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Corona-Ausbruch bei "Torstraße 1"?

Es gab mehrere Corona-Fälle bei den Dreharbeiten in Görlitz. Vor allem bei geimpften Personen. Was es damit auf sich hat.

Komparsen warten auf ihren Einsatz vorm Kaufhaus am Demianiplatz für die Dreharbeiten der Serie "Torstraße 1".
Komparsen warten auf ihren Einsatz vorm Kaufhaus am Demianiplatz für die Dreharbeiten der Serie "Torstraße 1". © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Derzeit ist das Team von "Torstraße 1" nicht in der Stadt. Zweiwöchige Görlitz-Pause. Kurz vor Abreise, so eine anonyme Mitteilung an die SZ, habe es zahlreiche Corona-Fälle innerhalb des Drehteams gegeben. Was daran stimmt und was nicht.

Wie Julia Bjar, Sprecherin des Landkreises Görlitz mitteilt, fanden am Film-Set regelmäßige Testungen statt. Für Filmproduktionen, die während der Coronakrise vor besonderen Herausforderungen stehen, gibt es eine spezifische Handlungshilfe, auch die Produktionsfirma X-Filme hat ein eigenes Hygienekonzept: "Dabei werden mehrmals wöchentlich PCR-Testungen und täglich Antigentestungen durchgeführt", erklärt Julia Bjar.

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Kürzlich Geimpfte betroffen

Und bei den PCR-Testungen gab es positive Ergebnisse - vor allem bei vor Kurzem vollständig geimpften Personen, erklärt Julia Bjar. Grund zur Sorge, dass die Impfung doch nicht wirkt, wie manchmal behauptet? Nein, erklärt der Kreis. Und verweist auf Untersuchungen des RKI.

Demnach liegt die Immunität nach einer Impfung oder einer Infektion in unterschiedlichen Ausprägungen und Dauer vor. Durch die Zulassungsstudien ist gut ermittelt, dass die Impfung eine sehr hohe Effektivität hat bei der sogenannten funktionalen Immunität - also dem Schutz vor einer ernsthaften Erkrankung.

Immunität von vielen Faktoren abhängig

Weniger ausführlich untersucht ist bislang die sogenannte sterile Immunität - ob man sich als Geimpfter infizieren kann, dann aber ohne oder mit leichten Symptomen bleibt. Letztlich, erklärt das RKI, sei die Immunität von verschiedenen Faktoren abhängig, etwa dem individuellen Immunstatus, dem Impfstoff, dem Alter des Geimpften und der Zeit, die seit der Impfung vergangen ist.

Deshalb, erklärt die Görlitzer Infektionsepidemiologin Claudia Friedrichs, geht man auch erst zwei Wochen nach der Zweitimpfung von einem vollen Impfschutz aus. Am höchsten ist die Immunität laut RKI rund zwei Monate nach der Impfung. "Eine Impfung, das ist auch bei anderen Infektionskrankheiten so, ist kein hundertprozentiger Schutz, ein Restrisiko bleibt", hatte Claudia Friedrichs kürzlich im SZ-Interview erklärt. Daher komme es in seltenen Fällen zu Impfdurchbrüchen. "Aber was wir nach 1,5 Jahren Pandemie gelernt haben, schwere oder sogar tödliche Verläufe sind nahezu ausgeschlossen", fasst sie zusammen.

"Schwere Verläufe sind nahezu ausgeschlossen"

Der Landkreis Görlitz vermutet, dass es zu den Infektionen kommen konnte, weil die Betroffenen erst vor Kurzem geimpft wurden. "Zu keiner Zeit waren Komparsen oder Schauspieler symptomatisch am Set", erklärt Julia Bjar. "Die Antigenschnelltests der betroffenen Personen waren ebenfalls negativ."

Die Positiv-Ergebnisse brachten die obligatorischen PCR-Tests, warum die Schnelltests negative Ergebnisse zeigten? Einordnen möchte der Landkreis das nicht, "das steht uns nicht zu", sagt Julia Bjar. Festlegen möchte sich auch Claudia Friedrichs nicht. Die wöchentlichen PCR-Tests des Filmteams wurden auch nicht am Medizinischen Labor Ostsachsen, das sie leitet, ausgewertet, sondern offenbar an einer anderen Stelle.

Drehteam kehrt bald zurück

Möglich wäre, dass die Virenlast bei den Betroffenen zu niedrig war, um von dem Schnelltest erkannt zu werden. Genauso stehe aber auch die Frage, wie zum Beispiel die Lagerbedingungen der Tests waren. "Sie sollten bei Raumtemperatur gelagert werden", erklärt sie, und nicht Kälte oder Hitze ausgeliefert sein. Viel Einfluss bei den Schnelltests hat auch, ob sie richtig angewendet werden, also der Abstrich korrekt durchgeführt wird. "Das kann sehr viele Erklärungen haben."

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Die Betroffenen wurden in Quarantäne geschickt, konnten diese aber nach wenigen Tagen bereits wiederverlassen, erklärt Julia Bjar. Bald kommen die Schauspieler und das Drehteam zurück nach Görlitz - für den zweiten Teil der ersten Staffel von "Torstraße 1". Dann wird Umut Dağ Regie führen und Sherry Hormann ablösen, die für die ersten sechs Folgen verantwortlich zeichnete.

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