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Ausstellungs-Besucher sprechen von "Abzocke"

Die Schau im Schloss Krobnitz heißt „Begegnung mit der Leere“ und hat fast keine Exponate. Das scheint nicht jedem zu gefallen.

In einem Raum stehen zwei Vitrinen, eine Truhe und eine Säule. Hinter der Fotowand lagert die Kanone.
In einem Raum stehen zwei Vitrinen, eine Truhe und eine Säule. Hinter der Fotowand lagert die Kanone. © Constanze Junghanß

Eine Ausstellung (fast) ohne Exponate? Die gibt es nun im Krobnitzer Schloss. Sie heißt „Begegnung mit der Leere“. 3 Euro Eintritt sind nach Angaben der freundlichen Frau an der Kasse dafür zu zahlen. Und tatsächlich: In den Räumen im 1. Obergeschoss tanzen die Sonnenstrahlen auf dem blanken Parkett. Die Roon-Dauerausstellung ist zum Großteil weg, die blaue Kanone – das Herzstück – ebenso verschwunden, wie die Schautafeln mit den Exponaten. Bis 2023 lagern nach Angaben des Museumsverbundes die Stücke im Depot oder werden Restauratoren vorgelegt.

Wenngleich die meisten älteren Rezensionen bei Google lobende Worte für Schloss Krobnitz finden, gibt es in jüngerer Zeit auch Kritik, die offenbar mit dieser ungewöhnlichen Ausstellung zusammenhängt. Von „Abzocke“ ist gar die Rede und davon, dass der oder die Besucher „so etwas noch nie erlebt“ hätten. „Uns wurde beim Ticketkauf nicht gesagt, dass kaum ein Ausstellungsstück mehr in der Ausstellung vorhanden war. Wir durften vier fast leere Räume besuchen“, steht da und dass der Garten „ganz schön“, aber dies „das Benzingeld nicht wert“ sei. Vor wenigen Tagen gab es erneut eine wenig schmeichelhafte Beurteilung: „Müssen einiges im Service und Angebot verbessern“, schreibt da eine Besucherin.

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Schloss Krobnitz ist eine imposante Erscheinung.
Schloss Krobnitz ist eine imposante Erscheinung. © Constanze Junghanß
Bis auf die beiden Vitrinen ist dieser Raum unbestückt.
Bis auf die beiden Vitrinen ist dieser Raum unbestückt. © Constanze Junghanß
Die „Gedächtnisstütze“ ist noch leer. Hier können ehemalige Schlossbewohner ihre Erinnerungen dranschreiben.
Die „Gedächtnisstütze“ ist noch leer. Hier können ehemalige Schlossbewohner ihre Erinnerungen dranschreiben. © Constanze Junghanß
Eine große Tafel versperrt den Blick in den Raum.
Eine große Tafel versperrt den Blick in den Raum. © Constanze Junghanß

",Leere' ist ein Wort, das viele Menschen mit negativ besetzen, dabei kann es durchaus auch etwas Positives sein“, erklärt Ausstellungsinitiatorin Anja Köhler. Mit der Schau soll Besuchern die Möglichkeit gegeben werden, die Räumlichkeiten des Schlosses frei von Einbauten und beinahe ohne Objekte zu erleben. „Das war seit dem Abschluss der Sanierung nicht mehr möglich und wird auch in den kommenden Jahren so schnell nicht wieder möglich sein“, sagt die Museumsleiterin. Die Ausstellung rücke „ein ganz besonderes Objekt in den Mittelpunkt“ - das Schloss selbst. Decken, Fußböden sowie architektonische Details könnten ungehindert wahrgenommen werden. Wobei einige wenige Exponate weiter zu sehen sind: Gemälde und eine Truhe aus dem Besitz des Grafen Roon und die Glocke der Gruftkapelle.

Das Museum will Besucher dazu einladen, „die verschiedenen Arten von Leere im Schloss selbst, aber auch auf Fotografien aus der Vergangenheit zu entdecken“, so Anja Köhler. Es sind einige Fotos in Vitrinen zu sehen, die einen Rückblick auf die Zeit vor und während der Sanierung werfen. Das alles soll zum Nachdenken anregen – über das Schloss als Denkmal, als Ruine und Wohnraum. Bevor Krobnitz mithilfe von Fördermitteln saniert und zum Museum wurde, waren da auch Wohnungen drin. Wunsch der Museumsleiterin ist auch, dass sich ehemalige Bewohner melden und über ihre Erinnerungen berichten. Dafür ist eine blaue Rolle als „Gedächtnisstütze“ aufgebaut. An die können Zettel mit aufgeschriebenen Erinnerungen befestigt werden. Die Säule war Ende vergangener Woche leer.

So geplant oder ein Lückenfüller?

Doch war das so in dieser Form geplant oder suchte der Museumsverbund als Betreiber des der Stadt Reichenbach gehörenden Schlosses einen Lückenfüller?

Aufgrund der Situation im 1. Halbjahr 2021 sei nicht absehbar gewesen, wann wieder geöffnet werden kann, heißt es. Eigentlich war die Sonderausstellung "Der kleine Lord" angedacht - als Leihausstellung aus der Burg Liebenau. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, die Ausstellung auf 2022 zu verschieben, um möglichst vielen Besuchern die Chance zu geben, die Ausstellung zu sehen“, sagt die Museumsleiterin. Nachdem die Entscheidung zur Verschiebung gefallen war, „überlegten wir, was im Jahr 2021 noch möglich wäre und dabei wurde die Idee einer "Begegnung mit der Leere" geboren.“

Die Rückmeldungen von Besuchern und Fachkollegen seien „durchweg positiv“ gewesen. Wie viele Besucher da waren, kann Anja Köhler noch nicht sagen. Die Zahlen werden zum Quartalsende ausgewertet. So viel steht fest: „Für die Ausstellung sind Mittel des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien im Rahmen der institutionellen Förderung sowie reguläre Haushaltsmittel der Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH verwendet worden.“

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