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Wasserratten am Berzi im Blick

Noch sind die Rettungstürme am Berzdorfer See nicht besetzt, aber bald. Badegäste am Nordstrand können sich ab diesem Sommer noch sicherer fühlen.

Seit wenigen Tagen offiziell übergeben: Die Rettungsstation am Nordstrand des Berzdorfer Sees.
Seit wenigen Tagen offiziell übergeben: Die Rettungsstation am Nordstrand des Berzdorfer Sees. © Martin Schneider

Zweisprachig werden Rettungsschwimmerteams in diesem Sommer am Nordstrand und Nordoststrand des Berzdorfer Sees unterwegs sein. Fast so ähnlich wie die deutsch-polnischen Streifen, die man von der Bundespolizei kennt. Es wird Wachgänge über die Strandabschnitte geben, dazu wird die neue Rettungsstation am Nordstrand besetzt sein. Hier wachen weitere Rettungsschwimmer über das Wohl der Badegäste. Insgesamt sechs werden an jedem heißen Badetag vor Ort sein.

Ihre Basis ist die vor wenigen Tagen eingeweihte Rettungsstation. So mancher hat sich gefragt, warum sie hier steht - eigentlich weitab vom Strandgetümmel am Nordoststrand. Da, wo sich in den vergangenen Jahren die meisten Badegäste niedergelassen haben, wo es Strandbar und Kiosk gibt. Alexander Peter ist Kreisbereitschaftsleiter des DRK Görlitz und als solcher für die Rettungsstation mit verantwortlich. Er sagt, dass die Rettungsschwimmer des DRK den Nordoststrand gut überblicken können. Zum einen eben durch die Ferngläser von der neuen Station aus, zum anderen gibt es noch den Container als zweiten Rettungsturm, der im vergangenen Jahr schon das Badegeschehen im Blick hatte und der näher am Nordoststrand liegt. Außerdem, sagt Alexander Peter, verteilen sich die Badegäste auch immer mehr Richtung Nordstrand, weil dieser weitläufiger ist und bislang ruhiger. In der Tat entwickelt sich dieser Abschnitt immer weiter. Nicht nur die neue Rettungsstation ist hier entstanden, auch andere Anbieter wie Imbiss oder seit Neuestem das Emobility-Center mit seinen E-Rollern haben sich hier niedergelassen.

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Im vergangenen Jahr kam das Rettungsboot der DRK-Wasserwacht schon zum Einsatz: Damals musste ein Windsurfer gerettet werden, der es von allein nicht mehr ans Ufer schaffte.
Im vergangenen Jahr kam das Rettungsboot der DRK-Wasserwacht schon zum Einsatz: Damals musste ein Windsurfer gerettet werden, der es von allein nicht mehr ans Ufer schaffte. © Danilo Dittrich

Zur neuen Rettungsstation gehört ebenfalls ein Rettungsboot, das in der Station untergebracht ist. Mit ihm werden keine Kontrollfahrten entlang des Strandabschnittes gemacht, sondern es kommt zum Einsatz, wenn es auf dem Wasser einen Notfall gibt. So wie im vergangenen August, als DRK und Feuerwehr gemeinsam einen 53-jährigen Windsurfer retteten, der es nicht mehr alleine an Land schaffte, weil seine Kräfte ihn verlassen hatten.

Besonderes Augenmerk werden die Rettungsschwimmer am See wie immer auf die Kinder haben. Am Nordstrand, aber natürlich auch an der Blauen Lagune. Hier ist es die DLRG, die seit mehreren Jahren auf die Sicherheit der Badegäste achtet. In diesem Jahr vielleicht noch mehr, weil Hunderte Kinder der zweiten Klassen kein Schulschwimmen hatten und außerdem viele Fünf- oder Sechsjährige keine Gelegenheit hatten, ihr Seepferdchen abzulegen? „Natürlich haben wir generell ein hohes Augenmerk auf die Kinder“, sagt Manuel Schulze von der DLRG Görlitz. „Am Berzdorfer See sowieso, weil hier auch viele polnische Badegäste sind und hier die Kinder sehr oft Nichtschwimmer sind. Es gibt in Polen nicht so eine gute Ausbildung für Kinder wie bei uns.“ Polnische Kinder würden eher durchs Wasser paddeln - haben Schulze und seine Kollegen beobachtet.

Am vergangenen Wochenende wagten sich nur wenige Besucher am Nordoststrand ins Wasser. Im Hintergrund erkennbar: die neue Rettungsstation am Nordstrand. Von dort aus kann man auch den Nordstrand überblicken.
Am vergangenen Wochenende wagten sich nur wenige Besucher am Nordoststrand ins Wasser. Im Hintergrund erkennbar: die neue Rettungsstation am Nordstrand. Von dort aus kann man auch den Nordstrand überblicken. © Paul Glaser/glaserfotografie.de /SZ-Archiv

Noch sind sie nicht zurück an der Blauen Lagune, die Abstimmungen laufen noch, sagt Manuel Schulze, aber er hofft, dass es bald soweit sein wird. Bis zu sechs Rettungsschwimmer sind an heißen Tagen an der Lagune im Einsatz. Dass die Schwimmhallen coronabedingt zu sein mussten, merken auch DLRG und DRK schmerzhaft. Vor allem im Nachwuchsbereich, wo keinerlei Training möglich war. „Wir haben viele Onlinekurse angeboten, zu erster Hilfe, zur Funkausbildung, zum Wachdienst“, erzählt Manuel Schulze. Übungen waren den erwachsenen Rettungsschwimmer vorbehalten - wegen der Kontaktbeschränkungen. „Der Nachholbedarf ist schon groß, vor allem bei den Kindern, die Warteliste fürs Seepferdchen ist sehr lang“, sagt Manuel Schulze, denn beide - DRK und DLRG - bieten auch selber Kurse zum Schwimmen lernen.

Von links: Gerd Richter vom Bergbausanierer LMBV, der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu und Alexander Peter vom DRK auf dem Balkon der neuen Rettungsstation am Nordstrand des Berzdorfer Sees.
Von links: Gerd Richter vom Bergbausanierer LMBV, der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu und Alexander Peter vom DRK auf dem Balkon der neuen Rettungsstation am Nordstrand des Berzdorfer Sees. © Martin Schneider

Es ist ohnehin immer schwerer, genug Rettungsschwimmer-Nachwuchs zu finden. Deshalb war Alexander Peter im vergangenen Jahr froh über die Kooperation mit Polen. Die beiden Bürgermeister von Görlitz und Zgorzelec hatten miteinander telefoniert und die Zusammenarbeit angeschoben. „Dann war das so eine schöne und effektive Rettungskooperation, dass wir gesagt haben, dass müssen wir fortsetzen“, sagt Alexander Peter. Der Vertrag dazu ist erst am Freitag neu abgeschlossen worden. So steht für den Nordstrand jetzt ein Pool von etwa 40 Leuten zur Verfügung - 20 aus Deutschland, 20 aus Polen. Zudem ist das DRK mit anderen Wasserwachten Sachsens im Austausch. Das heißt, dass diese gelegentlich an den Berzdorfer See zu Übungen kommen können - und dann auch gleich die Rettungstürme mit besetzen, erklärt Alexander Peter. „Diese neue Rettungsstation ist etwas besonderes, es gibt gute Rahmenbedingungen. Wir wollen sie und den See bekannt machen.“

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Aber trotz aller Rettungsschwimmer mahnt Alexander Peter zur eigenen Vorsicht. Nie hinter die Bojen schwimmen, dazu rät er unbedingt. Denn danach falle das Wasser im Berzdorfer See tief ab. Wer dort untergeht, hat geringe Rettungschancen, da die Rettungsschwimmer selbst auch nicht tiefer als fünf, sechs Meter kommen.

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