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Schmerzpatienten warten Monate

Wie eine Görlitzerin verzweifelt versuchte, einen Termin für eine Schmerztherapie in Niesky zu bekommen - und warum das im ganzen Landkreis schwierig ist.

Wenn der Rücken schmerzt, ist eine Therapie zu empfehlen. Aber darauf müssen Betroffene oft mehrere Monate im Landkreis Görlitz warten.
Wenn der Rücken schmerzt, ist eine Therapie zu empfehlen. Aber darauf müssen Betroffene oft mehrere Monate im Landkreis Görlitz warten. © Christin Klose/dpa (Symbolbild)

Sie kann nachts nicht mehr schlafen, weil ihr beim Liegen der Rücken schmerzt, erzählt Frau L.* Die Görlitzerin geht zu ihrem Hausarzt und schildert ihre Beschwerden. Damit beginnt für Frau L. eine Odyssee, die von ihr viel Zeit und Geduld abverlangt. 

Von ihrem Hausarzt bekommt die 65-Jährige eine Überweisung zu einem Orthopäden im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Martin-Ulbrich-Haus in Rothenburg. "Acht Wochen habe ich darauf warten müssen, um mich bei dem Arzt vorstellen zu können", erzählt Frau L. Die acht Wochen überbrückt sie mit Schmerztabletten, zwei am Tag. Der Orthopäde attestiert ihr vier verrutschte Bandscheiben, die die Schmerzen im Rücken verursachen. Sie bekommt eine Schmerztherapie verordnet.    

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Weiter Tabletten nehmen

Diese Therapie führt ein Facharzt im Krankenhaus Emmaus in Niesky durch. Frau L. ruft dort an, um einen Termin zu vereinbaren. "Die zugegebenermaßen sehr nette Dame in der Anmeldung sagte mir: ,Ja, gerne, aber die Wartezeit dafür ist ein Jahr.' Darauf fiel mir nichts mehr ein." Später sagt Frau L. zu sich: "Was haben wir doch für ein tolles Gesundheitswesen. Also werde ich weiter meine Tabletten nehmen und einen unruhigen Schlaf haben." Beim Nachfragen stellt sich dann aber heraus, dass in Niesky so eine Therapie gar nicht durchgeführt wird, Frau L. möchte sich doch an einen dafür zuständigen Schmerztherapeuten wenden. Aus Niesky hätte sie zumindest eine Dringlichkeitsüberweisung mitbekommen. 

Denn groß ist die Auswahl an Schmerztherapeuten im Landkreis Görlitz nicht. Es gibt nur einen niedergelassenen Arzt in Kottmar, Dr. Torsten Herzog. Dazu drei Krankenhausärzte, die die Ermächtigung zur Schmerztherapie haben. Diese praktizieren am Fachkrankenhaus Großschweidnitz, am Städtischen Klinikum Görlitz und eben am Emmaus-Krankenhaus in Niesky. Das sind zu wenige, räumt die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) ein.  "Die Versorgungssituation in der Schmerztherapie ist im Landkreis Görlitz insgesamt nicht zufriedenstellend", sagt KVS-Sprecherin Katharina Bachmann-Bux. 

Wartezeiten bis zu einem halben Jahr

Das spiegelt sich in langen Wartezeiten nicht nur in Niesky wider. Dr. Katrin Kersten ist Fachärztin für Neurologie und Anästhesie am Fachkrankenhaus Großschweidnitz. Bei ihr dauert es zwischen zwei bis drei Monaten von der Terminvergabe bis zur Behandlung.  Seit elf Jahren bietet sie auch eine multimodale stationäre Schmerztherapie an. Das bedeutet, dass in die Schmerzbehandlung im Krankenhaus mehrere Facharztbereiche integriert sind. Also wer Schmerzen hat, dem wird in Großschweidnitz eine speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Therapie angeboten.   

Frau Dr. Kersten darf aber pro Quartal nur eine bestimmte Zahl an Patienten für die Schmerztherapien aufnehmen. Daher sind die Wartezeiten bei ihr noch relativ erträglich. Diese Beschränkung verwundert sie aber,  wenn die KVS im gleichen Zusammenhang von einer Unterversorgung an Schmerztherapeuten im Landkreis spricht.  

Patienten zeitnah helfen

Aus dem Görlitzer Klinikum heißt es, dass die langen Wartezeiten gerade in der Schmerztherapie leider ein deutschlandweites Phänomen sind. Pressesprecherin Katja Pietsch sagt: "Bei uns sind es oft zwischen drei und sechs Monate. In akuten Fällen jedoch versuchen wir stets, den Patienten zeitnah zu helfen." Zuständig am Klinikum ist Diplommediziner Wilfried Konetzki. Schmerztherapeut Dr. Jörg Drechsel vom Emmaus-Krankenhaus konnte eine entsprechende SZ-Anfrage nicht beantworten, da er sich im Urlaub befindet.  

Frau L. hat in der Zwischenzeit selbst im Internet nach einer passenden Therapie gesucht. Großschweidnitz und eine Klinik in Baden Württemberg stehen für sie zur Auswahl. Aber bei beiden ist das Ganze mit einem stationären Aufenthalt verbunden. "Meinen Schäferhund, die Fische und die Schildkröten kann ich nicht alleine lassen", sagt die alleinstehende Frau. Stattdessen hat sie sich ein orthopädisches Nackenstützkissen gekauft und ist bei einer Physiotherapeutin in Behandlung. "Jetzt kann ich zumindest nachts wieder durchschlafen", sagt sie erleichtert.  

*Name bekannt

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