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Europa sucht verschwundenen Görlitzer

Adrian Lukas ist in Tirol verschollen. Seit 2017 wird nach ihm gesucht, jetzt auch bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY". Hinweise gibt es aber keine.

In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" war Adrian Lukas ein Thema. So sahen die Filmemacher den Görlitzer.
In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" war Adrian Lukas ein Thema. So sahen die Filmemacher den Görlitzer. © ZDF

Adrian Lukas aus Görlitz verschwand in der Nacht zum 26. September 2017. Was in dieser Nacht in Sankt Anton am Arlberg in Tirol passiert ist, bleibt bis heute ein Rätsel. Das Verschwinden des jungen Mannes, 35 Jahre alt, ist so rätselhaft, dass sich jetzt damit die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" beschäftigt. Die SZ hatte über den Fall schon Monate nach dem Verschwinden Adrian Lukas berichtet. Nun gibt es neue Details.

Im Hotel Nassereinerhof in Sankt Anton wurde Adrian Lukas zuletzt gesehen. Er war dort von seiner Firma untergebracht, trug seine Arbeitskleidung, dunkle Fleecejacke, schwarze Schuhe, kariertes Hemd, graue Arbeitshose.

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Adrian Lukas fühlte sich bedroht

Adrian Lukas arbeitete als Masseur in Görlitz. Der Job lief offensichtlich nicht gut. Er bekam ein Angebot als Hilfsarbeiter in Österreich und schlug zu. Nach einigen Tagen auf der Baustelle mit etwa 120 Arbeitern habe er sich von mehreren Männern bedroht gefühlt. So beschreibt es die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY". Das habe er seinem Vater und seiner Schwester am Telefon erzählt. Bis heute habe die Polizei die entsprechenden Personen nicht finden können.

Gegenüber der SZ erzählte die Schwester Johanna Lukas, dass sie sich nicht vorstellen könne, dass ihr Bruder freiwillig abgetaucht wäre. "Das würde er nicht machen, so ist er nicht", sagte sie. Schwierigkeiten in der Familie habe es keine gegeben. Es habe untereinander ein gutes Verhältnis gegeben, so Johanna Lukas.

Im ZDF-Beitrag wurden nun aber auch andere Details bekannt. Adrian Lukas habe seinem Vater nach drei Tagen erzählt, dass er eine Frau kennengelernt hat. Sie sei Ungarin und arbeitete an der Rezeption seines Hotels. Für die Polizei ein Rätsel, da in dem Hotel keine Frau arbeitete, auf die diese Beschreibung zutrifft.

Familie kam aus Lauban nach Görlitz

Am 25. September habe Adrian Lukas seinen Arbeitgeber auf der Baustelle wissen lassen, dass er sich unwohl fühle. Mittags habe er sich längere Zeit in der Toilette eingeschlossen, hinterlässt dem Vater und der Schwester Nachrichten auf dem Mobiltelefon. Er habe davon gesprochen, große Angst zu haben, da man ihn umbringen wolle.

Am nächsten Tag ist Adrian Lukas verschwunden. Die Polizei nimmt Ermittlungen auf. Ein Suchhund verfolgt die Spur bis zum Busbahnhof Sankt Anton Ost, in der Nähe seines Hotels. Die Ermittler gehen davon aus, dass er etwa 300 Euro Bargeld bei sich hatte.

Die Familie Lukas stammt ursprünglich aus Lauban. 2005 kam sie aus Nordrhein-Westfalen nach Görlitz.

Über das Verschwinden des jungen Mannes wurde bereits kurz darauf in Polen, Österreich und Deutschland berichtet. Es gab Zeugenaufrufe in den sozialen Medien, öffentliche Aushänge, wie etwa an der Aral-Tankstelle an der Nieskyer Straße in Görlitz. Konkrete Hinweise auf das mysteriöse Verschwinden des Mannes gab es daraufhin aber keine. Nun hat das ZDF mit seiner Sendung "Aktenzeichen XY" den Fall wieder aufgegriffen. Zeugen sollen sich an das Bundeskriminalamt Wiesbaden wenden. Dort hält man sich allerdings mit Aussagen zu möglichen Zeugen zurück. Das Bundeskriminalamt führt in dem Fall keine eigenen Ermittlungen, heißt es auf Nachfrage der SZ. Die Behörde habe nur die "Hinweisaufnahme" während der Sendung unterstützt. Das Bundeskriminalamt verweist deshalb auf die zuständigen Staatsanwaltschaften in Görlitz oder Innsbruck.

Staatsanwaltschaften haben keine Hinweise

Bei der Staatsanwaltschaft Görlitz wird der Fall Adrian Lukas derzeit unter dem Vermerk "erledigt" geführt. "Das bedeutet, dass momentan keine weiteren aktuellen Ermittlungen geführt werden", sagt Staatsanwalt Christopher Gerhardi. Hinweise nach der ZDF-Sendung seien ihm nicht bekannt.

Ganz ähnlich sieht es bei der Staatsanwaltschaft in Innsbruck aus. "Wir haben keine Hinweise nach der Sendung bekommen", sagt der dortige Staatsanwalt Hansjörg Mayr der Sächsischen Zeitung.

Adrian Lukas ist zurückhaltend und eher ruhig. Als er verschwand, lag sein Geburtstag erst ein paar Tage zurück. Er spricht Hochdeutsch und Polnisch. Das Bundeskriminalamt möchte wissen: Wer kennt Adrian Lukas, wer kennt die Frau aus Ungarn, die er angeblich kennengelernt haben soll?

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