Teil aber zu Hause. "Das heißt, wir sprechen von mehreren Tausend Menschen", so Ursu.

Wer trägt die Kosten?

Der Freistaat ist an den lokalen Impfzentren, anders als in Löbau, nicht beteiligt. Muss also der Kreis alleine zum Beispiel für die Arztkosten aufkommen? Nein, sagt Reuter. "Die Ärzte würden ganz normal über die Kassenärztliche Vereinigung entlohnt. Was bei uns liegt, ist der organisatorische Aufwand, die Absprachen mit den Kommunen, die Frage nach dem Transport zu den Standorten."

Braucht es die lokalen Impfzentren überhaupt?

Das ist eine Gretchenfrage. Bislang gibt es das Impfzentrum in Löbau, wo nur zwei von acht Impfstrecken ausgelastet sind. 40 Hausärzte sachsenweit sollen im März in einem Pilotprojekt mit den Impfungen in den Praxen beginnen. Hausärzte sollen flächendeckend ab April impfen können, hieß es aus dem Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch. Der Kreis will so aber auf Nummer sicher gehen, sicher auch geprägt durch die Erfahrungen mit der Impfkampagne seit Anfang des Jahres. So will der Kreis die lokalen Impfzentren mit den Impfbussen des Freistaates verknüpfen. Bislang gibt es nur drei dieser Busse, aber Reuter rechnet mit einem pro Kreis demnächst. Für die Impfbusse wären die lokalen Impfzentren eine Erleichterung, argumentiert er. "Sie brauchen ja auch eine Infrastruktur, mit Toiletten, einem Wartebereich und so weiter." Die erste Anlaufstelle bleibe das Impfzentrum Löbau, sagt er. Wer die Möglichkeit habe, dort einen Termin wahrzunehmen, solle sie auch unbedingt nutzen. "Wir wollen einfach ein Zusatzangebot schaffen."

Gab es andere Überlegungen als die lokalen Impfzentren?

Ja. Nachdem sich doch herausgestellt hatte, dass das eine Impfzentrum in so großen Flächenkreisen ungünstig ist, bot der Freistaat die Einrichtung eines zweiten großen Impfzentrums an. "Nicht nur wir, auch andere Kreise, haben dafür plädiert, lieber auf mobile Lösungen zu setzten, um näher an die Menschen heranzukommen", so Reuter. Er sieht die lokalen Impfzentren auch als Überbrückungslösung, bis tatsächlich die Hausärzte flächendeckend mit den Impfungen beginnen.

Wo genau sollen die Impfzentren eingerichtet werden?

Am ehesten werden es Sporthallen sein. Probleme könnte es geben, wenn die Hallen nach Ostern wieder verstärkt für den Schulsport benötigt werden. In Niesky wird mit dem Bürgerhaus geplant, in Rothenburg mit der Turnhalle an der Friedensstraße, in Zittau steht es noch nicht fest. "Wegen des Schulsports haben manche Kommunen angekündigt, dass sie aufs Wochenende angewiesen sind", bestätigt Reuter. Es seien aber in den Gemeinden zum Beispiel auch Dorfgemeinschaftshäuser, Rathäuser, andere größere Räumlichkeiten im Gespräch, meist dort, wo das DRK Blut abnimmt.

Gibt es überhaupt ab Anfang April so viel Impfstoff?

Im Kreis Görlitz stehen derzeit deutlich mehr Dosen zur Verfügung als vor wenigen Wochen, "als das Impfzentrum Löbau vielleicht 150 bis 200 Dosen zur Verfügung hatte. Das ist jetzt schon eine andere Größenordnung", sagt Reuter. Von Biontech waren zum Beispiel für ganz Sachsen vorige Woche 46.800 Dosen angekündigt, "ab jetzt sind es etwa 84.000 pro Woche", sagt Reuter. Für April sei nochmal eine Steigerung angekündigt. In den kommenden Wochen soll zu den drei bisherigen Impfstoffen voraussichtlich noch das Vakzin von Johnson & Johnson kommen.

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