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Als Reichenbach in Schutt und Asche sank

Der 11. September 1670 wurde zum Schicksalstag für die Oberlausitzer Kleinstadt. Daran wird jetzt erinnert.

Symbolbild
Symbolbild © Swen Pförtner/dpa

Der 11. September des Jahres 1670 war ein kühler Sonntag. Auch in Reichenbach hatten die braven Bürger an jenem Tag den Gottesdienst besucht, hatten sich von den Mühen der Woche ausgeruht, doch viel unternehmen konnten sie nicht. Ein starker Sturm aus westlicher Richtung fegte über das Städtchen, ließ Fensterläden klappern, rüttelte an den Dachschindeln. Ob der durch Ritzen pfeifende Starkwind das Nachtlicht des Schlossers Erhard Neumann in dessen Schlafkammer in der Auengasse umwarf oder dies wegen einer Unaufmerksamkeit passierte – egal, gegen 21 Uhr fiel die Kerze um und setzte die Stube des Mannes in Flammen.

Der arge Wind trieb diese vor sich her, binnen 30 Minuten glich Reichenbach einem Flammenmeer, und die bereits zu Bett gegangenen Bürger hatten Mühe, sich zu retten, geschweige denn noch Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. 116 Häuser brannten ab, neben Wohnungen auch Schule und Pfarrhäuser, Pastorat und Diakonat, Malzmühle, Baderei, die St.-Johannis-Kirche. Sogar die amtliche Lade des Rathauses mit ihren Dokumenten, Stadtbüchern und Urkunden wurde ein Raub der Flammen, auch wenn sie im Keller des Bürgermeisters aufbewahrt war.

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Scheunen waren nur noch Ruinen

15 Scheunen voll mit Getreide waren in Windeseile nur noch rauchende Ruinen. Verschont blieben lediglich die Gebäude vor der Stadtmauer, das waren sieben Wohnstätten, das Hospital und die Kirche St. Anna. Ortschronist Gerhard Köhler brachte es später einmal auf die knappe Zusammenfassung: „Unsere Stadt hatte aufgehört, zu existieren.“

Für die Reichenbacher begann eine harte Zeit des Neuaufbaus und unsäglicher Entbehrungen. Solidarische Hilfen waren weitgehend unbekannt, zwar schickte die Stadt Löbau 200 Brote und weitere Lebensmittel, die Landstände übersandten den Erlös einer Sammlung von 250 Talern, doch das waren nur Tröpfchen auf die im wahrsten Sinn des Wortes heißen Steine. Die Inhaberin der Lehnsherrschaft über Reichenbach, Sophie Tugendreich von Sander, regte einen Steuererlass an, zu dem sich ihr wenig später angetrauter Ehemann Georg Ernst von Gersdorff allerdings erst ein Jahr später durchringen konnte.

Feuer als "göttliche Strafe"

Und diese Steuersenkungen galten auch nur bis August 1672, danach kassierte der Stadtherr schon wieder Geschoss- und weitere Steuern in voller Höhe. Dafür nahm er sich aber vorbildlich des Wiederaufbaus der Johanniskirche an, die 1674 geweiht wurde. Die Reichenbacher dürften die Gottesdienste dann wohl mit gemischten Gefühlen besucht haben. Immerhin hatte ihr Herr von Gersdorff oft genug darauf hingewiesen, dass nach dessen Ansicht „der allgewaltige Gott durch seine gerechte Straf-Hand dieses Städtlein mit großer Feuersbrunst“ zur Ordnung gerufen habe. Mitgefühl sah auch damals sicher schon anders aus.

Unter dem Titel „Reichenbach brennt – Flammenspiel und Orgelwind“ gibt es am 12. September ein „Zeitreise-Theater durch tausend Jahre Johanniskirche“. In einer Collage aus Sagen, biblischer Geschichte und Realhistorie der Oberlausitz wird es auch um den Großbrand von 1670 gehen. Es schauspielern und musizieren an Orgel und Klavier Johannes Gärtner (Regie), Cornelius Volke, Ute Kampowsky und Anna-Sophia Backhaus. Der erste Teil beginnt um 19 Uhr in der Johanniskirche Reichenbach, anschließend geht es auf den dann kerzenerleuchteten Rathausvorplatz. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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