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Beim Wittig-Bäcker gibt's jetzt Burger

Das Unternehmen ist umgezogen. Im früheren Plusmarkt Rauschwalde gibt es neben Kuchen und Semmeln nun eine Schaubäckerei und gesunde Snacks.

Burger beim Bäcker? Na klar. Bei Wittig gibts ab jetzt welche. Fanny Ginge zeigt die selbst entwickelten Burgerbrötchen.
Burger beim Bäcker? Na klar. Bei Wittig gibts ab jetzt welche. Fanny Ginge zeigt die selbst entwickelten Burgerbrötchen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Dirk Wittig strahlt übers ganze Gesicht. Es gibt sicher nicht so viele, die wie er sagen können: "2020 war ein tolles Jahr. Die letzten zwei Monate war für mich jeder Tag wie Weihnachten." Der Grund für diese Freude: seine neue Bäckerei, die am Montag öffnete. Zum zweiten Mal ist der Bäckermeister mit seinem kompletten Unternehmen umgezogen: 2000 von der Reichenbacher Straße auf die Rauschwalder Straße, nun von dort in den Gewerbekomplex Reichenbacher Straße 51. Dort, wo früher Plus und Euronics drin waren, entstehen jetzt Brot, Brötchen, Kuchen, und noch viel mehr.

Denn mit dem Umzug richtet sich die Bäckerei auch neu aus. Hier gibt es von nun an auch Mittagessen. Ganz gesundes. Vollwertige Spaghetti zum Beispiel, Wrapes, Snacks - aber vor allem Burger, auch vegane. Und als Beilage Süßkartoffelpommes. Das Besondere daran: alles wird im eigenen Haus hergestellt. Selbst die Burgerbrötchen oder die Nudeln. Juniorchef Dennis Wittig und seine Schwester Nathalie, die nicht direkt im Unternehmen arbeitet, es aber mit ihrem Werbestudio mit vermarktet, haben die Zeichen der Zeit erkannt und sich gesagt: Auf den Zug müssen wir aufspringen.

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Nur fürs Foto ohne Maske: Die Gesichter hinter dem Namen Wittig-Bäcker (v.l.n.r.): Schwiegertochter in spe Fanny Gilge mit Sohn William und Freund Dennis Wittig, Sohn Ben Wittig (vorne), Dirk und Anke Wittig und Tochter Nathalie Wittig, zuständig für das
Nur fürs Foto ohne Maske: Die Gesichter hinter dem Namen Wittig-Bäcker (v.l.n.r.): Schwiegertochter in spe Fanny Gilge mit Sohn William und Freund Dennis Wittig, Sohn Ben Wittig (vorne), Dirk und Anke Wittig und Tochter Nathalie Wittig, zuständig für das © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Das Bewusstsein für gesunde Ernährung mit frischen und natürlichen Zutaten werde immer stärker. "Auch mir persönlich ist gesundes Essen sehr wichtig", sagt Nathalie Wittig. Die Eltern hatten nichts dagegen, dass die Jugend neues wagen möchte - im Gegenteil. Die gesamte Familie kostete sich in den vergangenen Wochen durch die Burgerkreationen von Dennis Wittig.

Der setzt auch in der Backstube - übrigens für Besucher des Cafés durch eine Scheibe jetzt einsehbar - auf die Rückkehr der natürlichen Zutaten. "Ich finde es so schade, dass ich die alten Rezepte der Großeltern nicht mehr habe", sagt er. Denn mit der Wende lösten Backmischungen und Zutaten aus dem Bäckerei-Großhandel das Traditionelle immer mehr ab. Dorthin will Dennis Wittig zurück, viele der vorgefertigten Mischungen hat er schon verbannt. So zeigt er auf seine neueste Kreation - das Kartoffelbrot - und erklärt, warum die Wittig-Semmeln plötzlich so anders schmecken. Viel besser, wie die Kunden loben. "Das hängt damit zusammen, dass wir sie jetzt länger ruhen lassen, so können sie ihr Aroma besser entfalten, das ist das ganze Geheimnis." Erst danach gehts in den Backofen.

Am neuen Standort gibt es sowohl eine offene Küche als auch eine Schaubackstube. So können die Kunden alles genau verfolgen.
Am neuen Standort gibt es sowohl eine offene Küche als auch eine Schaubackstube. So können die Kunden alles genau verfolgen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Zwei dieser riesigen Backöfen stehen in der Backstube. Sie bei laufendem Bäckerei-Betrieb vom alten zum neuen Standort zu transportieren - eine logistische Meisterleistung. Eigens dafür wurde ein vorübergehender Schichtbetrieb eingeführt. Vier der acht Bäcker starteten die erste Schicht schon um Mitternacht, die zweite Schicht übernahm um vier Uhr. Der Umzug, das ist so ein Thema, bei dem alle Wittigs einmal durchschnaufen und froh sind, dass es jetzt geschafft ist. Mit einem Jahr Verzögerung. Daran ist Corona Schuld.

Gekauft wurde das Traumgrundstück im März 2020. Traum deshalb weil Anke und Dirk Wittig es schon lange im Blick hatten. Vor etwa neun Jahren, als der jüngste Spross Ben noch im Kinderwagen lag und sie mit ihm spazieren gingen, standen sie einmal davor und sagten sich: Hier die Bäckerei, das wäre es doch.

Alles Handarbeit: Bäckermeister Dirk Wittig liebt seine neue Backstube. Hier verziert er gerade süße Köstlichkeiten.
Alles Handarbeit: Bäckermeister Dirk Wittig liebt seine neue Backstube. Hier verziert er gerade süße Köstlichkeiten. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Aber damals fehlte noch der Mut. "Ich wusste nicht, was die Zukunft bringt, wird eins der Kinder die Bäckerei mal weiterführen", so Dirk Wittig, der nach der Wende in Düsseldorf das Handwerk lernte und dann in Görlitz die 1958 auf der Konsulstraße gegründete Familienbäckerei übernahm. Die Gewissheit, dass der Sohn sich dafür entschied, Bäcker zu werden - aber auch Unstimmigkeiten mit dem Vermieter - ließen Wittigs schließlich den Schritt wagen. Insgesamt zwei Millionen Euro haben sie in den neuen Standort investiert. Und obwohl Dirk Wittig sich 2020 manchmal gewundert hat, vor lauter Stress noch keinen Burnout bekommen zu haben, bereut er nicht eine Sekunde: "Ich bin verliebt", sagt der 49-Jährige während er sich umblickt. Weihnachten sei für ihn schon gewesen, als die Baugenehmigung kam, dann wieder als der Brandschutz durch war, und nochmal als die Ladenbauer kamen und alles so wurde wie entworfen. Seinen 45 Mitarbeitern - verteilt auf neun Standorte - ist er unglaublich dankbar, dass sie mit ihm durch diese Zeit gingen.

Am Eröffnungstag gab es gleich einen frühen Ansturm, 5 Uhr wird eigentlich geöffnet, aber schon halb fünf standen die ersten vor der Tür. Die Nachtbrötchen, die es am alten Standort ab 3 Uhr gab, sind aber Geschichte. Dafür erwartet Feinschmecker am neuen Unternehmenssitz später noch ein Tortenbuffet und hausgemachtes Eis - sobald die Pandemie soweit eingedämmt ist, dass eine Öffnung des Cafés, das auch zum neuen Hauptsitz gehört, wieder möglich macht. Dann soll auch personell nochmals aufgestockt werden.

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