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Bistum Görlitz ist die berühme Ausnahme

Durch den Zuzug von Polen wächst die Zahl der Katholiken. Die Evangelische Kirche hat diesen Zustrom nicht. Dafür weiß man, warum die Christen austreten.

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt zählt dank des Zuzugs polnischer Katholiken mehr Christen in seinem Bistum.
Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt zählt dank des Zuzugs polnischer Katholiken mehr Christen in seinem Bistum. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Seit ein paar Jahren ist es das gleiche Spiel. Alle Bistümer in Deutschland beklagen rückläufige Mitgliederzahlen.

Alle? Nein, bis auf das kleinste Bistum, die Diözese Görlitz. Und so ist es auch in diesem Jahr. Zählte das Bistum 2019 ganz genau 29.621 Katholiken, so waren es ein Jahr später 29.790. Das ist nur ein kleiner Zugewinn, aber immerhin.

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Bistums-Sprecher Raphael Schmidt weist auf die Gründe hin: „Diese Steigerungen gehen vor allem auf die Zuzüge von Katholiken aus Polen zurück, die sich vor allem in den Grenzstädten Guben und Görlitz bemerkbar machen.“ Das Bistum reicht von Görlitz bis Eisenhüttenstadt.

Die Pfarrei Heiliger Wenzel in Görlitz ist die größte des Bistums, in der knapp die Hälfte der Gemeindemitglieder aus Polen stammen und nun im Gebiet der Pfarrei wohnen. Das Bistum sieht die polnischen Katholiken als Bereicherung, weil sie sich auch in der Gemeinde engagieren. Doch gibt es auch genügend alteingessene Kirchenmitglieder, die anderer Meinung sind.

Weniger Protestanten als Katholiken in Deutschland

Deutschlandweit ging die Zahl der Katholiken weiter zurück. Sie machen mit 22,2 Millionen noch einen Anteil von 26,7 Prozent an der Gesamtbevölkerung aus. Zur evangelischen Kirche zählen sich in Deutschland 20,2 Millionen Menschen. Auch hier hält der Rückgang an. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zählte Ende 2020 noch 890.645 Mitglieder, ein Jahr zuvor waren es 914.260. Insgesamt ist die Mitgliederzahl der EKBO im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent gegenüber 2019 gesunken.

Die Zahl der Taufen halbierte sich. Gründe dafür finden sich in der erschwerten Tauforganisation während des Lockdowns sowie in der demografischen Entwicklung in den neuen Bundesländern. So verlieren die Kirchen mehr Menschen durch Tod als sie durch Taufe neu aufnehmen.

Das zeigt sich auch im Kirchenkreis schlesische Oberlausitz, der von Görlitz bis Hoyerswerda reicht und den sächsischen Teil der Berliner Landeskirche bildet. Hier lebten Ende 2020 noch 31.586 Protestanten (2019: 32.514). Die Taufen gingen coronabedingt stark zurück, innerhalb eines Jahres von 168 auf 110.

Die Austritte haben ebenso leicht abgenommen. Erklärten 2019 noch 253 Protestanten in dem Kirchenkreis ihren Austritt auf den Standesämtern, waren es im vergangenen Jahr nur 211. Auch das kann mit den eingeschränkten Dienstzeiten der Standesämter während der Corona-Pandemie zusammenhängen.

Kirchensteuer ist Hauptgrund für Austritte

Nach einer Untersuchung in Württemberg und Westfalen ist der Hauptgrund für Austritte die Kirchensteuer. Weniger ins Gewicht fallen schlechte Erfahrungen mit Pfarrern oder Priestern oder politische Stellungnahmen der Kirchen wie zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik. Dagegen wird die Evangelische Kirche auch stark mit in Haftung genommen für den sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche.

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