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Corona: So unsicher sind die Görlitzer Ladenbesitzer

Wer darf öffnen? Was darf verkauft werden? Der Streit um die Baumarkt-Gartencenter ist zwar beigelegt. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Bei Katrin Wunder und dem Zookauf Zwahr liegt der Fall eigentlich kar: Sie dürfen öffnen. Das Telefon steht trotzdem kaum still.
Bei Katrin Wunder und dem Zookauf Zwahr liegt der Fall eigentlich kar: Sie dürfen öffnen. Das Telefon steht trotzdem kaum still. © Martin Schneider

Ein großes Schild hängt im Schaufenster des Zookaufs Zwahr in Görlitz: "Wir haben geöffnet", steht drauf. "Wir selber haben die Unsicherheit eigentlich nicht", erzählt Geschäftsführer Roland Hegenbart. Bei Zwahr gibt es Tier- und Pflanzenbedarf - ein Sortiment des täglichen Bedarfs, mit dem das Geschäft mit Hygienemaßnahmen normal öffnen darf. Aber bei den Kunden sei die Unsicherheit mitunter groß. Oft bekommt Roland Hegenbarth Anrufe: Kann man zu den normalen Öffnungszeiten hinkommen, oder gilt Click & Collect? Test? Die Baumarkt-Debatte habe die Unsicherheit auch nicht gerade schrumpfen lassen. Deshalb das Schild im Schaufenster.

Trotzdem viel Unsicherheit

Nach einer Woche Unklarheit gibt es seit Dienstag wenigstens für die Baumarkt-Gartencenter Klarheit: Sie dürfen offen bleiben. Für die Baumärkte selbst gilt weiterhin, dass sie ab einer Inzidenz von 150 zu schließen sind, Click & Collect ist möglich.

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Liane Schumann ist froh über die Entscheidung. Sie gibt ihr etwas mehr Sicherheit. Auch sie bietet Pflanzen an, aber nicht ausschließlich. Sie führt das Geschäft Thomas Philipps an der Rauschwalder Straße - mit gemischtem Sortiment. Auch bei ihr rufen viele Kunden an: Es ist normal geöffnet.

Oder fast. "Eigentlich dürfte ich 80 Kunden hereinlassen", das hat sie von sich aus reduziert auf 40 Kunden, "zur Sicherheit für uns alle". Abgedeckte oder leergeräumte Regale findet man bei ihr dagegen nicht. "Über die Hälfte unseres Sortiments sind Waren des täglichen Bedarfs", erklärt sie. Tiernahrung, Kosmetik, Chemikalien wie Reinigungsmittel, Lebensmittel, Pflanzen. "Wie ich es verstehe, dürfen wir deshalb auch die anderen Sortimente mit verkaufen und müssen sie nicht abdecken oder wegräumen", erklärt sie. So bietet sie zum Beispiel auch Haushaltswaren, Elektrogeräte wie Wasserkocher, Werkzeug oder Dekorationen an.

Kunden dankbar

"Aber die Unsicherheit ist wirklich groß." Man frage sich bei den vielen Veränderungen immer: Ist das jetzt richtig, erzählt sie über ihre täglichen Bedenken. Wenn ein Mischbetrieb zum größeren Teil Waren des täglichen Bedarfs anbietet, darf er auch alle anderen Produkte verkaufen - darauf hatte man sich in Sachsen im Dezember verständigt. Hintergrund war die Frage, ob Supermärkte andere Waren entfernen oder absperren müssen. Diese Regelung gilt auch aktuell, bestätigt Julia Bjar, Sprecherin des Landkreises Görlitz. Wichtig sei dabei, dass sich die 50 Prozent auf die Verkaufsfläche beziehen, nicht den Umsatz, Artikelzahl oder anderes.

"Die Kunden sind auch dankbar", sagt Liane Schumann. Woher bekommt man eine Klobrille, wenn die alte kaputt gegangen ist, "oder mal eine Schraube. Gerade jetzt, wo die Baumärkte wieder zu sind? Manchmal im Supermarkt oder online, viele Möglichkeiten bleiben da nicht."

Wann wird aus der Nutzung von Schlupflöchern Tricksen?

Wieder andere haben versucht, Regelungen zu umgehen. Debatten gab es voriges Jahr etwa um Douglas: Die Parfümerie hatte ein knappes Viertel ihrer Filialen offen gehalten, mit der Begründung, dass man auch einen Großteil des klassischen Drogeriesortimentes anbiete. Vor einigen Wochen machte ein Modehaus in Baden-Württemberg von sich reden, das plötzlich Artikel wie Desinfektionsmittel, Klopapier und Nudeln anbot - und die Bekleidung als Nebenprodukt.

Zulässig ist das mit dem Infektionsschutzgesetz nicht. Es gilt Artikel 28b, erklärt Julia Bjar: Jedes Geschäft bleibt auf sein übliches Sortiment beschränkt, erklärt sie. "Ein Geschäft, das unter die Schließung fällt, kann die Regelung nicht dadurch umgehen, dass es Waren in das Sortiment aufnimmt, die unter die Öffnungsprivilegierung fallen."

In Görlitz hat seit Kurzem die "Mayerei" auf der Jakobstraße ganz normal geöffnet. "Wir haben geöffnet - systemrelevant" heißt es auf einer Tafel. Denn: Das Geschäft bietet auch Wein an. "100 qm Bekleidung, 110 qm Weinkeller", ein Test sei nicht nötig. Klopapier gibt es auch. Auf seiner Internetseite heißt es: "Ab sofort könnt Ihr wieder wie gewohnt bei uns einkaufen. Wir haben unser Sortiment erweitert und verkaufen nun unter anderem auch die Weine des ,buckligen Weinknechts' Axel Krüger."

Der geht davon aus, dass das in dem Fall seine Richtigkeit hat. Den Wein, regionalen Honig, Säfte, Bier habe das Geschäft auch früher schon im Sortiment gehabt. In die Nesseln wolle er sich nicht setzen, er nehme aber an, dass das Geschäft eine dementsprechende Gewerbeanmeldung besitzt.

Es habe seine Richtigkeit, heißt es im Geschäft. Man habe sich vorher genau erkundigt, sogar mit einem Rechtsanwalt beraten. Auch früher schon seien bestimmte Lebensmittel mit im Verkauf gewesen. Auch den Weinkeller gebe es immer schon. Mit 120 Quadratmetern ist er die größere Verkaufsfläche. Falls jemand annehme, das Geschäft mache den großen Reibach - dem sei nicht so. Es sei wenig los, "die Stadt ist ja wirklich wie leer."

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