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Wie das älteste Pflegeheim von Görlitz ganz modern wird

Der Stadtrat gab grünes Licht für einen Neubau am Lutherplatz. Dirk Reinke, Chef der Arbeiterwohlfahrt, die das Heim betreibt, erklärt die Pläne.

Ein Altenheim im Grünen und doch mitten in der Stadt, das bietet das Zentralhospital in Görlitz.
Ein Altenheim im Grünen und doch mitten in der Stadt, das bietet das Zentralhospital in Görlitz. © André Schulze

Nach einigen Querelen um einen Neubau der Arbeiterwohlfahrt Oberlausitz (Awo) an das Görlitzer Altenheim Zentralhospital beschloss der Stadtrat nun den Bebauungsplan. Damit kann die Awo starten. 

Welche Pläne die Wohlfahrtsorganisation hat, welche Veränderungen und Verbesserungen es für Bewohner und Pflegekräfte gibt und wie der Bauablauf sein soll, darüber sprach sächsische.de/Sächsische Zeitung mit dem Awo-Geschäftsführer Dirk Reinke.

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Dirk Reinke (li.) leitet seit vielen Jahren die Arbeiterwohlfahrt in der Oberlausitz.
Dirk Reinke (li.) leitet seit vielen Jahren die Arbeiterwohlfahrt in der Oberlausitz. ©  Archivfoto: Matthias Weber

Bauantrag und Baubeginn 2021

Herr Reinke, wie froh sind Sie, dass es nun endlich grünes Licht für das Awo-Vorhaben gibt?

Sehr froh, denn wir wollten ursprünglich schon in diesem Jahr anfangen zu bauen. Wegen verschiedener Bedenken - hauptsächlich, ob ein dreigeschossiger Neubau am Lutherplatz dieses städtebauliche Ensemble stört - kam es erst jetzt zum Stadtratsbeschluss. Das wirft unsere ursprünglichen Zeitpläne zurück. Insgesamt sind wir aber glücklich, dass wir den Standort des Pflegeheims mitten in der Stadt Görlitz erhalten und den Bewohnern künftig viel bessere Bedingungen bieten können. Auch die Mitarbeiter profitieren davon.

Wann rechnen Sie mit dem Baubeginn?

Sowohl das Konzept als auch der zeitliche Ablauf erhalten derzeit den Feinschliff. Unser Ziel ist es, 2021 den Bauantrag zu stellen und im nächsten Herbst mit dem Bau zu beginnen. Er wird in zwei Abschnitten erfolgen. Zunächst ist der Neubau entlang der Lutherstraße geplant. Er schließt sich auf dieser Seite über eine Verbindung an den Altbau an. Ist der Neubau fertig, ziehen die Bewohner um und wir sanieren den Altbau. Wir rechnen mit einer Bauzeit von insgesamt dreieinhalb bis vier Jahren.

Auf dem Platz des Neubaus steht derzeit eine Baracke, für die Denkmalschutz gilt. Was passiert mit ihr?

Die Baracke muss für den Neubau weichen. Sie wird umgesetzt. Die Baracke wurde Anfang der 1940er Jahre errichtet und ist ein Fertigteilbau aus Holz aus der Nieskyer Firma Christoph & Unmack. Das ermöglicht es, die Baracke ab- und wieder aufzubauen. Sie soll künftig in dem ehemaligen Kriegsgefangenenlager Stalag VIII in Zgorzelec stehen.

Diese Baracke wird umgesetzt nach Zgorzelec und macht Platz für eine Erweiterung des Zentralhospitals in Görlitz. Hier entsteht ein Neubau.
Diese Baracke wird umgesetzt nach Zgorzelec und macht Platz für eine Erweiterung des Zentralhospitals in Görlitz. Hier entsteht ein Neubau. © Nikolai Schmidt

Schon immer ein Ort der Pflege

Das Zentralhospital dient seit seiner Eröffnung 1863 schon immer der Pflege von Menschen. Nach der Wende übernahm es die Awo, sanierte es von 1996 bis 1998 aufwendig. Warum jetzt schon wieder und warum der Neubau?

Seitdem sind 22 Jahre vergangen. Die Bedürfnisse der Menschen und die gesetzlichen Anforderungen haben sich verändert. Wir haben in dem Altbau das Problem, dass wir vorrangig Zweibettzimmer anbieten müssen. Das passt aber nicht mehr in die Zeit. Wir wollen künftig Einzelzimmer zur Verfügung stellen. Die Erfahrungen, die wir in unseren vier anderen Pflegeeinrichtungen gemacht haben, sprechen unbedingt dafür, den Großteil - wenn nicht sogar alle Plätze - in Einzelzimmern anzubieten. In unseren Altenheimen in Jonsdorf und Großschönau gibt es ausschließlich Einzelzimmer. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Inwiefern?

Wir können viel besser die Privatsphäre der Bewohner garantieren. Das neue Konzept ermöglicht ein anderes, besseres und noch selbstbestimmteres Leben der Bewohner im Pflegeheim. So muss der künftige Bewohner keine Kompromisse bei der Gestaltung seiner eigenen kleinen Wohnung machen, kann seinen eigenen Rhythmus uneingeschränkt leben, auch in der Demenz, und kann jederzeit Besuch empfangen. Das ist gerade in Krisenzeiten, wie wir sie aktuell erleben, sehr vorteilhaft.

Was wird im Neubau anders sein?

Wir werden für insgesamt 84 pflegebedürftige Menschen einen Platz anbieten. Das sind vier Bewohner mehr als bisher im Altbau. Die Bewohner leben dann dort nach dem Hausgemeinschaftsprinzip. Jeder hat sein eigenes Zimmer mit eigenem Bad und vielleicht sogar einer kleinen Einbauküche. Dazu gibt es Gemeinschaftsräume, in denen sich die Bewohner treffen können. 

Was passiert im Altbau an der Krölstraße?

Nach dem Umzug der Bewohner in den Neubau werden beide Flügel des Altbaus saniert. Dort kann sich dann unser ambulanter Pflegedienst wesentlich besser einrichten als bisher. Es wird Platz und moderne Bedingungen für ambulante Pflegeangebote geben. Neu richten wir im anderen Flügel des Gebäudes eine Tagespflege ein. Die gibt es bislang im Zentralhospital nicht. Hier werden dann Senioren tagsüber betreut. Wir wollen an diesem Standort gern ein breites Leistungsangebot aus einer Hand unterbreiten. Seit vielen Jahren arbeiten wir auch schon an der Öffnung des Hauses in das Quartier. Auch für diese Angebote werden sich die Bedingungen verbessern. Als Beispiel seien hier die Zusammenarbeit mit den Kindergärten und das Schach-Café genannt. Pflege soll nicht am Rande, sondern mitten in der Gesellschaft erlebt werden.

Jana Nickolmann leitet das Zentralhospital. Auch sie freut sich über den schönen Park, der zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten hat.
Jana Nickolmann leitet das Zentralhospital. Auch sie freut sich über den schönen Park, der zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten hat. © Nikolai Schmidt

Große Investition der Awo

Was kostet das Vorhaben und woher kommen die Mittel dafür?

Geplant sind rund 18 Millionen Euro für Neubau und Sanierung. Wir finanzieren das über Kredite und Eigenmittel. Geplant ist zudem, für Neubau und Sanierung vorrangig Aufträge an Firmen aus der Region zu vergeben.

Die Erweiterung des Zentralhospitals um die Tagespflege erfordert neue Mitarbeiter. Haben Sie die schon?

Noch nicht. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir sie finden werden, übrigens auch für den ambulanten Dienst, der ebenfalls erweitert wird. Seit Jahren bilden wir aus und auch für die neue generalistische Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise den Pflegefachmann sind wir gut aufgestellt. Zudem hat das Zentralhospital einen guten Ruf, liegt mitten in der Stadt, ist gut zu erreichen und befindet sich durch seinen schönen Park trotzdem im Grünen. Das sind Vorteile, die nicht nur Angehörige, sondern auch Mitarbeiter wertschätzen. Zudem werden modernste Arbeitsbedingungen auch eine anziehende Wirkung entfalten.

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