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Verdammt und geliebt - das Jahr 2020

2020 in Görlitz und Niesky in Bildern - gab es wegen Corona nichts zu fotografieren? Von wegen. Hier der Beweis - die Bilder des Jahres.

Das Bild des Jahres vom Görlitzer Fotografen Nikolai Schmidt.
Das Bild des Jahres vom Görlitzer Fotografen Nikolai Schmidt. © Nikolai Schmidt

Was fotografieren, wenn das öffentliche Leben zurückgefahren wird? Corona hatte auch ungeahnte Folgen für die Fotos in der SZ. Aber natürlich ergab die Pandemie auch Aufnahmen, die es sonst nicht gegeben hätte. Auf Manches hätten wir gern verzichtet. Und doch erzählten die Bilder des Jahres lauter Geschichten. Der Dank gilt den Fotografen Nikolai Schmidt und André Schulze.

Geschichten vor Corona

Auch wenn man es fast schon vergessen hat, es gab ein Leben vor Corona. Da war auch nicht alles frei von Problemen. Aber es ging seltener um Leben und Tod. Manchmal auch nur um einen Bon. Die neue Bonpflicht für Einzelhändler nervte viele so sehr, dass sie dagegen rebellierten. Zumal die Kunden darauf oftmals keinen Wert legten und sich so Berge von Bons in den Läden sammelten. Manche gestalteten daraus kunstvoll Schaufenster, manche hielten einfach nur verärgert eine Bon-Rolle dem Fotografen ins Objektiv.

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Und noch ein Aufreger: Manöver auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz, gleich am Anfang des Jahres landeten holländische Truppen. Zudem beschäftigte ein großes US-Manöver im Baltikum die Menschen, über Wochen wären die Truppen über die A 4 in den Osten verlegt worden. Doch dann kam Corona: das Manöver fiel aus.

Zugleich startete das öffentliche Leben wie jedes Jahr: mit Neujahrsempfängen. In Niesky und Görlitz, bei Parteien, in der Wirtschaft und bei den Kirchen. Gute Wünsche wurden ausgetauscht, Vorhaben vorgestellt, Pläne geschmiedet. Corona war ja noch so weit weg.

Stuhl eng an Stuhl, Hunderte Menschen in einem Raum: So ging es los beim Neujahrsempfang des Görlitzer Oberbürgermeisters Ende Januar.
Stuhl eng an Stuhl, Hunderte Menschen in einem Raum: So ging es los beim Neujahrsempfang des Görlitzer Oberbürgermeisters Ende Januar. © Nikolai Schmidt
Andrea Michel ist Inhaberin der Blumengalerie in Görlitz und ärgerte sich über die neue Bonpflicht.
Andrea Michel ist Inhaberin der Blumengalerie in Görlitz und ärgerte sich über die neue Bonpflicht. © André Schulze
Zum Jahresbeginn wurde sogar noch rund um Niesky Fasching gefeiert.
Zum Jahresbeginn wurde sogar noch rund um Niesky Fasching gefeiert. © André Schulze
Eine Hercules C130 Lockheed der Koninklijke Luchtmacht, der Royal Netherlands Air Force, landet und startet auf dem Rothenburger Flugplatz.
Die holländische Armee führte auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz eine Übung durch.
Eine Hercules C130 Lockheed der Koninklijke Luchtmacht, der Royal Netherlands Air Force, landet und startet auf dem Rothenburger Flugplatz. Die holländische Armee führte auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz eine Übung durch. © André Schulze

Grenz-Geschichten

Es gibt viele Fotos von der ersten Welle der Pandemie in Görlitz und Niesky. Sie sind ganz anders, als die aus dem Spätherbst. Viel weniger Krankenhäuser und Altenheime, dafür mehr Grenze. Die Schließung der Übergänge nach Polen durch die Warschauer Regierung griff tief in den Alltag der Menschen hüben wie drüben der Grenze ein. Während die Deutschen vor allem auf ihre Tank- und Zigaretteneinkäufe verzichten mussten, wurde es für viele Polen existenziell. Anfangs durften sie nicht zu ihren Arbeitsstellen im Landkreis Görlitz einpendeln. Über 10.000 Menschen betraf es.

Herzzerreißende Szenen spielten sich an den aufgestellten Grenzzäunen ab: Väter, die in Deutschland blieben, um zu arbeiten, herzten durch die Gitter ihre Kinder auf der Zgorzelecer Seite. Andere schlichen nachts durch die niedrige Neiße zu ihren Familien. Nur so ist zu verstehen, welche Freude sich in der Nacht zum 14. Juni entlud, als die Stadtoberhäupter von Görlitz und Zgorzelec, Octavian Ursu und Rafal Gronicz, demonstrativ mit Bolzenschneidern die Ketten durchschnitten und die trennenden Zäune auf der Altstadtbrücke beiseite rückten. Einer der Bolzenschneider ging anschließend in die Sammlung des Görlitzer Museums.

Wie sehr sich die Stimmung doch im Herbst und Winter drehte: Jetzt hieß es nicht Grenzen auf, sondern viele forderten, sie zu schließen. In Sorge, Infizierte aus Polen und Tschechien könnten das Virus einschleppen. Beweise dafür gibt es bis heute nicht.

Das hatte man seit dem Beitritt Polens zur EU nicht mehr gesehen: Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte auf der Görlitzer Altstadtbrücke.
Das hatte man seit dem Beitritt Polens zur EU nicht mehr gesehen: Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte auf der Görlitzer Altstadtbrücke. © Nikolai Schmidt
Dieser polnische Vater trifft sich das erste Mal seit Tagen mit seinem Kind am Grenzzaun in Görlitz. Er arbeitet in Deutschland und da ein Pendeln über die Grenze im Frühjahr nicht möglich ist, ist er in Deutschland geblieben - seine Familie aber lebt in Polen.
Dieser polnische Vater trifft sich das erste Mal seit Tagen mit seinem Kind am Grenzzaun in Görlitz. Er arbeitet in Deutschland und da ein Pendeln über die Grenze im Frühjahr nicht möglich ist, ist er in Deutschland geblieben - seine Familie aber lebt in Polen. © Nikolai Schmidt
Und selbst durch Görlitz quälte sich eine schier endlose Blechlawine zur Grenze. Görlitzer machten sich auf den Weg, wie hier der CDU-Vorsitzende und Stadtrat Gerd Weise (links), um die Wartenden mit Tee zu erfrischen.
Und selbst durch Görlitz quälte sich eine schier endlose Blechlawine zur Grenze. Görlitzer machten sich auf den Weg, wie hier der CDU-Vorsitzende und Stadtrat Gerd Weise (links), um die Wartenden mit Tee zu erfrischen. © Nikolai Schmidt
Im Schutzanzug kontrollierte Polen den Waren- und Transitverkehr an der Grenze in Görlitz
Im Schutzanzug kontrollierte Polen den Waren- und Transitverkehr an der Grenze in Görlitz © Nikolai Schmidt
Fiebermessen gegen das Corona-Virus: Auch diese Maßnahme half nicht viel.
Fiebermessen gegen das Corona-Virus: Auch diese Maßnahme half nicht viel. © Nikolai Schmidt
Nichts ging mehr. Polen hatte im Frühjahr die Grenze geschlossen. Auf der Görlitzer Stadtbrücke standen Warnzäune Passanten im Weg. Polen versuchte mit der Maßnahme, das Virus an der Grenze aufzuhalten.
Nichts ging mehr. Polen hatte im Frühjahr die Grenze geschlossen. Auf der Görlitzer Stadtbrücke standen Warnzäune Passanten im Weg. Polen versuchte mit der Maßnahme, das Virus an der Grenze aufzuhalten. © Nikolai Schmidt
Die plötzliche Grenzschließung sorgte für kilometerlange Staus auf der A 4, hier bei Kodersdorf.
Die plötzliche Grenzschließung sorgte für kilometerlange Staus auf der A 4, hier bei Kodersdorf. © André Schulze
Mitternacht 14. Juni: Oberbürgermeister Octavian Ursu (rechts) und sein Zgorzelecer Amtskollege Rafal Gronicz durchtrennen eine Stahlkette am Zaun auf der Altstadtbrücke.
Mitternacht 14. Juni: Oberbürgermeister Octavian Ursu (rechts) und sein Zgorzelecer Amtskollege Rafal Gronicz durchtrennen eine Stahlkette am Zaun auf der Altstadtbrücke. © Nikolai Schmidt

Wetter-Geschichten

Nach einigen Dürrejahren fiel dieses Jahr gefühlt genau richtig aus: genug Regen, keine Hitzerekorde, sogar ein kleines Hochwasser an der Neiße - Alarmstufe 1 für 24 Stunden. Aber so einfach ist das eben nicht. Während der Boden an der Oberfläche nicht bei weitem so austrocknete wie in den Vorjahren, ist es tief im Innern sautrocken: Die Grafiken des Helmholtz-Instituts in Leipzig zeigen eindrucksvoll, dass in etwa einem Meter Tiefe es unverändert zu trocken ist. Ein „normales“ Jahr ändert daran wenig – zumal es in anderen Landesteilen auch tatsächlich wieder zu heiß und sonnig war.

Vor allem die Wälder und die Forstbesitzer waren die Leidtragenden. Borkenkäfer vermehrten sich zuhauf, befielen die Wälder - besonders schlimm in der Mitte des Landkreises wie in den Königshainer Bergen. Die Eigentümer konnten nur so schnell wie möglich roden und das Holz aus den Wäldern holen, damit die Käfer nicht auf den nächsten Bestand übersprangen. Bei so viel Holz auf einmal aber gingen die Preise in den Keller: Wer Wald besitzt, steht jetzt als armer Mann da.

Dass der Quitzdorfer Stausee austrocknete, war freilich auch Menschenwille und dem Ablassen des Sees durch die Landestalsperrenverwaltung geschuldet. Der Freistaat ist noch immer hin- und hergerissen, inwieweit nur die Staumauer saniert oder gleich der ganze See wieder in Schuss gebracht wird. Als man sich für die große Lösung in einem der nächsten Jahre entschied, floss zu wenig Wasser in den See, so dass Angler und Segler in diesem Jahr die Saison abschreiben konnten.

Und auch die traurig vertrockneten Gurkenpflanzen in der Hagenwerderer Gartenbaufirma Ahr waren nicht dem Wetter geschuldet. Wegen Corona konnten polnische Erntehelfer nicht über die Neiße – so vertrockneten die Gurken von Rüdiger Ahr und der Traum von einer guten Ernte.

Rüdiger Ahr führt in Tauchritz den Gartenbaubetrieb Ahr.
Weil die Erntehelfer fehlen und die Großhändler lieber billigere Gurken aus Frankreich abnehmen, musste er seine diesjährige Ernte aufgeben.
Rüdiger Ahr führt in Tauchritz den Gartenbaubetrieb Ahr. Weil die Erntehelfer fehlen und die Großhändler lieber billigere Gurken aus Frankreich abnehmen, musste er seine diesjährige Ernte aufgeben. © André Schulze
Was wie ein kleines Hochwasser aussah, war lediglich die Alarmstufe 1 an der Neiße - für einen Tag.
Was wie ein kleines Hochwasser aussah, war lediglich die Alarmstufe 1 an der Neiße - für einen Tag. © Nikolai Schmidt
Die Firma Osteg aus Zittau gräbt im Auftrag der Landestalsperrenverwaltung die Wurzeln aus dem Boden des Stausees Quitzdorf.
Die Firma Osteg aus Zittau gräbt im Auftrag der Landestalsperrenverwaltung die Wurzeln aus dem Boden des Stausees Quitzdorf. © André Schulze
Der Borkenkäfer fiel besonders über die Wälder in den Königshainer Bergen her. Tiefe Schneisen wurden im Kampf gegen den Käfer geschlagen.
Der Borkenkäfer fiel besonders über die Wälder in den Königshainer Bergen her. Tiefe Schneisen wurden im Kampf gegen den Käfer geschlagen. © André Schulze

Sommer-Geschichten

Was für ein kurzer Sommer des intensiven Aufatmens und des Verschnaufens: Schlesischer Tippelmarkt, Folklorum, Seebühne, Champions-League-Open-Air am See und dann noch ein Novum: Das Löbauer DJ-Duo Kyau & Albert (links) boten Sitz-Diskothek im Görlitzer Kühlhaus. Ursprünglich entstammt diese Corona-Variante der Unterhaltung aus den Niederlanden. Das weit gereiste Pop-Duo importierte es an die Neiße – mit nur bedingtem Erfolg.

Wer allerdings den Läuferpulk vom Firmenlauf vom 18. September sieht, der fragt sich im Rückblick schon: Lebensfreude oder Leichtsinn? Wir werden es endgültig nie erfahren. Und das ist vielleicht auch ganz gut.

Das Kneipenfestival fand - trotz bereits erheblich gestiegener Infektionszahlen - noch Anfang Oktober in Görlitz statt. Die Freude über die Musik war aber ziemlich gering - manchmal gab es nur noch einen Fensterplatz wie hier beim Barbecue auf der Neißstraße.
Das Kneipenfestival fand - trotz bereits erheblich gestiegener Infektionszahlen - noch Anfang Oktober in Görlitz statt. Die Freude über die Musik war aber ziemlich gering - manchmal gab es nur noch einen Fensterplatz wie hier beim Barbecue auf der Neißstraße. © Nikolai Schmidt
Innerhalb von zwei Wochen stemmte die Europa Chor Akademie die Aufführung von Orffs "Carmina burana" auf einer Seebühne am Berzdorfer See. 2022 könnte es eine Neuauflage geben, dann mit mehr Publikum.
Innerhalb von zwei Wochen stemmte die Europa Chor Akademie die Aufführung von Orffs "Carmina burana" auf einer Seebühne am Berzdorfer See. 2022 könnte es eine Neuauflage geben, dann mit mehr Publikum. © Nikolai Schmidt
In normalen Zeiten hätten wir diesen Sommer die Auftritte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EM verfolgt - im Biergarten, auf Großleinwänden. Doch die EM fiel aus, so blieb nur die Champions-League-Finalrunde am Berzdorfer See - mit einem Sieg der Münchner Bayern.
In normalen Zeiten hätten wir diesen Sommer die Auftritte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EM verfolgt - im Biergarten, auf Großleinwänden. Doch die EM fiel aus, so blieb nur die Champions-League-Finalrunde am Berzdorfer See - mit einem Sieg der Münchner Bayern. © Nikolai Schmidt
30 Jahre Städtepartnerschaft Görlitz-Wiesbaden. Da ließen es sich die Oberbürgermeister Octavian Ursu (Mi.) und Gert-Uwe Mende (li.) nicht nehmen, zusammen mit dem früheren Wiesbadener Oberbürgermeister Achim Exner ein frisch Gezapftes zu genießen.
30 Jahre Städtepartnerschaft Görlitz-Wiesbaden. Da ließen es sich die Oberbürgermeister Octavian Ursu (Mi.) und Gert-Uwe Mende (li.) nicht nehmen, zusammen mit dem früheren Wiesbadener Oberbürgermeister Achim Exner ein frisch Gezapftes zu genießen. © Nikolai Schmidt
Das Fokus-Festival im August erfüllte alle Corona-Auflagen erfolgreich.
Das Fokus-Festival im August erfüllte alle Corona-Auflagen erfolgreich. © Nikolai Schmidt
Ein Umzug eröffnete den Schlesischen Tippelmarkt, die erste Großveranstaltung in Sachsen nach dem Lockdown im Frühjahr
Ein Umzug eröffnete den Schlesischen Tippelmarkt, die erste Großveranstaltung in Sachsen nach dem Lockdown im Frühjahr © Nikolai Schmidt
Im Sommer kehrten die Touristen in Scharen nach Görlitz zurück. August und September, auch der Oktober liefen so gut wie noch nie.
Im Sommer kehrten die Touristen in Scharen nach Görlitz zurück. August und September, auch der Oktober liefen so gut wie noch nie. © Nikolai Schmidt
Das Löbauer Techno-Duo Kyau & Albert bei der Sitz-Diskothek im Görlitzer Kühlhaus.
Das Löbauer Techno-Duo Kyau & Albert bei der Sitz-Diskothek im Görlitzer Kühlhaus. © Nikolai Schmidt
Das Folklorum-Festival auf der Kulturinsel Einsiedel zog unter Corona-Bedingungen Hunderte Besucher an.
Das Folklorum-Festival auf der Kulturinsel Einsiedel zog unter Corona-Bedingungen Hunderte Besucher an. © André Schulze

Demo-Geschichten

Noch nie ist im Laufe eines Jahres so viel demonstriert worden: Die Bauern gegen die tiefen Preise, die Jugend gegen die Klimakaltschnäuzigkeit der Alten, dunkelhäutige Menschen gegen vermuteten oder tatsächlichen Alltagsrassismus, Corona-Verharmloser gegen die Pandemie. Demonstrieren lag bis in die letzten Tage dieses angestrengten Jahres voll im Trend.

Vielleicht sollten wir uns für das nächste Jahr einfach vornehmen, den Elan der Demonstrationen mitzunehmen und anzupacken: Wenn Viele helfen, wird Vieles besser. Das könnte doch ein schönes Motto für 2021 werden.

Junge Leute schlossen sich der Black Lives Matter-Bewegung an, die aus den USA über den großen Teich bis nach Görlitz schwappte, und demonstrierten auf dem Marienplatz.
Junge Leute schlossen sich der Black Lives Matter-Bewegung an, die aus den USA über den großen Teich bis nach Görlitz schwappte, und demonstrierten auf dem Marienplatz. © Nikolai Schmidt
Im Frühjahr waren es Mediziner, die in Görlitz die Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen anführten. Hier ein Foto von einer Demo auf dem Postplatz.
Im Frühjahr waren es Mediziner, die in Görlitz die Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen anführten. Hier ein Foto von einer Demo auf dem Postplatz. © Nikolai Schmidt
Corona machte große Demonstrationen der Umweltbewegung "Friday for future" lange Zeit zunichte. Als es wieder ging, marschierten die vorwiegend jungen Menschen auch wieder durch Görlitz. Sie hatten durchaus prominenten Zulauf, der Görlitzer Senckenberg-Chef Willi Xylander schloss sich einem Demonstrationszug ganz demonstrativ an.
Corona machte große Demonstrationen der Umweltbewegung "Friday for future" lange Zeit zunichte. Als es wieder ging, marschierten die vorwiegend jungen Menschen auch wieder durch Görlitz. Sie hatten durchaus prominenten Zulauf, der Görlitzer Senckenberg-Chef Willi Xylander schloss sich einem Demonstrationszug ganz demonstrativ an. © Nikolai Schmidt

Erfolgs-Geschichten

Ist es ein Jahr zum Vergessen? Das kommt immer auf die Perspektive an. Hoteliers, Gastronomen, Ladenbesitzer, Stadtführer - sie alle werden froh sein, dass 2020 endlich vorbei ist. Aber es gab auch Erfolgsgeschichten, viele Pläne konnten trotz Corona verwirklicht werden, manches Unternehmen profitierte sogar von dem neuen Coronavirus. Beispielsweise die Skan Deutschland GmbH in Görlitz, eine Tochter der Skan AG aus der Schweiz. Sie stellt Isolatoren her, in denen die Pharmaindustrie beispielsweise Medikamente produziert. Ihr Geschäft boomt derart, dass der Görlitzer Standort noch einmal ausgebaut wird.

Das Kodersdorfer Industriegebiet gilt schon seit Jahren als Aushängeschild für erfolgreiche Industrieansiedlungen im Landkreis Görlitz. In diesem Jahr kam auch ein Gütertransportzentrum dazu, wo künftig Güter vom Lkw auf die Schiene verladen werden. Damit die Lasterkolonnen nicht mehr so ärgern, und die Güter schneller von A nach B gelangen.

Das Klinikum in Görlitz konnte endlich sein neues Frauen-Mutter-Kind-Zentrum einweihen, das Werk 1 in Görlitz wurde fertiggestellt. Straßen wie die Görlitzer Bahnhofstraße oder über den Zinzendorfplatz in Niesky wurden saniert. Unternehmen erweitern sich, schaffen neue Jobs, auch in Sport- und Freizeiteinrichtungen wurde investiert. Ein verlorenes Jahr? Nein, es war auch ein Gutes.

Fast 30 Millionen Euro hat das neue Frauen-Mutter-Kind-Zentrum im Görlitzer Klinikum gekostet. Doch nun ist es das Modernste auf diesem Gebiet in Sachsen. Görlitz und die Region freuen sich.
Fast 30 Millionen Euro hat das neue Frauen-Mutter-Kind-Zentrum im Görlitzer Klinikum gekostet. Doch nun ist es das Modernste auf diesem Gebiet in Sachsen. Görlitz und die Region freuen sich. © Nikolai Schmidt
Erst eröffnete die Skan Deutschland GmbH, Hersteller von Isolatoren für die Pharmabranche, in Görlitz-Hagenwerder einen teuren Anbau, dann gab es auch noch den Spatenstich für eine Erweiterung. Die Belegschaft soll weiter wachsen. Jetzt sind hier knapp 200 Mitarbeiter tätig.
Erst eröffnete die Skan Deutschland GmbH, Hersteller von Isolatoren für die Pharmabranche, in Görlitz-Hagenwerder einen teuren Anbau, dann gab es auch noch den Spatenstich für eine Erweiterung. Die Belegschaft soll weiter wachsen. Jetzt sind hier knapp 200 Mitarbeiter tätig. © Nikolai Schmidt
Fertig ja, aber keine Einweihung. Die wurde auf die Nach-Corona-Zeit verschoben: Die frühere Görlitzer Synagoge ist als neues Kulturzentrum fertig gestellt worden.
Fertig ja, aber keine Einweihung. Die wurde auf die Nach-Corona-Zeit verschoben: Die frühere Görlitzer Synagoge ist als neues Kulturzentrum fertig gestellt worden. © Nikolai Schmidt
Mit jahrelanger Verzögerung und erheblichen Mehrkosten konnte im Herbst dann doch noch die Einweihung des neuen Jugend- und soziokulturellen Zentrums Werk 1 in Görlitz gefeiert werden.
Mit jahrelanger Verzögerung und erheblichen Mehrkosten konnte im Herbst dann doch noch die Einweihung des neuen Jugend- und soziokulturellen Zentrums Werk 1 in Görlitz gefeiert werden. © Nikolai Schmidt
Bei Sysmex an der Arndtstraße in Görlitz wurde Anfang des Jahres Richtfest gefeiert. Görlitz als Standort der Medizintechnik gewinnt an Profil. Partec, so hieß Sysmex früher, ist bekannt geworden durch Nachweisgeräte für die Immunschwächekrankheit Aids.
Bei Sysmex an der Arndtstraße in Görlitz wurde Anfang des Jahres Richtfest gefeiert. Görlitz als Standort der Medizintechnik gewinnt an Profil. Partec, so hieß Sysmex früher, ist bekannt geworden durch Nachweisgeräte für die Immunschwächekrankheit Aids. © Nikolai Schmidt
Nun hat auch Niesky sein Autobahnschild. Pfarrer Krystian Burczek, der sich sehr dafür einsetzte, und Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann präsentierten das Schild, mit dem Niesky auf seine Tradition als Zentrum des Holzbaus hinweist.
Nun hat auch Niesky sein Autobahnschild. Pfarrer Krystian Burczek, der sich sehr dafür einsetzte, und Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann präsentierten das Schild, mit dem Niesky auf seine Tradition als Zentrum des Holzbaus hinweist. © André Schulze
Endlich: Nieskys Jahnsportplatz hat einen neuen Kunstrasen. Ingenieur Stephan Lehmann vom Ingenieurbüro Lehmann macht schnell ein Foto vom Ausrollen.
Endlich: Nieskys Jahnsportplatz hat einen neuen Kunstrasen. Ingenieur Stephan Lehmann vom Ingenieurbüro Lehmann macht schnell ein Foto vom Ausrollen. © André Schulze
Steinmetz Dirk Bretschneider (links) rekonstruierte mit seinem Chef Sven schubert den Herkules im Kromlauer Park.
Gablenz' Bürgermeister Dietmar Noack und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer weihten die wiederaufgebaute Grotte neben der Rakotzbrücke ein.
Steinmetz Dirk Bretschneider (links) rekonstruierte mit seinem Chef Sven schubert den Herkules im Kromlauer Park. Gablenz' Bürgermeister Dietmar Noack und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer weihten die wiederaufgebaute Grotte neben der Rakotzbrücke ein. © André Schulze
Im Gewerbegebiet Kodersdorf errichtete die Lion Logistik einen Umschlagplatz für Container von LKW auf Schiene. Damit sollen auch die Bananen-Laster auf den Straßen vom polnischen Unternehmen Citronex bald Geschichte sein.
Im Gewerbegebiet Kodersdorf errichtete die Lion Logistik einen Umschlagplatz für Container von LKW auf Schiene. Damit sollen auch die Bananen-Laster auf den Straßen vom polnischen Unternehmen Citronex bald Geschichte sein. © André Schulze

Was kommen mag

War hier schon der Konflikt des Jahres zu spüren. Kaufhaus-Investor Winfried Stöcker diskutierte erregt mit dem Görlitzer OB Octavian Ursu bei dessen Neujahrsempfang Ende Januar. Stöckers Absicht, zwei Stadtvillen für ein größeres Parkhaus am Kaufhaus abzureißen, löste eine rege Debatte aus. Entschieden ist noch nichts.

Und auch das war 2020: Die Parteien formieren sich langsam für die Bundestagswahl 2020. Die AfD nominierte ihren Bundessprecher und Kreisvorsitzenden Tino Chrupalla als Direktkandidaten an der Neiße, die CDU ihren Kreisvorsitzenden Florian Oest. Am 26. September ist die Wahl, erst dann steht fest, wer künftig in Berlin regiert.

Die Themen bleiben uns also erhalten – wie so Vieles aus diesem verbrauchten Jahr.

Na dann, Prosit Neujahr. Kommen Sie gut ins neue Jahr 2021!

Florian Oest tritt für die CDU als Direktkandidat an der Neiße zur Bundestagswahl an. Er will das Direktmandat von AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla zurückgewinnen.
Florian Oest tritt für die CDU als Direktkandidat an der Neiße zur Bundestagswahl an. Er will das Direktmandat von AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla zurückgewinnen. © Nikolai Schmidt
Der Görlitzer OB Octavian Ursu im Gespräch mit dem Kaufhaus-Besitzer Winfried Stöcker.
Der Görlitzer OB Octavian Ursu im Gespräch mit dem Kaufhaus-Besitzer Winfried Stöcker. © Nikolai Schmidt

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