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Görlitzer AfD wechselt zwei Stadträte aus

Um den Rückzug von Gastwirt Thomas Seliger und Autohandel-Besitzer Matthias Volprich gab es Streit. Am Ende aber kam es wie gedacht.

Die Nachrücker für die AfD-Fraktion: Peter Stahn (li) und Norman Knauthe.
Die Nachrücker für die AfD-Fraktion: Peter Stahn (li) und Norman Knauthe. © Screenshot/privat

Lange her, dass man ihn zuletzt gesehen hat. Am Donnerstag saß Thomas Seliger im Görlitzer Stadtrat in den Reihen der AfD-Fraktion. Für ihn das letzte Mal. Sowohl Thomas Seliger als auch Matthias Volprich hatten ihre Entlassung aus dem Gremium beantragt. Die Stadträte mussten entscheiden. Mike Altmann von Motor Görlitz: „Ich habe dazu eine relativ einfache Meinung: Wer nicht mehr möchte, soll halt gehen.“

Möchten die beiden Stadträte nicht mehr oder können sie nicht mehr, war die Frage. Vor allem bei Thomas Seliger. Auch Matthias Volprich, der einen Autohandel in Görlitz führt, fehlte voriges Jahr öfter in den Sitzungen, Thomas Seliger, Gastwirt, noch deutlich häufiger. Kurz nachdem die SZ ihn nach seinen Gründen für sein ständiges Fehlen angefragt hatte, reichte er einen Antrag auf Entlassung aus dem Stadtrat ein, berief sich auf die Sorge um wirtschaftliche Existenz.

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Beide hätten es sich nicht leicht gemacht, so Lothar Renner von der AfD. Thomas Seliger habe Verantwortung für fünf Mitarbeiter, Matthias Volprich für zwölf. Er habe Verständnis, dass beide ihre Firmen retten und ihre Mitarbeiter halten wollten. „Dann müssen wir das akzeptieren.“

Es werde sicher Redebeiträge geben zur Frage, wie ernst man ein solches Mandat nimmt, hatte CDU-Fraktionsvorsitzender Dieter Gleisberg im Vorfeld angenommen. Die Frage kam auch deshalb auf, weil es bereits 2019 direkt nach der Kommunalwahl Spekulationen gab, ob Seliger und Volprich ihre Mandate annehmen würden, wegen der beruflichen Belastung.

Ein Ehrenamt, argumentiert die AfD. Und die hohe Belastung durch die Corona-Krise sei nicht absehbar gewesen. Ein Wählerauftrag und gerade für schwierige Zeiten wichtig, argumentieren andere Stadträte. „Ich verstehe sehr gut, dass diese Zeit eine große Belastung ist“, so Jana Krauß von der Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne. „Ein Jahr Corona ist nicht lustig, für Selbstständige schon gar nicht.“ Sie frage sich aber auch, warum es der AfD-Fraktion, die größte im Stadtrat mit zwölf Mitgliedern, nicht gelinge, sich gegenseitig zu entlasten.

Die meisten Stadträte enthielten sich der Stimme, während die Mitglieder der AfD-Fraktion für die Entlassungsanträge stimmten. Nachfolger stehen bereits fest. Vereidigt wurden am Donnerstag Norman Knauthe und Peter Stahn. Gegen Norman Knauthe, Justizbeamter, läuft seit Sommer ein Disziplinarverfahren wegen des Verdachts auf Nähe zu rechtsextremen Bewegungen. Peter Stahn gilt als gemäßigt und streitbar.

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