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Wenn die Bahnhofsuhr still steht

Ihre Alltagssorgen können die Görlitzer seit Juli 2018 direkt ans Rathaus schicken. Der Görlitzer Mängelmelder übertrifft alle Erwartungen.

Alin Serbe ist Sachbearbeiterin für Bürgeranliegen im Görlitzer Rathaus. Sie bearbeitet unter anderem die Hinweise, die über den Mängelmelder eingehen.
Alin Serbe ist Sachbearbeiterin für Bürgeranliegen im Görlitzer Rathaus. Sie bearbeitet unter anderem die Hinweise, die über den Mängelmelder eingehen. © Nikolai Schmidt

Es sind nicht immer die großen Probleme, über die sich Görlitzer Bürger ärgern. Auch viele Kümmernisse machen den Menschen Sorgen. Über den Mängelmelder der Stadt können sie ihren Ärger mitteilen.

Seit der Mängelmelder Görlitz am 5. Juli 2018 online ging, erfreut er sich zunehmender Beliebtheit. Knapp 2.000 Hinweise kamen seither im Rathaus an, allein in diesem Jahr  bisher 1.313. Damit seien die Erwartungen der Stadt übertroffen worden, sagt Bastian Altmann, Leiter des Ordnungsamtes.

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Ein Haus einzurichten oder den Umzug in eine neue Wohnung zu organisieren, treibt so manchem Zeitgenossen die Schweißperlen auf die Stirn.

Mängelmelder gibt es auch als App

Die Hinweise kommen im Ordnungsamt an, nachdem sie auf der entsprechenden Website eingegeben wurden.

"Der Mängelmelder ist ein direkter Draht der Görlitzer zu ihrer Verwaltung", erklärt  Altmann. Über diesen Weg können die Bürger schnell und unkompliziert online mit dem Rathaus kommunizieren. "Natürlich bleibt der Hinweis per E-Mail oder Post erhalten", erläutert der Amtsleiter. Den Mängelmelder gibt es auch als App. 

Neueste Meldungen aus dem Mängelmelder Görlitz.
Neueste Meldungen aus dem Mängelmelder Görlitz. ©  Screenshot

Worüber sich die Menschen beschweren

Über das Wetter habe sich bislang noch niemand mittels Mängelmelder beschwert, sagt Tom Jähne mit einem Augenzwinkern. Er ist der Leiter des Sachgebietes allgemeine Ordnungsaufgaben. Der skurrilste Hinweis sei gewesen, dass die Bahnhofsuhr nicht richtig ginge. Zuständigerweise wurde der Hinweis an die Deutsche Bahn weitergegeben.

Für die Beseitigung des Mangels gilt das Verursacherprinzip: Wer den Schaden verursacht, muss ihn beseitigen. Leider sei der Verursacher häufig nicht zu ermitteln. Dann bleibt die Stadt auf den Kosten sitzen. Das sei oft bei Müllablagerungen der Fall, wie Anfang November auf der Landeskronstraße. Dort lagen Bretter und Möbel auf dem Gehweg. Einen Tag später beseitigten die Leute von Sapos den Unrat. 

Nicht immer kann die Stadt in ähnlichen Fällen handeln. "Liegt der Müll auf privatem Grundstück, ist der Eigentümer dafür verantwortlich", erklärt Altmann. Gerade bei unsanierten Häusern in Görlitz, wo Eigentümer nicht zu erreichen sind, sei das ein Problem. Lediglich bei Gefahr im Verzuge handele die Stadt, erläutert der Amtsleiter. 

Stadt beauftragt Betriebshof oder Firmen

Müll am Fußweg zwischen Jahnstraße und Lüdersstraße. Auch diese Information wurde über den Mängelmelder an die Stadt herangetragen.
Müll am Fußweg zwischen Jahnstraße und Lüdersstraße. Auch diese Information wurde über den Mängelmelder an die Stadt herangetragen. © SZ/Lachnit

Mitunter ist dem Verursacher nicht habhaft zu werden, wie in diesem Fall. Am Eingang zum Loenschen Park hatte starker Wind einen Baum abgeknickt, Äste versperrten den Durchgang auf dem Weg. Hier beseitigten Mitarbeiter des Betriebshofes das Hindernis. Auf der Hartmannstraße hatte ein Bürger lose Gehwegplatten als Stolpergefahr ausgemacht und online angezeigt. Auch hier kam der Betriebshof zum Einsatz.

In anderen Fällen beauftragt die Stadt Unternehmen, sich der angezeigten Mängel anzunehmen. So richtete eine Firma einen angefahrenen  Poller auf dem Obermarkt wieder gerade. Die Stadtwerke Görlitz erhielten den Auftrag, an der Kreuzung Nieskyer/Girbigsdorfer Straße eine Straßenlaterne zu reparieren. Dort hatten sich offenbar Kabeldiebe an der Leuchte zu schaffen gemacht. 

Die Vielfalt der angezeigten Mängel ist groß, auch wenn Müllablagerungen am häufigsten beklagt werden. Aber auch über tote Tauben auf dem Bürgersteig, überfüllte Glascontainer, Geruchsbelästigungen, schiefe Verkehrszeichen, demolierte oder volle Papierkörbe, zu hohe Bordsteinkanten und abgestellte Pkws ohne Kennzeichen wird informiert.

Eine Übersicht zeigt den Bearbeitungsstand der angezeigten Mängel.
Eine Übersicht zeigt den Bearbeitungsstand der angezeigten Mängel. ©  Screenshot

Maskenmuffel werden gemeldet

Derzeit häufen sich die Hinweise, dass die Maskenpflicht nicht eingehalten werde. Hier könne das Ordnungsamt nicht viel tun, sagt Altmann. "Bis die Ordnungshüter eingetroffen sind, ist der Maskenmuffel längst von dannen." Gibt es jedoch Hinweise auf Verstöße gegen Hygienevorschriften in Geschäften, informiert das städtische Amt das dafür zuständige Ordnungsamt des Landkreises.

Wenig ausrichten kann das Ordnungsamt bei zu allgemeinen Hinweisen. Deswegen sind Fotos und eine genaue Beschreibung des Mangels auf der Website sehr hilfreich und können die Mangelbeseitigung sogar beschleunigen, wenn genau zu erkennen ist, worin der Mangel besteht und nicht erst jemand nachschauen müsse, erklärt der Amtsleiter.

Mängelmelder bekommen eine Antwort

Jeder, der über die Website einen Mangel anzeigt, bekommt eine Antwort. Dafür sind jedoch Name und Kontaktadresse erforderlich. Während der Mangel auf der Website öffentlich sichtbar ist, bleibt der Kontakt des Bürgers für die Öffentlichkeit verborgen. Die Sichtbarkeit des Mangels verhindert doppelte Hinweise auf denselben Missstand.

Für die Stadtverwaltung ist der Mängelmelder eine Arbeitserleichterung. In der Regel werde er mit Bedacht genutzt. Allerdings gibt es Personen, die sehr häufig Mängel anzeigen. "Ich spreche dabei nicht von Missbrauch, aber bei mancher Anzeige stelle ich mir schon die Frage der Sinnhaftigkeit", sagt Tom Jähne. Amtsleiter Altmann betont, der Mängelmelder zeige, dass die Görlitzer mit offenen Augen durch Görlitz gehen. Sie seien an einer ordentlichen und sauberen Stadt interessiert. Deswegen wird jeder Hinweis ernst genommen, auch wenn er sich zunächst wie eine Lappalie anhört.

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