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Warum historisches Straßenpflaster jetzt verschwindet

Das Pflaster am Alten Ring Reichenbach kommt nun endgültig weg. Dafür kämpften Anwohner Jahrzehnte. Mit Erfolg.

Katrin Klawonn gehört zu denjenigen Anwohnern, die froh sind, dass der Verkehr am Alten Ring in Zukunft nicht mehr so laut sein wird.
Katrin Klawonn gehört zu denjenigen Anwohnern, die froh sind, dass der Verkehr am Alten Ring in Zukunft nicht mehr so laut sein wird. © Constanze Junghanß

Katrin Klawonn ist erleichtert. Die Anwohnerbeschwerden waren erfolgreich: Das Kopfsteinpflaster auf dem Alten Ring in Reichenbach verschwindet. „Sonntags ab 22 Uhr fahren bisher die ganzen Speditionen hier durch“, erzählt die Inhaberin der Drogerie gleich neben dem Marktplatz. Der Alte Ring ist ein Teil der Staatsstraße S 111 am Markt, die Richtung Weißenberg führt. Der kleine Streckenabschnitt mitten in der Stadt ist viel befahren: Die Busse fahren da lang, Lkws, Autos und in der Erntezeit zusätzlich nicht wenige landwirtschaftliche Fahrzeuge.

Sie alle donnern über das Kopfsteinpflaster. Für die Bewohner der Straße unzumutbar laut. „Seit 26 Jahren haben wir dafür gekämpft, dass das Pflaster wieder wegkommt“, erzählt Walter Schneider. Er und seine Frau Brigitte haben einen dicken Hefter voll mit Eingaben, Beschwerden und Zeitungsartikeln gesammelt. Auch zahlreiche Gespräche mit Ämtern und Behörden suchte das Ehepaar. Selbst Unterschriften sammelten sie. Fast alle Anwohner der Straße hätten unterschrieben.

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Doch bisher führte kein Weg da rein, die Straße zu asphaltieren. Denn das Pflaster sei im Zusammenhang mit dem historischen Markt freigelegt worden. „Zu DDR-Zeiten war über dem Pflaster eine Spritzdecke drüber“, erinnert sich Walter Schneider. Es rollte bedeutend weniger Verkehr die Staatsstraße entlang und durch die Deckschicht über dem Granit sei auch alles bedeutend leiser gewesen. Mitte der 90er Jahre nahm die Stadt die Sanierung des Marktplatzes in Angriff. Der ist mit den Steinen gepflastert.

Deckschicht musste wegen Denkmalschutz weg

„Der Markt wurde nach historischem Vorbild hergerichtet, auch in Bezug auf den Fahrbahnbelag bestehend aus einer Pflasterdecke“, erklärt Rosalie Stephan vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV) auf SZ-Nachfrage. „Die Teerschicht kam also wieder weg, obwohl bereits damals Ämter darauf hinwiesen, dass Pflaster mehr Geräusche verursacht“, erinnert sich Walter Schneider. Erneut mit einer Teerschicht bedeckt worden ist die Straße dann vor einigen Jahren während einer Baumaßnahme außerhalb Reichenbachs.

Da wurde der Alte Ring zur Umleitungsstrecke für den B6-Verkehr. Das war eine provisorische Fahrbahn aus Asphalt, die über das Pflaster gelegt wurde. Der Grund dafür: Die Geräuschemission, wie Bürgermeisterin Carina Dittrich sagt. Während dieser Zeit konnten die Anwohner ruhiger schlafen. Doch die Asphaltschicht verschwand erneut. Und die Bewohner des Alten Rings mussten wieder mit dem Lärm klarkommen. Dass die vor einigen Jahren errichtete Deckschicht entfernt werden musste, hatte nach Angaben von Bürgermeisterin Dittrich Denkmalschutz-Gründe. „Der ursprüngliche Zustand musste wiederhergestellt werden“, sagt sie.

Das ist nun anders. Seitens der Denkmalschutzbehörde läge die Zustimmung zum Umbau vor. Das umstrittene Pflaster verschwindet erneut. Diesmal nicht nur auf Zeit, sondern dauerhaft. Die Steine werden durch Asphalttrag- und Asphaltdeckschicht ersetzt. Diese beiden Schichten umfassen zusammen fast 20 Zentimeter. Das ausgebaute Pflaster wird auf einem Lagerplatz der Stadt zur Wiederverwendung abgelagert.

Haltestelle soll direkt vor den Dönerladen

Etwa 100 Meter ist der Straßenabschnitt lang, um den es geht. Das LASuV ist Bauherr, da die Strecke eine Staatsstraße ist. Rund 170.000 Euro kostet der Bau, wie LASuV-Sprecherin Rosalie Stephan mitteilt und auch, dass „die Kosten in Teilen vom Freistaat aus Steuermitteln finanziert“ würden. Im gleichen Zuge baut die Stadt eine überdachte und barrierefreie Bushaltestelle. Es ist geplant, dass die Bushaltestelle direkt vor dem Dönerladen entsteht. „Nur hier gibt es genug Platz um den Bushalt behindertengerecht auszubauen“, so die Bürgermeisterin. Die Kosten dafür betragen rund 91.000 Euro. Dafür hat Reichenbach Fördermittel beantragt.

Während der Bauzeit muss die S 111 voll gesperrt werden. Der Verkehr wird innerorts über die Bahnhofstraße, die Von-Seydewitz-Straße, den südlichen Alten Ring, die Käufferstraße und den Steinweg umgeleitet. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten am 20. September starten. Das verschiebt sich nun auf den 27. September „da kurzfristig Anpassungen im Bauablauf notwendig waren. Das voraussichtliche Bauende kann dabei beibehalten werden“, heißt es vonseiten des LASuV. Die Arbeiten sollen voraussichtlich am 19. November abgeschlossen sein.

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