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Corona öffnet Herzen der Görlitzer - und ihre Geldbörsen

Die Corona-Krise löst eine Spendenbereitschaft aus, die vielen vom Lockdown Betroffenen half. Am meisten bekam der Tierpark.

Diana David (r.) von Goethe-Back ist schon berühmt für ihre Toilettenpapierkekse. Sie übergab Tierparkchef Sven Hammer im April ihre daraus erwirtschaftete Spende von 1.000 Euro.
Diana David (r.) von Goethe-Back ist schon berühmt für ihre Toilettenpapierkekse. Sie übergab Tierparkchef Sven Hammer im April ihre daraus erwirtschaftete Spende von 1.000 Euro. © Nikolai Schmidt/Archiv

Fast sind sie schon vergessen, die vielen Initiativen, die sich zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr aus Sorge um Mitmenschen, Lieblingsgeschäfte, gern besuchte Orte gründeten, um zu helfen und beizustehen. Darunter waren konkrete Hilfen von Menschen, die für andere einkauften oder später in Gesundheitsamt, Pflegeheim und Krankenhaus mitarbeiteten.

Und es waren Geldspenden, die gesammelt, in Verkäufen und Versteigerungen erlöst oder verschenkt wurden. Sie kamen von Unternehmen, die regelmäßig gute Zwecke unterstützen, aber auch von Menschen, die vielleicht erstmals den Wunsch verspürten, solidarisch mit anderen zu sein.

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Tierpark erhielt Geld von unzähligen Spendern

"Es ist kaum zu glauben, aber in diesem Jahr haben wir ganze 125.000 Euro an Spenden eingenommen", sagt Isa Plath, Sprecherin des Görlitzer Tierparks. So viele unterschiedliche Akteure hätten gespendet, dass man wirklich lange brauche, um alle aufzuzählen. Ihnen allen sei sehr zu danken.

Denn im Gegensatz zu den drei großen sächsischen Zoos in Leipzig, Dresden und Chemnitz ist der Görlitzer Tierpark nicht an die Kommune angegliedert, sondern erhält einen jährlichen freiwilligen Zuschuss der Stadt. Zu einem Teil finanziert er sich aus Eintrittsgeldern. 290.000 Euro sind dem Tierpark durch den Lockdown entgangen. Als "Corona-Härtefall" bekam er einen Zuschuss von 50.000 Euro. Auch wenn der Verlust immer noch hoch sei: "Die hohe Spendenbereitschaft zeigt, wie sehr die Görlitzer hinter ihrem Tierpark stehen, und das ist wunderbar", sagt Isa Plath.

Alexander Hesse von Post Modern (r.) übergibt die symbolische Spendenbriefmarke an den Görlitzer Tierparkdirektor Sven Hammer.
Alexander Hesse von Post Modern (r.) übergibt die symbolische Spendenbriefmarke an den Görlitzer Tierparkdirektor Sven Hammer. © Nikolai Schmidt/Archiv

Die Liste der Spender reiche von großen Unternehmen wie Post Modern, das eine Spendenbriefmarke herausgab und dem Tierpark aus den Erlösen 5.000 Euro schenkte, oder Kaufland, dessen Kunden Pfandbons in Höhe von 4.250 Euro spendeten, über Sportvereine bis hin zu Privatleuten, die um das Bestehen des Tierparks bangten.

Manche gaben vierstellige Beträge

Besonders berührend sei dabei die spontane Hilfsbereitschaft gewesen, etwa aus der Nachbarschaft, sagt Isa Plath. So habe Diana David, die Inhaberin des Backshops Goethe-Back um die Ecke, ihre inzwischen schon legendären Toilettenpapierkekse gebacken, um 1.000 Euro der Verkaufserlöse dem Tierpark zu spenden.

"Neulich kamen zwei Leute vorbei, die den Schmuck ihrer verstorbenen Mutter verkauft hatten", erzählt Isa Plath. Davon übergaben sie dem Tierpark 415 Euro, dazu Schokolade, Kekse und Obst für die Tiere. Viele Privatleute hätten großzügig gespendet, manche Görlitzer gaben sogar vierstellige Beträge. Andere schlossen Patenschaften ab, indem sie Tierfutter, Medikamente oder den Strom für den Kühlschrank zahlen, in dem die Schildkröten überwintern.

Die Geschäftsstelle des IT-Dienstleisters msg Systems auf der Melanchthonstraße spendete den Betrag, den sie sonst für ihre Weihnachtsfeier ausgibt. Und trotz eigener Betroffenheit zeigte sich etwa Destille-Inhaber Paul Otto solidarisch, in dem er von jedem ab Ende November verkauften Essen außer Haus 50 Cent an den Tierpark spendete. Zwar kamen die 1.000 Euro, die er sich erhofft hatte, nicht zusammen, aber er rundete den Betrag auf die versprochene Summe auf.

Aktionen für Geschäfte im Lockdown

Viele Initiativen, die den Tierpark bedachten, haben auch andere unterstützt, die durch den Lockdown Verluste hinnehmen mussten. Der Verein Görlitz-Pelmang etwa, der sonst vor allem in Nepal hilft, sammelte im Frühjahr Spenden und konnte im Mai 4.015 Euro verteilen. "Mit einer solchen Spendenbereitschaft hatten wir nicht gerechnet", sagt Vereinsvorsitzende Katrin Götz. "Einfach großartig!"

Die Görlitzerin Katrin Götz unterstützt mit dem Görlitz-Pelmang-Verein nicht nur Kinder in Nepal, im Frühjahr sammelte der Verein Spenden für Görlitzer Unternehmen.
Die Görlitzerin Katrin Götz unterstützt mit dem Görlitz-Pelmang-Verein nicht nur Kinder in Nepal, im Frühjahr sammelte der Verein Spenden für Görlitzer Unternehmen. © Archiv: privat

Davon gingen über 1.000 Euro an den Tierpark, je 500 Euro bekamen die Blumenläden am Südausgang, "Das Kleine" und die "Blattmaus", 700 Euro gingen an "Zuckerwerk und Rebensaft". Zahlreiche blumige und süße Dankeschöns verteilte der Verein an das Personal von zehn Görlitzer Pflegeheimen. 300 Euro bekam das Offkino Klappe die Zweite, und mit fast 500 Euro konnte das Essen der Suppenküche für vier Tage abgesichert werden.

Der Motorsportclub MC Görlitz konnte wegen Corona seine 17. Oldtimer-Rallye nicht veranstalten, spendete aber 1.550 Euro der bereits eingenommenen Teilnehmergebühren an den Tierpark und 500 ans Tierheim. "Denn was für uns 'nur' der Ausfall einer Veranstaltung war, ist für andere existenzbedrohend", heißt es auf der Webseite des MC Görlitz.

Was T-Shirts und Spenden verbindet

Auch der Görlitzer Basketballverein Squirrels wollte etwas Gutes tun und unterstützte mit der Versteigerung von zwölf ihrer Auswärtstrikots vier vom Lockdown betroffene Unternehmen, mit denen die Spieler besonders verbunden sind.

Squirrelsgründer und Spielertrainer Philipp Schmidt mit einem Auswärtstrikot, von denen die Mannschaft im April zwölf auf ebay versteigerte, um Görlitzer Unternehmen zu unterstützen.
Squirrelsgründer und Spielertrainer Philipp Schmidt mit einem Auswärtstrikot, von denen die Mannschaft im April zwölf auf ebay versteigerte, um Görlitzer Unternehmen zu unterstützen. © Artjom Belan

"Das wir tolle Fans haben, wissen wir natürlich", sagt Trainer Philipp Schmidt. Aber dass bei der Auktion 1.064 Euro zusammenkamen, habe das Team überwältigt. Der Tierpark, die Pension Haus Wiesbaden, der Friseur "Glückssträhne" und das Kings Pub erhielten je ein Viertel davon.

Der Görlitzer Modelabelgründer Gerhard Zschau machte im April aus der Not eine Tugend. Als eine Lieferung seiner Laba-T-Shirts mit dem Aufdruck "Budyšin-Bautzen" einen Produktionsfehler hatte, ließ er daraus 60 Masken nähen und verkaufte sie zum Stückpreis von zehn Euro. Die Hälfte der Einnahmen, 300 Euro, gingen an die Görlitzer Bahnhofsmission.

Görlitzer Modelabel Laba macht aus T-Shirts Masken.
Görlitzer Modelabel Laba macht aus T-Shirts Masken. © privat

Genau wie die Bahnhofsmission litt auch die Görlitzer Tafel unter der beginnenden Corona-Krise, weil es plötzlich insgesamt viel mehr Bedürftige gab als sonst und günstige Lebensmittel gern "gehamstert" wurden. Der Advita-Pflegedienst wollte eigentlich während des "großen Staus" auf der A4 helfen und rief dazu auf, Lebensmittel zu spenden. Weil sich der Stau bald aufgelöst hatte, kam alles der Görlitzer Tafel zugute.

Rewe-Marktleiter Benjamin Geschwill übergab im April eine Lebensmittelspende im Wert von 1.700 Euro an Marion Bürger (r.), Vorsitzende der Görlitzer Tafel, und ihre Stellvertreterin Angelika Baer.
Rewe-Marktleiter Benjamin Geschwill übergab im April eine Lebensmittelspende im Wert von 1.700 Euro an Marion Bürger (r.), Vorsitzende der Görlitzer Tafel, und ihre Stellvertreterin Angelika Baer. © Nikolai Schmidt/Archiv

Zur gleichen Zeit entschied sich auch Benjamin Geschwill, Geschäftsführer des Görlitzer Rewe-Marktes zu helfen. Seine Mitarbeiter packen am Ende jedes Jahres Tüten für die Görlitzer Tafel. Diesmal aber spendete Rewe auch im Frühjahr Lebensmittel für 1.700 Euro.

Die hilfreiche Mehrwertsteuer

Eine staatliche Hilfe in der Corona-Krise war die Senkung der Mehrwertsteuer. Das nutzte das Zoo- und Gartengeschäft Zwahr auf der unteren Jakobstraße, um das Tierheim Krambambuli zu unterstützen. Jeden Kunden fragten die Verkäuferinnen, ob sie die eingesparte Mehrwertsteuer spenden möchten. "Etwa 80 Prozent der Kunden waren bereit", sagt Geschäftsführer Roland Hegenbart.

Zwahr-Mitarbeiterin Katrin Wunder und ihre Kolleginnen fragten seit Juli jeden Kunden, ob sie die Mehrwertsteuer ausgezahlt bekommen oder dem Tierheim spenden möchten.
Zwahr-Mitarbeiterin Katrin Wunder und ihre Kolleginnen fragten seit Juli jeden Kunden, ob sie die Mehrwertsteuer ausgezahlt bekommen oder dem Tierheim spenden möchten. © André Schulze/Archiv

Auf diese Weise kamen seit Juli 4.300 Euro zusammen, die das Tierheim nach und nach als Futterspenden oder andere Produkte für Tiere bekommt. "Viele Kunden kamen so erst darauf, dass wir immer für das Tierheim sammeln", sagt Roland Hegenbart. So füllte sich auch die Spendendose, die zu jeder Zeit auf dem Verkaufstisch steht, mehr als in anderen Jahren. Dieses – ungezählte – Geld bekommt das Tierheim in bar.

Hilfen für Händler und Künstler

Zum Jahresende hin, vor Weihnachten gibt in jedem Jahr viele Spendenaktionen. 2020 waren viele davon auch durch den zweiten Lockdown motiviert. Dazu gehört die große 50.000-Euro-Spende der Straßburg-Passagen-Eigentümer in Form von Gutscheinen aus den Passage-Geschäften an das Görlitzer Pflegepersonal. Roger Hillert vom Labor Ostsachsen, Lutz Kühne von den "Partnern" und der Aktionskreis riefen kürzlich dazu auf, freie Künstler zu unterstützen, und sammelten bereits über 20.000 Euro.

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Chor und Solisten des Theaters spendeten für die Musikschule, während die Einnahmen des Orchesters aus dem Online-Weihnachtskonzert der Suppenküche zugute kam. Und Unternehmen, die regelmäßig Geld spenden, taten das auch 2020 wieder. Etwa die Steuerkanzlei Lehleiter & Partner, die das Tierheim unterstützte und mit 500 Euro das beliebteste Spendenziel der Görlitzer – den Tierpark.

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