merken
PLUS Görlitz

Schweinepest: Sachsen gibt 1.200 Tiere zum Abschuss frei

Die Wildschwein-Population im Kreis Görlitz soll drastisch reduziert werden, um die Seuche zu bekämpfen. Jäger erhalten für jedes getötete Tier ein "Kopfgeld".

Ehrenamtliche Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) und Soldaten der Bundeswehr errichten einen festen Zaun in einem Wald nahe der Neiße.
Ehrenamtliche Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) und Soldaten der Bundeswehr errichten einen festen Zaun in einem Wald nahe der Neiße. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild

Der Freistaat Sachsen hat die Sperrzonen im Landkreis Görlitz neu festgelegt, um eine weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Dafür wurden jetzt zwei Allgemeinverfügungen erlassen, in denen die Grenzen des gefährdeten Gebietes und der Pufferzone neu gezogen werden, informiert Juliane Morgenroth, Pressesprecherin des sächsischen Sozialministeriums.

Aufgrund der neuesten Funde mehrerer infizierter Tiere bei Sagar wird die als gefährdetes Gebiet bezeichnete innere Infektionszone im Norden bis an die Landesgrenze zu Brandenburg erweitert. Sie vergrößert sich damit von 135 Quadratkilometer auf 157 Quadratkilometer. Die Pufferzone wird entsprechend erweitert, sodass beide Zonen zusammen eine Fläche von 762 Quadratkilometer umfassen.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Sozialministerin Petra Köpping erklärt: "Wir passen die zur Eindämmung der Tierseuche nötigen Maßnahmen schnell an und reagieren somit auf die neuen Funde diesseits und jenseits der Neiße. Nach wie vor gehen wir davon aus, dass das Virus über die Neiße nach Sachsen kommt und wir uns in Sachsen in den Ausläufern eines aktiven Seuchengeschehens in Polen befinden." Die Lage sei insofern anders als in Brandenburg. Wenn der Metallzaun hochgezogen sei, erwarte man, dass eine Ausbreitung des Virus nach Westen erheblich erschwert werde. "Aber wir wissen auch, bei der Bekämpfung der Tierseuche haben wir einen langen Weg vor uns", so die Ministerin weiter.

Neue Phase der Tierseuchenbekämpfung

Im umzäunten Gebiet sollen dann gezielt Wildschweine abgeschossen werden. Nur so könne verhindert werden, dass die Seuche auf weitere Gebiete Sachsens übergreife. Morgenroth spricht von einer "neuen Phase der Tierseuchenbekämpfung". Unter Anleitung des Landkreises Görlitz sollen die örtlichen Jäger die Wildschweinpopulation nach und nach stark reduzieren, um dem Virus den Wirt zu entziehen. Alle getöteten Wildschweine werden auf die Schweinepest untersucht und unschädlich beseitigt. Aktuell, so schätze man, leben etwa 1.200 Wildschweine im gefährdeten Gebiet. Das Sozialministerium zahlt den beauftragten Jägern eine Prämie von 150 Euro pro Wildschwein.

In beiden Restriktionsgebieten gelten auch weiter bestimmte Reinigungs- und Desinfektionsregeln für Personen, die mit Wildschweinen in Kontakt gekommen sind. Schweinehalter dürfen ihre Tiere auch weiterhin nicht in Freilandhaltung züchten. Das Nutzen von land- und forstwirtschaftlichen Flächen bleibt grundsätzlich erlaubt. Der Kreis sucht indes weiter tote Tiere, um mehr über die Verbreitung des Virus zu erfahren, und errichtet weitere Zäune im gefährdeten Gebiet. Den Wald betreten darf man aber noch.

Die Pufferzone, die das gefährdete Gebiet umgibt, wird vergrößert. Sie schließt unmittelbar an das gefährdete Gebiet an und ist mindestens 6 km breit. Räumlich verläuft die Pufferzone entlang der Neiße von der Autobahn A4 bei Görlitz bis an die brandenburgische Grenze im Norden.

© Landestierseuchenbekämpfungszentrum

Im ursprünglichen Teil des gefährdeten Gebietes herrschte bislang Jagdruhe. Ab sofort sind dort alle Arten von Wild außer Schwarzwild zum Abschuss freigegeben. In dem neuen Teil des gefährdeten Gebietes (Gemeinde Bad Muskau und nördlicher Teil der Gemeinde Krauschwitz) müssen erst Fallwildsuche und Zaunbau abgeschlossen werden.

In der Pufferzone, in der bisher ebenfalls Jagdruhe herrschte, darf alles geschossen werden, auch Schwarzwild. Wildbret von Wildschweinen darf jedoch erst gehandelt und weiterverarbeitet werden, wenn nach einem virologischen Test ein negatives ASP-Ergebnis vorliegt. Treib- beziehungsweise Drückjagden mit Jagdhunden bleiben aber in beiden Gebieten verboten.

Tote Tiere sollen sofort untersucht werden

Weiterführende Artikel

Schweinepest-Schutzzaun beschädigt

Schweinepest-Schutzzaun beschädigt

An vierzehn Stellen wurde der Wildzaun im Landkreis Görlitz beschädigt. Die Täter oder das Motiv sind unbekannt.

Neuer Fall von Schweinepest in Sachsen

Neuer Fall von Schweinepest in Sachsen

Erneut wurde ein Kadaver aus dem Norden des Kreises Görlitz positiv auf das Tierseuchen-Virus getestet. Das verschärft die Lage aber nicht.

Schweinepest: Große Jagd in Tschechien

Schweinepest: Große Jagd in Tschechien

Die Seuche rückt näher. Von der Böhmischen Schweiz bis zum Riesengebirge werden Tiere abgeschossen.

1.000 Tiere auf Schweinepest getestet

1.000 Tiere auf Schweinepest getestet

Noch ist kein Fall der Tierseuche im Landkreis bekannt geworden. Die Prävention ist dennoch wichtig.

Halter von Hausschweinen müssen ihre Tiere in beiden Restriktionszonen so halten, dass sie nicht mit Wildschweinen in Berührung kommen können. Zudem müssen sie geeignete Desinfektionsmöglichkeiten an den Ein- und Ausgängen der Ställe einrichten.

Tote und erkrankte Wildschweine müssen sowohl im gefährdeten Gebiet als auch in der Pufferzone sofort gegenüber dem Veterinäramt gemeldet und virologisch auf Afrikanische Schweinepest untersucht werden. (SZ)

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Löbau lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz