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Corona: Entspannung im Kreis Görlitz - aber nicht überall

In Görlitz sorgen offenbar Zählfehler für plötzliche Inzidenzsprünge, in Polen besorgen das feiernde Skifahrer, in Tschechien die Mutationen.

In Zakopane gingen am Wochenende zahlreiche Touristen auf dem Krupowki, einer Einkaufsstraße, spazieren.
In Zakopane gingen am Wochenende zahlreiche Touristen auf dem Krupowki, einer Einkaufsstraße, spazieren. © Grzegorz Momot/PAP/dpa

Noch am Mittwoch herrschte in Görlitz Erleichterung beim Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz in der Stadt. Sie lag laut dem Freistaat, der die Wocheninzidenz einzelner Kommunen in den Kreisen auswertet, bei 29. Einen Tag später, am Donnerstag, ist alles anders: Die Inzidenz in der Stadt Görlitz ist auf 101,8 geschnellt. Ganz ähnlich die Lage bei der Stadt Weißwasser: Hier stieg die Inzidenz angeblich binnen 24 Stunden von 13 auf 81,8.

Besonders verwunderlich ist der Sprung, weil die Neuinfektionszahlen der vergangenen sieben Tage nicht dazu passen: Am Mittwoch gab der Freistaat 18 Neuinfektionen innerhalb der vergangenen 24 Stunden in Görlitz an. Einen Tag später sind es 57. Allerdings sind im gesamten Kreis Görlitz in diesem Zeitraum nur 40 Neuinfektionen laut Gesundheitsamt des Kreises hinzugekommen.

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Wie das Sozialministerium in Dresden erklärt, gibt es drei Faktoren, die zu solchen Abweichungen führen können: "Die gemeindescharfen Zahlen werden händisch erhoben, dadurch kann es zu Eingabefehlern kommen", erklärt das Sozialministerium. Veränderungen können sich auch durch die Plausibilitätsprüfungen durch das RKI ergeben, "und es gibt unterschiedliche Meldezeitpunkte von Zahlen."

Todeszahl erneut gestiegen

In diesem Fall spricht einiges für Faktor eins. Denn insgesamt ist der Kreis Görlitz auch am Donnerstag weiter auf dem Weg zur Entspannung der Lage: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell laut Gesundheitsamt des Kreises bei 76,7. Beim RKI, dessen Zahlen für Lockerungen oder Verschärfung der Schutzmaßnahmen ausschlaggebend sind, lag die Inzidenz für den Kreis am Donnerstagmittag bei 62,5.

Es wurden 30 Neuinfektionen zum Vortag festgestellt, betroffen sind ausschließlich Erwachsene. Allerdings, die Todeszahl ist erneut gestiegen: Vier weitere Menschen sind verstorben. Es handelt sich um drei Frauen und einen Mann im Alter von 57 bis 95 Jahren aus Ebersbach-Neugersdorf, Görlitz, Olbersdorf und Seifhennersdorf. Die Zahl der Verstorbenen in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion im Landkreis Görlitz stieg damit auf 908.

93 Menschen werden momentan stationär in den Kliniken des Landkreises behandelt. 15 von ihnen benötigen eine intensivmedizinische Pflege, vier werden beatmet. Darüber informiert das bundesweite Intensivregister divi am Donnerstagmittag.

Britische Mutation breitet sich aus

Die Sorge, dass sich die Entwicklung bei den Neuinfektionen wieder ändern könnte, ist trotz der Entspannung derzeit groß. Deutschlandweit sind inzwischen über 20 Prozent der Neuinfektionen auf die britische Corona-Mutation zurückzuführen. Wie etwa der Spiegel berichtet, waren es vor zwei Wochen noch sechs Prozent.

Noch deutlich stärker hat sich die britische Variante in Tschechien ausgebreitet. Hier lag zum Beispiel in der Region Trutnov bereits vor einer Woche der Anteil der britischen Variante bei 60 Prozent der sequenzierten Proben. Die tschechische Regierung hatte daher Anfang der Woche einen neuen, zweiwöchigen Notstand in Tschechien verhängt. „Die Situation ist nicht gut", sagte Ministerpräsident Andrej Babiš auch mit Blick auf die Virusvarianten, "eine sehr ansteckende britische Corona-Mutante breitet sich im ganzen Land aus.“

Insgesamt haben sich in Tschechien seit Beginn der Pandemie von knapp 11 Millionen Einwohnern über 1,1 Millionen mit dem Coronavirus infiziert, fast 18.600 starben in Zusammenhang mit den Coronavirus. Am Mittwoch verzeichnete die WHO 12.668 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden, am Dienstag 8.794.

Wie hoch der Anteil der positiven Tests in Tschechien ist, zeigt sich beispielsweise auf der Facebookseite der Sluknover Praxis des Internisten Vratislav Prejzek. Er bietet im tschechischen Sluknov Schnell- und PCR-Tests etwa für Berufspendler an.

So waren am Mittwoch von 58 PCR-Abstrichen 17 positiv. Von 117 Antigentests zeigten 21 ein positives Ergebnis. Am Dienstag waren von 63 PCR-Tests 20 positiv, von 116 Schnelltests 21.

Zahlen in Polen stagnieren

In Polen dagegen stagnieren die Zahlen derzeit nach einer rückläufigen Bewegung seit Anfang des Jahres. Aufgrund der Entspannung hatte das Land für eine Testphase Hotels und Skigebiete geöffnet. Was etwa in Zakopane zu Party-Exzessen führte, die international Schlagzeilen machten. Ob ein Zusammenhang besteht, lässt sich schwer einschätzen, aber am Mittwoch fiel die Zahl der Neuinfektionen in Polen tatsächlich auffällig hoch aus im Vergleich zur Vorwoche: 8.700.

"Leider beobachten wir, dass sich der Trend zu steigenden Infektionszahlen bestätigt", sagte ein Ministeriumssprecher laut Agentur PAP. Gesundheitsminister Adam Niedzielski hatte das Verhalten der Feiernden als verantwortungslos bezeichnet: "Solch ein Verhalten wie in Zakopane kann dazu führen, dass wir die Einschränkungen verschärfen müssen." Insgesamt haben sich in Polen seit Beginn der Pandemie über 1,6 Millionen Menschen infiziert, 41.308 starben.

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