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Trotz Corona: Pflegeberufe in Görlitz gefragt

Im Görlitzer Berufsschulzentrum kommen ganz unterschiedliche Schüler zusammen. Wie sie mit der Coronakrise umgehen.

Hygiene ist bei den Koch-Azubis ohnehin großes Thema: BSZ-Leiterin Beate Liebig in der Lehrküche.
Hygiene ist bei den Koch-Azubis ohnehin großes Thema: BSZ-Leiterin Beate Liebig in der Lehrküche. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Beate Liebig hat zwar nie Chemie-Unterricht gegeben, schlecht scheint sie in dem Fach aber nicht zu sein: Flächen-Desinfektionsmittel hat sie selbst hergestellt. Zusammen mit dem Hausmeister und Equipment vom Chemielehrer. "Das ist schon machbar", sagt die Leiterin des Beruflichen Schulzentrums "Christoph Lüders" (BSZ) in Görlitz. An den Eingängen und vorm Sekretariat stehen jetzt Desinfektionssäulen. Die und ihr Inhalt  - für die Hände - sind aber neu gekauft. Beate Liebig hatte sie schon lange anschaffen wollen, seit einer Grippewelle vor zwei Jahren. Wann es mit dem Kauf klappt - Corona hat die Frage beantwortet. Die SZ analysiert, welche Einflüsse die Coronakrise sonst noch auf das BSZ hat: 

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Wie alle anderen Schulen hat das BSZ Görlitz einen Hygieneplan.  Zu dem zählt beispielsweise, dass Schüler und Lehrer sich bei  Betreten die Hände waschen und desinfizieren, Abstand halten und Laufwege beachten. In Fluren, den Treppenhäusern und auf den Toiletten gilt Maskenpflicht, "also überall dort, wo Klassenverbände sich vermengen können", erklärt Beate Liebig. Und wenn mal eine Maske kaputtgeht - Ersatz gibt's im Sekretariat. Beim Sport hat gerade alles, was draußen möglich ist, Vorrang. Im Musikunterricht singt höchstens der Lehrer - mit drei Meter Abstand. Instrumente werden nach jeder Nutzung desinfiziert. Insgesamt sei die Akzeptanz bei den Schülern da. "Wir bilden einen weiten Ausschnitt der Gesellschaft ab", sagt Beate Liebig. Es sind im Grunde fünf Schulen: Berufsschule, Berufliches Gymnasium, Berufsfachschule, Fachoberschule, Fachschule für Sozialwesen. Entsprechend kommen auch unterschiedliche Einstellungen zusammen: Schüler, die sehr ernst an die Maßnahmen rangehen und solche, die es weniger ernst nehmen. Am BSZ lernen viele Pflege- und soziale Berufe. Gerade dort seien die Schüler sehr verantwortungsbewusst.  "Da merkt man schon, dass für die der Beruf auch Berufung ist." 

Solche Bilder wie dieses von 2015 sind derzeit nicht machbar: Es ist bei einem Schüleraustausch entstanden. Damals waren italienische Bäcker zu Gast in Görlitz.
Solche Bilder wie dieses von 2015 sind derzeit nicht machbar: Es ist bei einem Schüleraustausch entstanden. Damals waren italienische Bäcker zu Gast in Görlitz. © Archiv: Pawel Sosnowski

Simulierte Prüfungsfälle: Wie die Prüfungen abliefen 

Als sachsenweit die Schulen geschlossen wurden, betraf das auch das BSZ. Für einen Großteil der Schüler hier hing aber noch mehr dran: Sie konnten auch nicht in ihre  Partnereinrichtungen wie Kindergärten, Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäuser.  Die Prüfungen standen dann aber dennoch an. Das brauchte Kreativität. Zum Beispiel findet die praktische Prüfung für Sozialassistenten sonst in einer Kindereinrichtung statt. "Wir haben dann, zum Beispiel auch für die Krankenpflegehelfer, Prüfungsfälle simuliert", erzählt Beate Liebig. Nach der Öffnung der Einrichtungen wurden meist auch die Schüler und Azubis wieder zugelassen. "Sie wollten auch gerne. Mein Eindruck ist, dass sie ihr Berufsverständnis schon sehr verinnerlicht haben."

Gefragte Berufe: Welchen Einfluss Corona auf die Bewerbungen hat 

Die meisten Schüler mussten sich schon bewerben, als die Coronakrise die Oberlausitz noch nicht erreicht hatte. "Bei der dualen Ausbildung, also der Berufsschule, hatte ich den Eindruck, es ist dieses Jahr etwas schleppend losgegangen." Dass sich stattdessen mehr Schüler für das berufliche Gymnasium interessieren - vielleicht, weil es mit der Ausbildung coronabedingt nicht geklappt hat - kann sie nicht bestätigen. "Für das Berufliche Gymnasium sind die Zahlen immer sehr hoch, es gibt immer eine Warteliste." Einen Abschwung in den Pflegeberufen, deren Herausforderungen seit Monaten sehr im Fokus stehen, lasse sich ebenfalls nicht feststellen. Eher im Gegenteil. Es gibt eine neue generalistische Pflegeausbildung, die Kranken-, Alten- und Kinderpflege verbindet, erklärt Beate Liebig. "Die erste Klasse ist bei uns gut gefüllt." Überraschend: Der Beruf des Dachdeckers ist dieses Jahr sehr gefragt. Nicht nur in Görlitz, hat die BSZ-Leiterin erfahren. Weit oben stehen dieses Jahr auch der Beruf des Sozialassistenten, das Sprungbrett zum Erzieher, oder auch der Einzelhandelskaufmann. 

Trotz Corona: Welche Neuerungen es gibt

Neben der generalistischen Pflegeausbildung gibt es eine weitere Neuerung: Dort, wo die Köche, Restaurantfachleute, Hauswirtschafter, Gästebetreuer lernen, wird gebaut. In einem Raum gegenüber der Lehrküche stehen neue Küchenzeilen. Sie sind für das  Berufsvorbereitungsjahr im Ernährungs- und Gastrobereich. Es kommt vor, dass man mit 16 Jahren eben noch nicht genau weiß, wohin die berufliche Reise gehen soll. Für diese Schüler ist das Vorbereitungsjahr. Ob hier vielleicht auch bald die Bäcker arbeiten? Das erste Lehrjahr für sie findet ohnehin in Görlitz statt, das zweite und dritte aber in Bautzen. Das soll sich womöglich im Ausbildungsjahr 2021/22 ändern: Aktuell laufen Planungen, die duale Ausbildung an den Berufsschulen in den Kreisen Görlitz und Bautzen umzustrukturieren.

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Ziel soll sein, die Ausbildung im ländlichen Raum auf festere Füße zu stellen. Vorgesehen ist etwa, dass Bäcker, Köche und Friseure komplett in Görlitz zur Schule gehen. Von den BSZ in Weißwasser und Löbau sollen beispielsweise die Verkäufer nach Görlitz kommen. Dafür soll Görlitz andere Ausbildungsgänge abgeben, etwa das Betriebliche Büromanagement und die Dachdecker. Gerade der geplante Umzug der Bäcker hatte für Aufsehen - und Ärger im Kreis Bautzen gesorgt. Beate Liebig will sich bei dem Thema zurückhalten. "Es gibt einen Entwurf des Kultusministerium", sagt sie, "der muss von den Fachleuten jetzt diskutiert werden. Mir geht es  am Ende um die Qualität der Ausbildung." 

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