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Dieses alte Heizwerk wird zum Kino

Was langfristig aus der Industrieruine in der Görlitzer Südstadt wird, ist noch nicht klar. Eine Nutzung wird jetzt getestet.

Der mittlere Bereich der Heizwerk-Fassade, unter den Fenstern, wird am Wochenende zur Leinwand. Und am Sonnabend zur Bühne für eine Zgorzelecer Band.
Der mittlere Bereich der Heizwerk-Fassade, unter den Fenstern, wird am Wochenende zur Leinwand. Und am Sonnabend zur Bühne für eine Zgorzelecer Band. © Martin Schneider

Auf den Wetterbericht schaut Daniel Breutmann dieser Tage besonders. Derzeit sieht es nach Glück aus. Zumindest regnen soll es Freitag und Sonnabend nicht. Wetter, um noch mal draußen Film schauen zu können. Die Leinwand wird das Alte Heizwerk in der Südstadt sein.

Das Fassadenkino ist eine Premiere, für den Bürgerrat Südstadt, für das Netzwerk Industriekultur – und für das einstige Heizwerk. Daniel Breutmann ist Mitglied sowohl im Bürgerrat Südstadt als auch im Netzwerk Industriekultur, das die Geschichte historischer Industriegebäude in Görlitz erhält, und zum Beispiel Touren durch Lost Places, also leerstehende, teils verfallende Bauwerke in Görlitz anbietet.

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Ins Heizwerk darf man aber nicht hinein, aus Sicherheitsgründen. Ein DDR-Typenbau, erzählt Breutmann, „die findet man zum Beispiel auch in Leipzig.“ Das Görlitzer Heizwerk an der Fichtestraße versorgte unter anderem den VEB Feinoptische Werke in der Südstadt und die damalige Volksschwimmhalle mit Wärme. Seit Jahren steht es leer.

Es ist nicht der erste Versuch

„Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns um das Heizwerk bemühen“, erzählt Breutmann. „Vor ein paar Jahren wollten wir das Außengelände ein bisschen beleben, zum Beispiel mit Sportveranstaltungen.“ Der damalige Eigentümer habe aber nicht gewollt. Vor ungefähr zwei Jahren gab es einen Besitzerwechsel. Den neuen Eigentümer konnte der Bürgerrat Südstadt ausfindig machen, er lebt in München – und habe gegen eine Nutzung fürs Fassadenkino nichts einzuwenden gehabt.

Das Außengelände dient unter der Woche als Parkplatz. Am Freitagnachmittag aber werden Stühle statt Autos dort stehen. Am Abend läuft der Film „Toni Erdmann“ von Regisseurin Maren Ade, am Sonnabend „Lost World“ aus dem Jahr 1925. Dann wird auch die Zgorzelecer Band Se Boom zu Gast sein. Denn „Lost World“ ist ein Stummfilm. Die Zgorzelecer Musiker von Se Boom haben in ihrem Repertoire mehrere Film-Vertonungen, erzählt Franziska Böhm vom Filmclub von der Rolle 94, der gemeinsam mit Bürgerrat und dem Netzwerk Industriekultur das Fassadenkino organisiert.

Sie wollen das Alte Heizwerk an der Fichtestraße in Szene setzen – mit Filmszenen: Michael Dahmcke, Franziska Böhm und Daniel Breutmann.
Sie wollen das Alte Heizwerk an der Fichtestraße in Szene setzen – mit Filmszenen: Michael Dahmcke, Franziska Böhm und Daniel Breutmann. © Martin Schneider

Der Filmclub war auch am „Fliegenden Sommerkino“ Ende Juli auf dem Postplatz beteiligt. Dort wurde die Leinwand von einem aufblasbaren Gestell gehalten. Beim Alten Heizwerk wird tatsächlich die hintere Fassade als Leinwand dienen. „Wir bringen einen Tageslicht-Beamer mit“, erklärt Franziska Böhm, „der ist sehr lichtstark.“ Dass die Wand gelb ist, ist damit kein Problem. Über das Licht wird sie auch versuchen, Unebenheiten in der Außenwand auszugleichen. So ebenmäßig wie im Kinosaal werde es vielleicht nicht, „aber das macht ja auch den Charme aus“, sagt Franziska Böhm.

Immerhin, es ist Fassadenkino. Etwas Ungewöhnliches, das dachte sie sich auch bei der Filmauswahl. Einen der beiden Streifen hat der Bürgerrat gewählt – „Toni Erdmann“ von 2016. Der Film ging zum Beispiel bei den Oscars in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ ins Rennen. Den zweiten Film wählte der Filmclub. „Lost World“ ist ein Abenteuerfilm, der auf dem Roman „Die vergessene Welt“ von Arthur Conan Doyle basiert, der auch in der Anfangsszene zu sehen ist. Dazu gibt es Live-Vertonung von SeBoom. Und Popcorn, Grillwurst und Getränke.

Das Fassadenkino kostet Eintritt. Dass es sich rentiert, nehmen Breutmann und seine Mitstreiter nicht unbedingt an. „Wir wollen einfach die Aufmerksamkeit auf das Gebäude lenken, es mal wieder in Szene setzen“, sagt Daniel Breutmann.

Idee einer Kletterhalle zur Debatte

Wenn der Inhaber mitspielt, könnte sich der Bürgerrat Südstadt auch in Zukunft Veranstaltungen auf dem Außengelände vorstellen, „das Fassenkino ist jetzt erst mal ein Pilotprojekt.“ Nicht spruchreif, aber zur Debatte steht, ob das Alte Heizwerk zu einer Kletterhalle werden könnte. „Es sind keine Maschinen mehr drin, das Gebäude ist komplett entkernt“, erzählt Michael Dahmcke vom Bürgerrat. Baulich möglich wäre es bestimmt, nimmt er an.

Einlass ab 19.00 Uhr. Beginn 20.00 Uhr; Eintritt: Fr. 8 Euro, ermäßigt. 5 Euro, Sa. 10 Euro. Zugang über Kamenzer Straße. Schlechtwetter-Variante: Turnhalle Kunnerwitzer Straße

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