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Görlitz

Wir haben bei der SZ gelernt

Sie waren Volontäre, freie Mitarbeiter oder Redakteure in den SZ-Redaktionen Görlitz oder Niesky. Jetzt sind sie bis Köln und Aachen verstreut. Und manchmal berühmt.

Diese früheren SZ-Mitarbeiter erzählen, wo sie heute sind.
Diese früheren SZ-Mitarbeiter erzählen, wo sie heute sind. © Collage: Ines Eifler

Pressesprecherin in Leipzig: Cornelia Sommerfeld

Ich kam nach meinem Studium der Diplom-Journalistik und Politikwissenschaft in Leipzig als freie Journalistin zur Sächsischen Zeitung in Görlitz, um nach dem Beitritt von Polen zur EU aus dem Nachbarland zu berichten.

Görlitz und Zgorzelec waren für mich damals absolutes Neuland. Im Frühjahr 2004 erschien ich dort mit meiner Reisetasche und meinem Hund Wanda und kam für die ersten Wochen in einer Wohngemeinschaft in der Schillerstraße unter, bevor ich ein winziges Zimmerchen auf der polnischen Seite bezog. In Zgorzelec und auch in der Region Niederschlesien habe ich viele spannende Themen ausgegraben. Auch über Görlitzer Lokalthemen und für den Mantel in Dresden schrieb ich.

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Cornelia Sommerfeld (46) war von 2004 bis 2006 freie Journalistin in der Görlitzer Redaktion für Themen aus Polen. Heute ist sie Pressesprecherin der enviaM-Gruppe in Leipzig.
Cornelia Sommerfeld (46) war von 2004 bis 2006 freie Journalistin in der Görlitzer Redaktion für Themen aus Polen. Heute ist sie Pressesprecherin der enviaM-Gruppe in Leipzig. © Stefan Passig

Die Kollegen in der Redaktion – anfangs noch in der Jakobstraße – nahmen mich von Beginn an herzlich auf und halfen mir in der ersten Zeit mit Tipps und Ansprechpartnern weiter. Ich habe mich sehr wohlgefühlt und denke gern an die teilweise humorvollen Redaktionssitzungen und an gemeinsame Mittagspausen beim "Pilz" auf dem Wilhelmsplatz zurück.

Kurz vor der Geburt meines Sohnes im Sommer 2006 ging ich in meine Heimatstadt Leipzig zurück. Im Frühjahr 2008 kam meine Tochter zur Welt. Danach kehrte ich dem Journalismus und der Freiberuflichkeit den Rücken und arbeite seitdem auf der "anderen Seite" als Pressesprecherin in der enviaM-Gruppe. Obwohl sich die beruflichen Bedingungen seither gewandelt haben, sind die damals bei der Zeitung gesammelten Erfahrungen nach wie vor nützlich für meinen Beruf.

MDR-Talkmaster und Künstleragent: René Kindermann

Ich bin in Niesky aufgewachsen und über das Fotografieren zum Schreiben gekommen. 1991 war ich auf der Suche nach einem Ferienjob, nachdem das Postaustragen nicht mehr funktioniert hat. Dann wurde aus dem ersten Foto, der ersten Bildunterschrift für die Redaktion Niesky die erste eigene Meldung, der erste Artikel inklusive Fotos, und dann durfte ich sogar Seitendienst machen. Das komplette Rüstzeug für meinen späteren Weg durch die deutsche Medienlandschaft habe ich bei der SZ Niesky gelernt. Hier durfte ich mich ausprobieren, überall reinschnuppern. Ich konnte verrückte Ideen umsetzten und hatte immer das große Vertrauen von Carla Mattern, der besten Redaktionsleiterin, die ich haben konnte, und ihrem tollen Team.

René Kindermann (45), hatte schon mit 16 einen Ferienjob in der Redaktion Niesky und blieb dort einige Jahre. Dann ging er zu Radio PSR und später zum MDR-Fernsehen.
René Kindermann (45), hatte schon mit 16 einen Ferienjob in der Redaktion Niesky und blieb dort einige Jahre. Dann ging er zu Radio PSR und später zum MDR-Fernsehen. © MYDARLINGCLEMENTINE

Danach bin ich zu Radio PSR gewechselt, habe dort in Leipzig mein Volontariat absolviert. Dann ging es nach Dresden zu MDR 1 Radio Sachsen und zum Sachsenspiegel. Von dort aus nach Leipzig zu Sport im Osten und zur ARD-Sendung Brisant. Seit 2006 gehöre ich zum Team der ARD-Sportschau und durfte von Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften und unzähligen Weltcups auf der ganzen Welt berichten. Dann ging es zur MDR-Talksendung Riverboat und von dort zum erfolgreichsten ARD-Nachmittagsprogramm "MDR um 4". Parallel dazu habe ich zusammen mit meiner Ehefrau eine Agentur für PR, Marketing und Künstlermanagement aufgebaut, die wächst und gedeiht. Wir haben gerade vier Mitarbeiter eingestellt.

Online-Redakteur in Dresden: Tobias Hoeflich

Ich bin in Kreba-Neudorf aufgewachsen und habe schon in der Schule in Niesky gemerkt, dass mich sprachliche Fächer mehr reizen als naturwissenschaftliche. Meine ersten journalistischen Erfahrungen machte ich als Redaktionsleiter unserer Abizeitung. Da gehörte viel dazu – Schreiben, Themenfindung, Seitenplanung, Drucken, alles Sachen, die es auch bei der SZ zu beachten gilt.

Tobias Hoeflich (30), war als Schüler und Student freier Autor in den Redaktionen Niesky und Görlitz, heute Redakteur für Online und die Sachsenseite der Sächsischen Zeitung in Dresden.
Tobias Hoeflich (30), war als Schüler und Student freier Autor in den Redaktionen Niesky und Görlitz, heute Redakteur für Online und die Sachsenseite der Sächsischen Zeitung in Dresden. © privat

Die Zeit vor dem Studium in Dresden nutzte ich für ein Praktikum, zunächst bei der SZ in Niesky, dann in Görlitz, wo ich auch während meines Studiums immer wieder arbeitete. Inzwischen habe ich viele SZ-Lokalredaktionen kennengelernt, aber in Görlitz gefiel es mir am besten. Das liegt sowohl an der schönen Stadt und der gut gelegenen Redaktion als auch an den angenehmen Mitarbeitern. Sebastian Beutler nahm sich als Lokalchef immer viel Zeit für mich und traute mir auch anspruchsvollere Themen zu.

Noch vor Ende meines Studiums bekam ich einen Job bei der SZ-Lokalredaktion in Dresden. Dort war damals viel im Umbruch und mehrere Stellen frei. Ich hatte also etwas Glück. Nach einigen Jahren folgte das Volontariat, die Ausbildung zum Redakteur. Seit 2017 arbeite ich im Ressort Newsroom. Das umfasst die Produktion der meisten Mantelseiten und die Online-Redaktion. Die Produktion der Sachsenseite liegt in meiner Verantwortung. Ich fühle mich in Dresden wohl, aber mein Herz hängt auch an Görlitz. Ich kann mir vorstellen, später einmal dorthin zu ziehen.

Ressortleiterin in Düsseldorf: Varinia Bernau

Ich war in Bielefeld, Paris, Salamanca, Berlin, bevor ich nach Görlitz kam. In Bad Doberan bin ich aufgewachsen. Ich habe schon als Schülerin für Zeitungen geschrieben und bewarb mich nach meinem Studium deutschlandweit für Volontariate. Die Sächsische Zeitung war die erste, die mir ein Angebot machte, wenn auch anders als erhofft: freie Mitarbeit und regelmäßige Kurse in Dresden.

Varinia Bernau (40) war von 2006 bis 2008 freie Mitarbeiterin in der Redaktion Görlitz und ging dann zur Süddeutschen. Heute leitet sie zwei Ressorts der WirtschaftsWoche in Düsseldorf.
Varinia Bernau (40) war von 2006 bis 2008 freie Mitarbeiterin in der Redaktion Görlitz und ging dann zur Süddeutschen. Heute leitet sie zwei Ressorts der WirtschaftsWoche in Düsseldorf. © privat

Der Umzug aus dem quirligen Berlin ins überschaubare Görlitz war nicht einfach. Aber gerade im Vergleich zu ähnlich großen Städten in der westdeutschen Provinz hat Görlitz enorm viel zu bieten, auch journalistisch! Somit konnte ich mich richtig austoben – und hatte mit Frank Seibel einen echten Förderer. Als ich später Volontäre von Journalistenschulen erlebte, wurde mir der Wert der "harten Schule" im Lokaljournalismus bewusst.

Dennoch war mir Görlitz bald zu klein. Bei der Süddeutschen klappte es schließlich mit einem echten Volontariat, unter anderem mit einer Station im Wirtschaftsressort. Ich dachte damals: Oh Gott, davon habe ich keine Ahnung! Aber Wirtschaft ist total spannend. Und gar nicht so kompliziert, wie manche behaupten. 2016 ging ich als Wirtschaftskorrespondentin nach Düsseldorf, was toll, aber auch fordernd war. Hinzu kam mein wachsender Frust über die gläserne Decke bei der Süddeutschen. Und so konnte mich die WirtschaftsWoche leicht abwerben. Dort leite ich heute die Ressorts Innovation & Digitales und Erfolg.

Chefredakteur in Weißenfels: Alexander Kempf

Durch mehrere Auslandsaufenthalte in Polen war die deutsch-polnische Grenzregion für mich immer spannend. Das hat mich gereizt, 2013 zur SZ zu kommen. Benötigt wurde damals Unterstützung in Niesky. Ich hatte in Frankfurt (Oder) volontiert, in der Uckermark als Redakteur und dann ein Jahr bei einer deutschsprachigen Minderheitenzeitung im polnischen Opole gearbeitet. In Grimma bin ich aufgewachsen, wo ich schon als Schüler eine kleine Klassenzeitung herausgab.

Alexander Kempf (38) war von 2013 bis 2017 Redakteur bei der SZ Niesky. Heute leitet er die Weißenfelser Lokalredaktion der Mitteldeutschen Zeitung.
Alexander Kempf (38) war von 2013 bis 2017 Redakteur bei der SZ Niesky. Heute leitet er die Weißenfelser Lokalredaktion der Mitteldeutschen Zeitung. © privat

Ich kam zur SZ, weil ich wieder in meine "sächsische Heimat" wollte. Görlitz war als Lebensmittelpunkt extrem attraktiv. Bis heute vermisse ich die Stadt. Dort wieder hin zu kommen fühlt sich jedes Mal wie Heimkehr und Urlaub zugleich an. Bei der SZ habe ich viel gelernt. Die Leiter und Leiterinnen waren sehr verschieden, aber alle kritisch. Und fordernd. Davon profitiere ich noch heute. Man verliert eine Region, in der man als Lokalreporter gearbeitet hat, auch nie aus den Augen. Ich war betroffen ob der hohen Corona-Todeszahlen, verfolge weiter Görlitzer Kulturthemen und bin der festen Überzeugung, dass die Stadt weiter aufblühen wird.

Seit 2017 leite ich eine siebenköpfige Lokalredaktion der Mitteldeutschen Zeitung in Weißenfels – nahe Leipzig, wo meine Freunde und meine Familie leben. Auch hier beschäftigen mich Themen, denen ich schon in Ostsachsen begegnet bin. Etwa der Strukturwandel, da ein Teil meines Verbreitungsgebietes ins Mitteldeutsche Revier fällt.

TV-Reporterin in Köln: Louisa Noack

Ich wollte schon immer Journalistin werden! Ich bin in Görlitz aufgewachsen, habe hier schon meine eigene Schülerzeitung rausgebracht und im Schulfunk moderiert. Danach war klar: Es muss zur Lokalzeitung gehen! Aus Liebe zur Stadt und aus Liebe zum Schreiben. 2003 habe ich mich bei der SZ vorgestellt und musste mich beweisen – einen Artikel liefern! Und das hat geklappt. Er hieß "Halb dreie am Sechser", darin ging es um die Trinker auf dem Sechsstädteplatz und die Hoffnungslosigkeit vieler Görlitzer im Kontrast zur schönen Fassade der Stadt.

Louisa Noack (37) war nach dem Abitur und während ihres Studiums Journalistin in Görlitz. Über Stationen beim MDR und verschiedenen Radiosendern kam sie zu RTL und lebt heute in Köln.
Louisa Noack (37) war nach dem Abitur und während ihres Studiums Journalistin in Görlitz. Über Stationen beim MDR und verschiedenen Radiosendern kam sie zu RTL und lebt heute in Köln. © privat

Es war eine wunderschöne Zeit, ich durfte so viel recherchieren, schreiben, unterwegs sein. Ich habe die ganze Stadt kennengelernt und das journalistische Arbeiten so richtig gut gelernt. Dann zog es mich zum Studium nach Leipzig, nebenbei arbeitete ich für die LVZ und mephisto 97.6. Ganz los kam ich von Görlitz nicht: Ich leitete beim SAEK die deutsch-polnische Jugendredaktion und die Junge SZene der SZ.

Diese Anfänge waren ausschlaggebend für mein gesamtes bisheriges Leben. Ich ging später zum MDR, habe dort mein Volontariat gemacht, arbeitete beim Fernsehen und beim Radio als Reporterin und Moderatorin. Später dann bei 89.0 RTL und Radio Brocken mit meiner eigenen Late Night Talk Show. Heute wohne ich in Köln, arbeite bei RTL und bin als Reporterin für das Tagesprogramm unterwegs. Außerdem arbeite ich als Sprecherin, Online-Autorin, Moderatorin und veröffentliche verschiedene Podcasts. Die SZ ist für mich Heimat und Basis zugleich.

Freier Journalist für Belgien in Aachen: Klaus Schlupp

Ich bin der wohl wessiste Wessi, den es je nach Görlitz verschlagen hat. Ich kam in Köln zur Welt und wuchs einige Jahre in der deutsch-deutschen Grenzregion auf, nahe einem langen, schwerstbewachter Zaun, den die Menschen 1989 von östlicher Seite zerstörten. Als ich studierte, ging mein Vater als Bundesbankdirektor nach Halle. Ich fand den Osten faszinierend, habe mich als Germanist mit DDR-Literatur befasst und als Theologe mit der katholischen Kirche in der DDR. Als es mit einer wissenschaftlichen Laufbahn nicht klappte, absolvierte ich eine Ausbildung zum Fach- und Wissenschaftsredakteur in Köln und Görlitz, eine Art Volontariat.

Klaus Schlupp (54) war 2004 für fünf Monate während seiner journalistischen Ausbildung in Görlitz. Heute lebt er in Aachen und schreibt für die Zeitung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.
Klaus Schlupp (54) war 2004 für fünf Monate während seiner journalistischen Ausbildung in Görlitz. Heute lebt er in Aachen und schreibt für die Zeitung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. © privat

Die SZ bot das 2004 an, da gerade die Osterweiterung akut war und ich als Aachener das Leben an der Grenze kenne. Ich habe über einem Italiener in der Nähe der Altstadtbrücke gewohnt. In Görlitz habe ich meinen Job gelernt und später sehr davon profitiert. Hier konnte ich journalistisch eine spannende Zeit begleiten. Peter Chemnitz und Frank Seibel waren die richtigen Leute, mich auf Spur zu bringen.

Ich bin im Job geblieben und nach Zwischenstationen beim GrenzEcho in Eupen gelandet, der einzigen deutschsprachigen Zeitung Belgiens für die Deutschsprachige Gemeinschaft. Ich mache Politik, Kultur, Karneval und alles andere, fahre auch viel zur Berichterstattung ins Landesinnere, besonders in den flämischen Teil. In Deutschland mache ich PR für ein Analysehaus und einen Pflegedienst.

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