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Steigt die Suizid-Zahl in der Coronakrise wirklich?

Gegen die Corona-Maßnahmen hört man immer wieder die Argumentation, sie würden Menschen in den Selbstmord treiben. Was stimmt und was nicht.

Einsamkeit ist beim Sorgentelefon derzeit ein großes Thema. Allerdings war es das früher auch schon.
Einsamkeit ist beim Sorgentelefon derzeit ein großes Thema. Allerdings war es das früher auch schon. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Inzwischen hat der Landkreis Görlitz über 900 Todesopfer, die in Zusammenhang mit dem Coronavirus starben, zu beklagen.

Ob der Corona-Sterbestatistik herrscht viel Misstrauen. Gerade in den sozialen Netzwerken begegnet man immer wieder zwei Mutmaßungen. Zum einen, es werde angeblich jeder Verstorbene nun in die Corona-Statistik gezählt. Das sächsische Sozialministerium hatte es so erklärt: Covid-19 wird nicht als ursächliche Todesursache angegeben, stirbt eine Person zum Beispiel an einem Schlaganfall oder einer Nieren- oder Herzinsuffizienz und wurde dies aber vermutlich durch eine Sars-Cov-2-Erkrankung ausgelöst.

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Zum anderen, die Corona-Krise würde viel mehr Opfer fordern, als die Statistik angibt. Von Kollateralschäden ist die Rede, auch von Suiziden aufgrund der sozialen Folgen der Krise, der Einschränkungen. Die reinen Zahlen sprechen zum Glück dagegen.

Unstrittig dürfte sein, welch psychische Belastung die Corona-Krise sein kann. So hatte etwa der Görlitzer Arzt für Psychosomatik, Hans-Martin Rothe, im Oktober erklärt: "Wir hatten jetzt immer wieder frühere Patienten bei uns, die durch die Corona-Bedingungen erheblich labilisiert wurden und zurück in die Behandlung gekommen sind", so Rothe. "Wir haben aber auch neue Patienten, bei denen sich diese äußeren Faktoren bemerkbar gemacht und die psychisch labil reagiert haben, weil die Situation doch eine Menge zusätzlicher Herausforderungen gebracht hat." Zum Beispiel die Kontaktbeschränkungen, die es Betroffenen, die ohnehin schon wenige Kontakte haben, noch schwerer machen.

Eine erhöhte Suizidrate hat die Polizei für voriges Jahr im Kreis Görlitz nicht festgestellt. Im Landkreis Görlitz gab es den Polizeidaten nach 47 Suizide. Im Vorjahr waren es 41, im Jahr 2018 waren es 52, im Jahr 2017 nahmen sich 42 Menschen das Leben, 2016 waren es 49. Laut Polizeidirektion Görlitz sind leichte Schwankungen aufgrund der Erfassung möglich.

Eine Steigerung der Anrufe verzeichnet auf jeden Fall die Ökumenische Telefonseelsorge Oberlausitz. "Einsamkeit ist sehr häufig ein Thema", sagt Nicole Hackel, stellvertretende Leiterin. Allerdings, erklärt sie, zählt die Einsamkeit seit vielen Jahren zu den vier größten Themen, die den Menschen in der Oberlausitz bewegen: Familie, Einsamkeit, körperliches und seelisches Befinden. Diese Themen seien auch jetzt die den Anrufern wichtigsten. "Mein Eindruck aus den Gesprächen mit unseren Ehrenamtlichen ist, dass die Corona-Krise die Schwierigkeiten, die Menschen in diesen Bereichen haben, aber verstärkt." Bei den Gesprächen, in denen Suizid - eigene Gedanken oder Sorgen um einen anderen Menschen - konkret angesprochen wird, lag die Zahl in den vergangenen Jahren bei 1 bis 1.3 Prozent. 2020 waren es 1,5 Prozent.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über das Thema Suizid, außer es erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800 1110111 und 0800 1110222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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