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Zugeschneit: Chaos auf den Dorfstraßen

Der Winterdienst hatte es teils schwer – und ein kleiner Ort bei Reichenbach war völlig von der Außenwelt abgeschnitten.

Der Flockdown machte auch vor dem Oberlausitzer Weg in Reichenbach nicht Halt.
Der Flockdown machte auch vor dem Oberlausitzer Weg in Reichenbach nicht Halt. © privat/Andreas Dinger

Der kleine Reichenbacher Ortsteil Löbensmüh war am Sonntag von der Welt abgeschnitten. Und auch am Montag sah es nicht besser aus. „Alles komplett dicht“, ärgert sich Ortschaftsrat Gerd Eichler am Telefon. 34 Einwohner leben in dem idyllisch und etwas abseits gelegenen Ort, darunter auch junge Familien mit Kindern. „Niemand kommt mehr rein oder raus“, sagt der Löbensmüher Montagmittag. Fahrzeuge, die versuchten, über den Abzweig an der Kreisstraße Königshain in den Ort zu kommen, seien stecken geblieben, berichtet der Ortschaftsrat.

„Der Winterdienst von Reichenbach sollte sich mal gescheite Technik anschaffen“, sagt er. Einwohner versuchten, nach Angaben von Gerd Eichler, sich selbst zu helfen. Ein Löbensmüher sei mit Allradantrieb bis ins nächste Dorf dann durchgekommen. „Wir haben hier auch Einwohner, die unter anderem im Pflegeheim und beim Umweltdienst arbeiten“, sagt er. Die hätten nun ein Problem, pünktlich auf Arbeit zu kommen. Bereits vor einigen Jahren gab es in Löbensmüh eine ähnliche Situation. Damals an einem Wochenende, wie sich der Ortschaftsrat erinnert. Da sei die Lage jedoch nicht ganz so dramatisch gewesen, weil niemand auf Arbeit musste.

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Auch in Reichenbach selbst herrschte an einigen Stellen zeitweise Schneeverwehungs-Chaos. Andreas Dinger, vom Oberlausitzer Weg, kam ebenso wie andere Anwohner nicht mehr aus seinem Grundstück raus. „Wir hatten die Situation schon einmal 2018“, erinnert er sich. Damals sei vonseiten der Stadt die Rede von Schneefangzäunen gewesen. Vor der Anwohnerstraße befindet sich freies Feld. Passiert ist aber nichts. Schneefangzäune wurden nicht aufgestellt. Auf der Straße wohnen auch ältere Menschen.

Auch Pflegedienste im Umland betroffen

„Wenn da der Notdienst kommen müsste, käme der gar nicht mit dem Fahrzeug ran“, sagt Andreas Dinger. Der Pflegedienst Montagfrüh musste laufen, beobachtete Andreas Dinger – mit dem Auto habe es keine Chance gegeben. Wobei der Winterdienst auch gefahren sei – selbst tief in der Nacht. „Unsere Einfahrt wurde zugeschoben“, ist der Anwohner wenig erfreut. Auf lange Sicht gesehen sei vielleicht eine Randbepflanzung am Feld entlang eine Lösung, überlegt er. Die könnte zumindest einen Teil der Verwehungen abfangen.

Schnee, so weit das Auge reicht
Schnee, so weit das Auge reicht © privat/Andreas Dinger

Dicht war auch die Straße vom Klärwerk nach Oehlisch und damit nicht mehr befahrbar. Ebenso war die Kreisstraße zwischen Sohland und Oberbischdorf gesperrt.

Dass die Pflegedienste im Umland teils zu rudern hatten, um an ihre Patienten zu kommen, bestätigt Doreen Kloß von der Diakonie Sozialstation Reichenbach. Vor allem der Sonntagabend und der Montagfrüh gestalteten sich schwierig. Deutsch-Paulsdorf, die Strecke Richtung Dittmannsdorf und Döbschütz sorgten die Verwehungen dafür, dass Mitarbeiter in einigen Fällen streckenweise nur noch zu Fuß durchkamen. Ein Fahrzeug blieb stecken, die Pflegerin konnte später das Auto selbst aus dem Schnee befreien. Das Wichtigste jedoch klappte: Die Versorgung der Patienten.

Schneewehen waren zum Teil meterhoch

„Es meldeten sich Gott sei Dank auch Angehörige bei uns, dass wir am Abend nicht rausfahren mussten und die uns so entlasteten“, sagt Doreen Kloß. Diese Erfahrung machte auch das Reichenbacher Pflegeteam. „Eins unserer Fahrzeuge mussten wir rausziehen“, sagt Susan Kothe. Die Geschäftsführerin des Pflegedienstes erzählt, dass vor allem in Königshain, Mengelsdorf und Sohland teils schweres Vorwärtskommen war. Viele ihrer Mitarbeiter mussten zu Fuß zu den Patienten – und waren nach ihrem Dienst entsprechend erschöpft. Doch die Versorgung funktionierte auch hier.

In Jauernick-Buschbach gestaltete sich die Lage etwas schwierig, schätzt Markersdorfs Bürgermeister Thomas Knack ein. Der Winterdienst laufe – aber ebenso schnell wehte es wieder zu. Anwohner von Nebenstraßen mussten sich gedulden, bis der Räumdienst die Straßen frei machte. Meterhohe Schneewehen gab es zum Beispiel auf der Verbindungsstraße zwischen Friedersdorf und Jauernick und Jauernick Richtung Pfaffendorf. In Gersdorf war die Feldstraße zwischenzeitlich nicht befahrbar. Unermüdlich sei der Winterdienst unterwegs: In Markersdorf machen das der Bauhof und zwei zusätzliche Unternehmen. Eine Besonderheit gibt es: „Wir haben mit den Agrarbetrieben eine Vereinbarung für den Notfall, dass die uns unterstützen“, sagt Thomas Knack.

Meterhoch liegt der Schnee, mit gelblichem Saharasand darin.
Meterhoch liegt der Schnee, mit gelblichem Saharasand darin. © privat/Andreas Dinger

Seit 3.30 Uhr ist der Räumdienst in Kodersdorf im Einsatz. „Überall gleichzeitig kann der Winterdienst natürlich nicht sein“, sagt Bürgermeister René Schöne. Telefonische Beschwerden landeten bis Montagmittag keine im Gemeindeamt.

Landkreis hat 100 Tonnen Salz eingelagert

Nach Kreisangaben sind seit dem Wochenende alle vier Straßenmeistereien des Landkreises mit 20 eigenen und 13 Fremdfahrzeugen sowie Radlader und Traktoren – Weiswasser, Niesky, Lawalde und Zittau - im Einsatz, um die Bundes-, Staats- und Kreisstraßen frei zu halten. Ebenso gibt es einen Winterdienststützpunkt in Reichenbach. „Der befindet sich an der alten B6 in der Nähe des Freibades“, erklärt Kreissprecherin Julia Bjar auf SZ-Nachfrage. Dort lagert der Landkreis 100 Tonnen Salz in einem Silo ein. Vom Stützpunkt aus können sich die Straßenmeistereien bedienen.

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