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Wie es sich am Kalkwerkssee bei Görlitz campt

In Ludwigsdorf entwickelt sich der Stellplatz für Caravans. Noch ist er nur für autarke Mobile geeignet. Camper sind willkommen, allzu Neugierige aber nicht.

Manuela Hampel und Pierre Albrecht auf ihrem Stellplatz im Görlitzer Ortsteil Ludwigsdorf.
Manuela Hampel und Pierre Albrecht auf ihrem Stellplatz im Görlitzer Ortsteil Ludwigsdorf. © Martin Schneider

"Schade, dass die Zeitung erst am Mittag da ist, heute Morgen standen noch acht Fahrzeuge hier", erklärt Pierre Albrecht. Ihm gehört der Stellplatz am Kalkwerkssee in Ludwigsdorf bei Görlitz. Bis zum Mittag waren alle Camper abgefahren, neue Gäste noch nicht angereist.

Vor einem reichlichen Jahr starteten Pierre Albrecht und seine Lebensgefährtin Manuela Hampel ihr Lebenswerk - wie Albrecht es nennt. Auf einem insgesamt 13 Hektar großen Areal am ehemaligen Kalkwerk in Ludwigsdorf entsteht ein Campingplatz, der allein etwa 3,5 Hektar umfasst.

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Ein Platz für Schmetterlinge.
Ein Platz für Schmetterlinge. © Martin Schneider
Ein Ort zum Ausruhen.
Ein Ort zum Ausruhen. © Martin Schneider
Ein Platz für gefiederte Gäste.
Ein Platz für gefiederte Gäste. © Martin Schneider
An dieser Kräuterküche dürfen sich Gäste bedienen.
An dieser Kräuterküche dürfen sich Gäste bedienen. © Martin Schneider
Endlich zeigen sie sich: die Kalkwerkwichtel.
Endlich zeigen sie sich: die Kalkwerkwichtel. © Martin Schneider
Lieblingsplatz für Bienen und Insekten.
Lieblingsplatz für Bienen und Insekten. © Martin Schneider

Selbst die Kalkwerkwichtel sind neugierig

Der 39-Jährige schuf zunächst freie Flächen, indem er Wildwuchs entfernte und dem Stellplatz eine Struktur gab. Im Vergleich zum Vorjahr ist er kaum wiederzuerkennen. Der Platz wirkt wesentlich größer. Manuela Hampel verpasste ihm ein schönes Ambiente mit gestalteten Inseln. So gibt es eine Kräuterküche, an der sich Camper bei Bedarf bedienen können. Darüber hinaus schuf sie mit Blumen und zahlreichen Accessoires Plätze für Vögel, Schmetterlinge und Insekten. Sie errichtete Bänke zum Ausruhen und bepflanzte den Erdwall, den Pierre Albrecht am Stellplatzende aufschob, um eine Abgrenzung zu einem vermieteten Gebäude zu schaffen. Dort grünt und blüht es jetzt besonders intensiv.

Camper haben immer etwas zu entdecken. Darunter eine Ausstellung einer Künstlerin, die aus Keramik heimische Vögel schuf, die alle an einem Baum zu finden sind. Für echte Hingucker sorgen die Kalkwerkwichtel, "die sich nach jahrhundertelangem Schlaf aus dem Kalkwerk herauswagten", erzählt Pierre Albrecht mit einem schelmischen Lächeln.

Auf der gegenüberliegenden Wiese, wo sich im Vorjahr noch die Kamerun- und Barbados-Schafe wohlfühlten, sind weitere grüne Stellflächen entstanden, die Camper gern nutzen, "weil sie da morgens und abends Schatten haben", erklärt der Stellplatz-Chef. Die Schafe sind umgezogen und nun in einem anderen Gehege heimisch. Pierre Albrecht und Manuela Hampel nehmen mitunter Kinder von Campern zum Füttern der Tiere mit. "Das ist für sie jedes Mal ein Erlebnis", freut sich die Lebensgefährtin und berichtet, dass die Kinder immer wieder interessiert schauen, wer in die 16 neuen Nistkästen mit Marderschutz ein- und ausfliegt. Die Vogelbrutstätten baute sie aus Bausätzen zusammen, versah sie mit einem schützenden Anstrich und einer Dachpappe und hängte sie auf dem Areal auf.

Keiner weiß, was im Boden liegt und wo

Noch ist der künftige Campingplatz nur ein Stellplatz. Denn Strom, Trink- und Abwasser liegen noch nicht an. Camper, die hier nächtigen, müssen autark sein, also Wasser selbst mitbringen und das Abwasser an einem dafür vorgesehen Ort, zum Beispiel im Klärwerk Görlitz, entsorgen. Noch läuft das Genehmigungsverfahren, aber Pierre Albrecht hofft, in diesem Jahr mit der Erschließung für die Medien loslegen zu können.

Alle Leitungen dafür müssen neu erschlossen werden. "Etwa 400 Jahre lang wurde hier Kalk abgebaut, letztlich weiß keiner, was wirklich wo im Boden liegt", erklärt Albrecht.

Die Grafik aus dem Vorjahr zeigt, wo der künftige Campingplatz am Kalkwerkssee zu finden ist.
Die Grafik aus dem Vorjahr zeigt, wo der künftige Campingplatz am Kalkwerkssee zu finden ist. © SZ Grafik

Camper aus mehreren Ländern bleiben immer länger

Obwohl die Medien noch fehlen, erfreut sich der Stellplatz guter Nachfrage, nicht nur, weil er schon im Vorjahr in einigen Reiseführern zu finden war. Manuela Hampel berichtet, dass zu Pfingsten 43 Camper mit ihren Mobilen auf dem Platz waren. Sie kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Finnland, den Niederlanden, aus der Ukraine und Estland zum Beispiel. "Viele bleiben nur eine Nacht und reisen dann weiter, aber es kommt immer häufiger vor, dass Camper länger bleiben, weil ihnen ein Tag zur Erkundung der Gegend nicht ausreicht", erläutert Albrecht. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich das Rad fahren, häufig mit E-Bike. "Mittlerweile stellen wir fest, dass Camper, die gen Osten reisen, auf dem Rückweg erneut hier Station machen."

Künftig sollen Camper den Strom aus der eigenen Erzeugung auf dem Kalkwerksareal beziehen können. Pierre Albrecht stellte bereits einige Solarmodule zur Stromerzeugung auf, den er selbst unter anderem mit seinem E-Auto, den vermieteten Hallen, elektrischen Geräten und der Schrauberwerkstatt verbraucht. Eine weitere, größere Anlage ist geplant, die künftig den Strom für Camper und später auch für die noch zu errichtenden sanitären Anlagen liefern soll.

Tag der offenen Tür für Neugierige

Über den Fortschritt auf dem Campingplatz wollen Manuela Hampel und Pierre Albrecht an einem Tag der offenen Tür informieren. Ein Termin steht aber noch nicht fest. Was beide aber nicht wollen, ist, dass Menschen außer den Campern, das ganze Areal befahren. Für das Gelände gibt es ein komplettes Befahrungsverbot. "Immer wieder stelle ich fest, dass auf dem Gelände illegal Müll abgeladen wird", berichtet er. Das sei ein Frevel an der Umwelt. Den Müll muss er auf eigene Kosten entsorgen.

Unbefugte haben keinen Zutritt zu dem Areal, auch keine Spaziergänger, die ihren Hund ausführen. "Es war ein Fabrikgelände. Aus Sicherheitsgründen kann ich keinen Zutritt gewähren, außer den Campern für den Stellplatz", begründet Pierre Albrecht seine Vorsichtsmaßnahme. Er möchte nicht, dass herumstreunenden Neugierigen etwas passiert. Und er möchte schon gar keinen neuen Müll auf dem Gelände. Davon hat er nämlich bislang schon zig volle Lkw-Ladungen entsorgt.

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