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Kreis Görlitz: Seit Wochen Ansturm auf Hausarztpraxen

Die Schutzimpfung gegen das Coronavirus ist im Landkreis Görlitz begehrt. Der Wegfall der Priorisierung sorgt aber für noch mehr Anfragen in den Praxen.

Diese junge Frau bekommt durch die Aufhebung der Priorisierung bei Corona-Impfungen ihre Erstimpfung mit dem Impfstoff von Moderna. Nach den Arztpraxen kann nun auch in den Impfzentren jeder geimpft werden, der einen Termin ergattert.
Diese junge Frau bekommt durch die Aufhebung der Priorisierung bei Corona-Impfungen ihre Erstimpfung mit dem Impfstoff von Moderna. Nach den Arztpraxen kann nun auch in den Impfzentren jeder geimpft werden, der einen Termin ergattert. © dpa

Seit Montag dieser Woche kann sich jeder gegen Covid-19 impfen lassen. In Sachsen ist die Priorisierung aufgehoben. Doch bringt der Wegfall der Priorisierung das Impfen jetzt tatsächlich voran?

Dr. Lutz Buschmann glaubt das nicht. Der Facharzt für Gefäßerkrankungen führt seine Praxis in Weißwasser. Seit Anfang April impft er gegen das Coronavirus. Aber auch im Impfzentrum in Löbau war er tätig und baute in Zusammenarbeit mit der Kommune und anderen Partnern ein mobiles Impfteam für Weißwasser und Schleife auf. Dieses Modell nutzen andere Kommunen nun nach.

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Große Nachfrage von Anfang an

Etwa 3.600 Menschen sind bislang durch Dr. Buschmann und sein Team in dem mobilen Impfzentrum geimpft worden, etwa 700 in seiner Praxis. Ob er am Montag nach der Aufhebung der Priorisierung einen Ansturm auf die Praxis erlebte? "Ja und nein", sagt der Facharzt. Denn der Ansturm bei ihm in der Praxis und beim mobilen Impfen war von Anfang an sehr hoch. Die Nachfrage nach einer Impfung war und ist aber viel größer, als er sie durchführen kann, weil es nicht genügend Impfstoff gibt. Etwa 70 Impfungen führt der Facharzt pro Woche allein in seiner Praxis durch.

In den Praxen klingeln die Telefone heiß - seit Langem

Einen regelrecht verstärkten Ansturm auf die Corona-Schutzimpfung registrierte am Montag der Görlitzer Hausarzt Dr. Leonhard Großmann nicht. "Die Impfpriorisierung für alle Impfstoffe war in sächsischen Hausarztpraxen ja schon seit 24. Mai aufgehoben", erklärt er. Bereits seit Mitte April war der Impfstoff von AstraZeneca für alle ab 18 Jahre in Sachsen freigegeben. In der Praxis von Dr. Großmann erfolgen zwischen 100 und 150 Impfungen pro Woche, wobei der Impfstoff von Biontech/Pfizer durchgehend den geringeren Anteil der Impfdosen ausmacht, weil er weniger davon erhält, sagt er.

Ute Taube, Vorsitzende der Kreisärztekammer Görlitz, bestätigt, dass in den Hausarztpraxen die Nachfrage nach Impfstoffen von Anfang an sehr hoch sei. Bereits Mitte der vorigen Woche, als feststand, dass die Priorisierung fällt, gab es vermehrt Anfragen von Patienten. "Das haben vor allem die Mitarbeiterinnen in den Praxen gespürt, als die Telefone heiß liefen", sagt sie.

Mit einer Entspannung rechnet Frau Taube erst, wenn mehr Impfstoff bereit steht. Ende Juni sollen mehr Impfdosen kommen. Ute Taubes Prognose geht dahin, dass es noch etwa zwei, drei Monate dauert, bis wegen des Impffortschritts und der dann zur Verfügung stehenden Impfstoffmenge jeder einen Impftermin bekommen kann, der es wünscht.

Auch wer gehofft hatte, am vergangenen Montag einen der mehr als 6.200 neuen Termine für eine Erstimpfung in einem der sächsischen Impfzentren zu bekommen, wurde zum großen Teil enttäuscht: "Binnen weniger Minuten waren die Termine vergeben, so groß war die Nachfrage", erklärt Kai Kranich, Sprecher des DRK, das die Impfzentren leitet.

Skepsis gegenüber AstraZeneca bleibt

Ein ärgerliches Phänomen ist für Lutz Buschmann, dass es immer wieder vorkomme, dass Patienten, die mit AstraZeneca geimpft werden sollen, den Termin plötzlich absagen, weil sie anderswo einen Termin mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer ergattert haben. Buschmann ärgert sich dann vor allem wegen der Zeit, die er in die Aufklärung und die Gespräche mit diesen Patienten dann umsonst investierte. Nachrücker für die Impfung findet er aber. "Ich halte AstraZeneca für einen guten Impfstoff, der guten Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bietet", sagt Dr. Buschmann.

In der Praxis von Leonhardt Großmann kommen vereinzelt Absagen von Impfterminen vor. Das betrifft alle Impfstoffe. "Im Großen und Ganzen stellt das kein Problem dar, da wir bereits immer mit potentiellen Nachrückern rechnen und diese schnell zum Termin bitten können", erklärt Großmann.

Gewisse Probleme bereite derzeit jedoch der Wunsch einzelner Patienten, den zweiten Impftermin für die AstraZeneca-Impfung aus individuellen Gründen vorzuziehen. Theoretisch könnte die zweite Impfung bereits nach vier Wochen erfolgen. Allerdings gehe der Impfabstand von zwölf Wochen mit einer erheblich höheren Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffes einher. Die Zweitimpfung nach nur vier Wochen sei also nicht zu empfehlen, wie es auch die Ständige Impfkommission (Stiko) rät. "Dies den Patienten nahezubringen und die medizinische Priorität der Impfung zu erläutern, ist teilweise sehr zeitaufwendig", sagt Dr. Großmann. Oberstes Gebot bleibe, dass keine einzige Impfdosis verworfen werden muss, "was uns bei guter Planung und Organisation sowie hoher Motivation unserer Praxis-Mitarbeiterinnen bisher auch immer geglückt ist."

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