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Görlitzer Maler spendet für Synagogenstern

Andreas Neumann-Nochten hat zwei seiner Zeichnungen versteigert. Der Erlös dient als Unterstützung für die Wiedererrichtung des Davidsterns.

Andreas Neumann-Nochten malte seinen Urgroßvater Itzchak Horowitz, das Bild hängt in seiner Galerie ZwoNeun in der Hotherstraße. Eine Skizze zu diesem Gemälde versteigerte er jetzt.
Andreas Neumann-Nochten malte seinen Urgroßvater Itzchak Horowitz, das Bild hängt in seiner Galerie ZwoNeun in der Hotherstraße. Eine Skizze zu diesem Gemälde versteigerte er jetzt. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Andreas Neumann-Nochten beschäftigt sich schon sehr lange mit dem Judentum. Und seit seiner Kindheit fühlt er sich mit der Görlitzer Synagoge verbunden. Deshalb hat er jetzt, da der Davidstern wieder auf deren hohe Kuppel kommen soll, zwei Zeichnungen versteigert und den Erlös dafür gespendet.

Der Görlitzer Maler und Zeichner hat selber jüdische Wurzeln. Seine früh verstorbene leibliche Mutter und einige Vorfahren seiner Görlitzer Adoptivfamilie waren Juden, die schon früh zum protestantischen Glauben konvertierten. Er selbst ist nicht nur Künstler, sondern auch evangelischer Theologe. "Als ich Kind war, spazierte meine Tante regelmäßig mit mir zur Alten Synagoge auf der Langenstraße", erzählt der 61-Jährige, "und später auch zur Neuen Synagoge."

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Auktion erlöste über 1.000 Euro

Erst viel später, Mitte der 1980er, sei ihm aufgefallen, wie verwahrlost die Synagoge war, wie sie immer mehr verfiel. Und als er nach vielen Jahren an anderen Orten 1998 wieder nach Görlitz zurückkehrte, nahm er hier an einem Künstlersymposium zum Thema Sakralbauten teil. Seine Wahl: die Neue Synagoge.

Eine seiner damals entstandenen Zeichnungen im Plakatformat DIN A2 hat jetzt bei einer Auktion auf Facebook Alex Jacobowitz ersteigert, der Vorsitzende des Vereins Jüdische Gemeinde Görlitz-Zgorzelec. Die zweite Zeichnung, die Neumann-Nochten versteigerte, ist eine Skizze für das große Gemälde "Nachdenken über meinen Urgroßvater" aus dem Jahr 2013, das in seiner Galerie ZwoNeun auf der Hotherstraße 29 hängt.

Der Erlös der Auktion betrug 1.115 Euro. "Das ist etwas mehr als der 70. Teil der Gesamtsumme, die für die Wiedererrichtung des Davidsterns benötigt wird", sagt Neumann-Nochten. Der Görlitzer Stadtrat hatte neulich entschieden, dass der Stern wieder auf die Synagoge kommen und aus Spenden finanziert werden soll. Kosten: 70.000 Euro.

Jüdische Wurzeln – gläubiger Christ

Die Zahl 70 habe im jüdischen Verständnis eine ganz besondere Bedeutung, sagt der Künstler. Sie stehe für Vollkommenheit, denn nach alter rabbinischer Lehre wohnten jedem Menschen sieben Eigenschaften inne, unter anderem Barmherzigkeit und Stärke. Jede Eigenschaft sei in zehn Einzelaspekte unterteilt, also insgesamt 70.

Trotz seines Engagements für die Synagoge und seiner jüdischen Wurzeln ist Andreas Neumann-Nochten kein Mitglied des Vereins Jüdische Gemeinde. "Ich bin evangelischer Theologe und gläubiger Christ", sagt er, "das würde nicht zusammenpassen." Die Spendensumme liegt auf einem extra dafür eingerichteten Konto und soll zu gegebener Zeit der Stadt Görlitz übergeben werden. Alle 14 Auktionsteilnehmer bekommen, weil sie die Aktion Davidstern mit unterstützten, eine kleine Grafik von der Hand des Künstlers.

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