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Berlinale: Görlitz geht leer aus

Es gab am Freitag keinen Bären den Film "Fabian" und auch für Görlitz. Für Begeisterung sorgt der Film trotzdem.

Ballons und Korkenknall hat "Fabian" trotzdem verdient.
Ballons und Korkenknall hat "Fabian" trotzdem verdient. © Nikolai Schmidt

Eine selten glanzlose Verkündung der Preise, schreibt etwa der Stern über den ersten Teil der Berlinale. Die läuft dieses Jahr coronabedingt anders ab. Mit einem Sommerteil, in dem die Berlinale-Filme für das öffentliche Publikum in Berliner Kinos zu sehen sein sollen. Das ist der zweite Teil. Der erste war jetzt - die Sichtung und die Kür der besten Wettbewerbsfilme. Größtenteils online, nicht viel Glanz - mag sein. Aber nicht unspannend, vor allem für Görlitz. Denn hier wurde einer der 15 Wettbewerbsfilme gedreht, "Fabian oder Der Gang vor die Hunde".

Auch die Verkündung der Bären-Gewinner lief online: eine Videokonferenz mit Carlo Chatrian, der künstlerische Leiter der Berlinale, der immerhin etwas glamourös in einem Kino saß. Ihm zugeschaltet waren die Jurymitglieder, sechs ehemalige Bärengewinner. Immerhin gewann man so einen Einblick, wo die besten Regisseure der vergangenen Jahre arbeiten oder wie sie leben.

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Dreharbeiten zum Film "Fabian" auf dem Demianiplatz in Görlitz. Die Straßenbahn ist schon in einer der ersten Szenen zu sehen, auf der Berliner Straße.
Dreharbeiten zum Film "Fabian" auf dem Demianiplatz in Görlitz. Die Straßenbahn ist schon in einer der ersten Szenen zu sehen, auf der Berliner Straße. © Nikolai Schmidt

In Görlitz hatte Regisseur Dominik Graf im Sommer 2019 die Kästner-Verfilmung "Fabian oder Der Gang vor Hunde gedreht", unter anderem mit Saskia Rosendahl und Tom Schilling. Die Kritiken in den vergangenen Tagen - auch Medienvertreter konnten die Wettbewerbsfilme sehen - fielen größtenteils positiv aus. Aber für einen silbernen oder gar goldenen Bären reichte es nicht, entschied die Jury.

Der Goldene Bär ging an den Film "Bad Luck Banging", eine Produktion aus Rumänien, Luxemburg, Kroatien und Tschechien von Regisseur Radu Jude. Den Großen Preis der Jury gewann der japanische Film "Wheel of Fortune and Fantasy".

Auch zwei deutsche Produktionen wurden ausgezeichnet. Den silbernen Bären für den Preis der Jury bekam Maria Speth mit ihrem Dokumentarfilm "Herr Bachmann und seine Klasse". Für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle wurde Maren Eggert in "Ich bin dein Mensch" von Regisseurin Maria Schrader ausgezeichnet.

Und Fabian? Wenn man die Rezensionen liest, ist der Film trotzdem ein Glanzstück geworden. "Elegant und nahezu selbstverständlich führt der Film die Bilder einer Großstadtwelt von heute und die des Wirtschaftskrisen-Berlins von 1931 zusammen", schreibt etwa der Spiegel. Historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen, glamouröse Nachtklubszenen und "Büropalaver in der Zigarettenfabrik, in der der Titelheld seinen ungeliebten Job als Werbetexter versieht: Das alles dient hier nicht einer Geschichtslektion, sondern einem über kurzweilige drei Stunden bewundernswert konzentriert erzählten Künstler-, Freundschafts- und Liebesdrama".

Auch in anderen Rezessionen findet sich etwa viel Lob für Regisseur Dominik Graf. Der Film zeige die damalige Zeit noch mal in neuem Licht, hatte Produzent Felix von Boehm in einem Interview in der SZ gesagt. "Das liegt etwa daran, dass Regisseur Dominik Graf auch mit historischem Material gearbeitet hatte, dass Räume anders ausgestattet sind als der 'deutsche Standard' so will, wenn man diese Zeit betrachtet." Das scheint auf jeden Fall gelungen zu sein.

Meret Becker und Tom Schilling in der Augustastrasse.
Meret Becker und Tom Schilling in der Augustastrasse. © Matthias Wehnert

Auch die Auswahl der Schauspieler. Alle drei Hauptdarsteller - Tom Schilling, der den Fabian verkörpert, Saskia Rosendahl als seine zwar große aber kurzzeitige Liebe Cornelia und Albrecht Schuch als Fabians Freund Labude - kommen in keiner Rezension schlecht weg, im Gegenteil.

Wo Görlitz dabei zu finden ist? Zum Beispiel in den Kritiken, die darauf eingehen, wie der Film es schafft, Gegenwart und Damals zu verknüpfen - wenn zum Beispiel in einer Szene die heutigen Stolpersteine im Görlitzer Pflaster verweisen auf das, was nach dem Ende der Weimarer Republik kommen sollte. Görlitz, einer Stadt, in der man, fast wie in einem Studio, auf vergleichsweise kleinem Raum seinen Filmkosmos erschaffen kann, hatte Felix von Boehm erklärt.

Und vielleicht wird es ja noch was mit den Bären, Görlitz und Produzent Felix von Boehm. Er kommt nächstes Jahr mit Regisseurin Theresa von Eltz zurück nach Görlitz. Und einem Film über Albert Einstein.

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