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Abi in Coronazeiten: "Ich halte uns nicht für dümmer"

Lara Rahn ist Abiturientin in Görlitz. Den Stempel als "Corona-Jahrgang" hält sie für ungerecht.

Abiturientin Lara Rahn vor dem Augustum-Annen-Gymnasium in Görlitz.
Abiturientin Lara Rahn vor dem Augustum-Annen-Gymnasium in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Für über 1.560 Schüler der Gymnasien und Berufsgymnasien in den Landkreisen Görlitz und Bautzen stehen die Abiturprüfungen an. Nach einem Jahr, das geprägt war von der Corona-Pandemie, die an den Schulen großen Einfluss hatte: Homeschooling, Wechselunterricht, Krankheitsfälle. Eine der Abiturientinnen ist Lara Rahn. Die Görlitzerin besucht das Augustum-Annen-Gymnasium.

Mittwoch geht es los, mit der schriftlichen Bioprüfung. Am Freitag geht es weiter mit Deutsch, in der darauffolgenden Woche ist Matheprüfung. Und im Mai kommen die mündlichen Prüfungen. Lara Rahn fühlt sich ganz gut vorbereitet. "Wir sind soweit mit dem Stoff durchgekommen trotz Corona und Homeschooling", sagt sie. "Das einzige ist, dass man sich eben viel selbst erarbeiten muss. Gerade in Mathe ist das für mich schwierig gewesen." Sie wirkt noch recht entspannt. "Ich denke schon, dass manche Mitschüler mehr Angst haben, aber in meinem Bekanntenkreis gehen die meisten eher so ran wie ich."

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"Wir hatten die gleiche Arbeit, den gleichen Schulstoff"

Auch vor einem Jahr fand das Abi in Sachsen unter Pandemie-Bedingungen statt. Dass das auch für sie gelten würde, hätte Lara Rahn zu der Zeit nicht gedacht. "Wir dachten damals: die Armen." Nun ist die Lage für die jetzigen Abiturienten vielleicht sogar noch unglücklicher. Als voriges Jahr der erste Lockdown und zum ersten Mal Schulschließungen anstanden, war der meiste Prüfungsstoff schon geschafft. Hinter dem jetzigen Abi-Jahrgang liegt ein Jahr Lernen in der Krisenzeit. Das brachte bundesweit die Frage auf, ob die Abiprüfungen überhaupt stattfinden sollten, und in welcher Form. Es brachte auch die Sorge vieler Schüler auf, als "Corona-Jahrgang" abgestempelt zu werden. Zukunftsängste.

"Das ist ein Thema", sagt Lara Rahn. "Ich fände es ungerecht, würden wir diesen Stempel tatsächlich bekommen. Wir hatten die gleiche Arbeit wie die Jahrgänge vor uns. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, weil wir uns viel selber erarbeiten mussten. Wir haben das gleiche Pensum an Stoff. Wir haben die gleiche Aufregung. Ich halte uns nicht für dümmer." In manchen Dingen könnte dieser Jahrgang sogar besser sein. Keiner zuvor dürfte so gut Online-Tools wie Videoplattformen beherrschen. "Ich denke auf jeden Fall, dass wir da echt reingewachsen sind. Am Anfang gab es viele Komplikationen und Verwirrungen, die jetzt, zumindest bei uns, nicht mehr da sind." Vor allem sieht sie als Pluspunkt die Selbstorganisation.

Das Jahr zusammengefasst: anstrengend

"Die musste man echt haben, um das Pensum zu schaffen", erzählt sie. "Ich denke schon, dass wir in der Hinsicht viel gelernt haben, was zum Beispiel einen Studienbeginn leichter macht." Aber es sei nicht leicht gewesen, dahin zu kommen. "Am Anfang war es mit der Disziplin schwer für mich, obwohl ich mich eigentlich für einen organisierten Menschen halte." Lara Rahn teilte sich die Arbeit mit Aufgabenlisten ein: alles aufschreiben und abkreuzen. "Es ist auch mal was durch die Lappen gegangen, aber im Großen bin ich so ganz gut zurechtgekommen. Aber es war anstrengend."

Anstrengend, so fasst sie das zurückliegende Jahr zusammen. "Man war die ganze Zeit zu Hause, hat seine Leute kaum gesehen. Allein das Fertigmachen für die Schule, das fehlte", erzählt sie. "Voriges Jahr habe ich mich wirklich ganz strikt an die Regeln gehalten. Ich halte mich auch jetzt noch an die Regeln, aber langsam fällt einem doch die Decke auf den Kopf." Nein, illegale Partys habe sie nicht mitgefeiert. "Ich bin nicht so der Party-Typ. Aber ja, zuletzt bin ich das eine oder andere Mal mit zu Freunden nach Hause gegangen."

Das letzte Jahr in Görlitz

Am meisten haben ihr die Hobbys gefehlt. Normalerweise reitet Lara Rahn und trainiert bei der Tanzschule Matzke Paartanz. "Das tut mir richtig leid, dass dort jetzt nichts geht. Es war ja für mich das letzte Jahr in Görlitz." Wenn alles klappt wie geplant, dann möchte die 18-Jährige ab Herbst Grundschullehramt in Dresden studieren. Ob vorher noch ein Abiball ansteht - das steht derzeit auf der Kippe.

Die meiste Zeit daheim hat sie viel mit ihrem Bruder verbracht. Für Lara Rahn bedeutete das zurückliegenede Jahr auch in der Familie mehr Verantwortung. Ihre Eltern arbeiten beide im medizinischen Bereich, teils in Schichten.

"Mein Bruder ist in der fünften Klasse." Homeschooling habe für ihn nicht so gut funktioniert. "Einiges sollten sie sich auch selbst beibringen. Manches hat er dann nicht verstanden, wie auch in der vierten, dann fünften Klasse?" Dann war die große Schwester gefragt, mit ihm zu lernen. Oder mit ihm zu spielen. "Bei ihm habe ich mehr als bei mir selbst gemerkt, dass die Kontakte fehlen, wenn er unausgelastet ist. Das staut sich alles an. Zum Glück kann er jetzt wieder Fußball spielen." Und zum Glück gibt es einen Hund, mit dem sie rausgehen konnten - und mussten. "Dann hatte ich noch mein Zeug zu erledigen. Letztlich war es doch stressiger, als in die Schule zu gehen."

In die Schule werden Lara Rahn und ihre Mitschüler auch nochmal gehen, wenn sie sie eigentlich schon beendet haben. "Wir hatten in den vergangenen Wochen ausschließlich Unterricht in unseren Prüfungsfächern", erklärt sie. Andere Kurse und Noten sind noch nachzuholen. Die Bewerbungsfristen an der TU Dresden sind deshalb verlängert. Wenn die diesjährigen Abiturienten ihre Prüfungen abgelegt haben, gehen sie im Juni nochmal für einen Monat in die Schule.

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