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Corona-Tests sind auf dem Land Mangelware

Noch gibt es das Angebot der kostenfreien Schnelltests nicht überall. Selbsttests sind auch oft vergriffen. Ein Problem für Menschen im Görlitzer Umland.

So wird der Schnelltest angewendet.
So wird der Schnelltest angewendet. © Sven Ellger

Königshain, Vierkirchen, Waldhufen, Reichenbach, Markersdorf und andere Gemeinden im Görlitzer Umland sind auf der Landkarte des Freistaates noch weiße Flächen. Die Karte zeigt Standorte, wo die Einwohner den kostenlosen Corona-Schnelltest machen können. Das ist bei mittlerweile 19 Apotheken kreisweit und beim Testcenter an der Autobahn Kodersdorf möglich. Im Altkreis Löbau-Zittau sind das elf Standorte, fünf in Görlitz, zwei in Niesky und zwei in Kodersdorf. Das restliche Gebiet – ein Lücke, keine Testmöglichkeiten.

„Prinzipiell hat jeder Bürger Anspruch auf mindestens einen Schnelltest pro Woche“, informiert das Bundesgesundheitsministerium dagegen auf seiner Internetseite.

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Die Realität ist jedoch noch anders. So suchte Frank S.*, ein 75-jähriger Reichenbacher, für sich und seine Frau eine Möglichkeit zum kostenlosen Testen. Und wurde nicht fündig, wie er erzählt. „Es gibt Testmöglichkeiten bei uns in der Stadt. Die kosten jedoch eine Stange Geld“, sagt der Rentner und auch, dass er gar nicht jede Woche nach Görlitz käme. Anderen Senioren gehe das auch so. „Da bleibt das eben mit dem Testen sein, wenn es hier nichts gibt“, sagt er und schüttelt den Kopf.

Pflegerin wandte sich an Kretschmer

Dieses Problem ist auch Susann Kothe bekannt. Sie ist die Geschäftsführerin vom Reichenbacher Pflegeteam. Ihr Unternehmen bietet seit einigen Wochen das Testen gegen Bezahlung an. Ebenso gibt es in der Tagespflege der Diakonie St. Martin in Reichenbach ein solches Angebot. Die Tests kosten mehr als 20 Euro in beiden Einrichtungen. Bei Frau Kothe nutzen das vor allem die Betriebe, die eine Testpflicht für ihre Mitarbeiter haben.

„Immer mehr Bürger fragen bei uns an, ob wir nicht auch einen kostenfreien Test anbieten können“, erzählt Susann Kothe. Bisher war das jedoch nicht möglich gewesen. Denn dafür braucht sie eine Auftrag vom Landkreis. Frau Kothe wendete sich bereits vor einigen Tagen an den Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, wie sie sagt. „Ich wollte dieses Angebot einführen, damit auch die Menschen, die nicht mobil oder älter sind, den ihnen zustehenden Schnelltest bekommen können“, erzählt die 49-Jährige.

Die Apotheke in Reichenbach kann diese Tests nicht anbieten, sagt Janine Drescher und bedauert das. Die Inhaberin der Adler-Apotheke am Markt sagt, dass da kein böser Wille dahinter steckt. „Uns fehlen schlicht und einfach die erforderlichen Räumlichkeiten“, erklärt Frau Drescher. Die Selbsttests, die Geld kosten, sind im Moment bei ihr ebenfalls Mangelware. „25 Stück bekamen wir letzte Woche geliefert. Die waren sofort ausverkauft“, sagt sie. Am Montag versuchte die Geschäftsfrau, Schnelltests über den Großhandel zu beziehen. Ohne Erfolg. „Die haben alle nichts auf Lager“, erfuhr sie.

150 Millionen Tests liegen laut Bund "auf Halde"

Dabei habe der Bund, so informiert das Bundesgesundheitsministerium, über bilaterale und europäische Rahmenverträge mindestens 800 Millionen Schnelltests mit Stand Anfang März gesichert. 150 Millionen lägen „auf Halde“ und könnten direkt geliefert werden. Länder und Kommunen müssten sie abrufen.

Der Landkreis Görlitz will jedenfalls das Netz ausbauen, wo Bürger kostenlose Schnelltests erhalten können. „Weitere Beauftragungen zum Beispiel von Hilfsorganisationen sind durch den Landkreis beabsichtigt“, sagt Franziska Glaubitz.

Susann Kothe, die Pflegedienstchefin, hat sich derweil gekümmert und beim Gesundheitsamt einen Antrag gestellt, die kostenfreien Schnelltests anbieten zu dürfen. „Das betrifft nur die Bürgertestung und nicht die Testung von Firmenmitarbeitern“, erklärt sie. Der Landkreis habe mit ihr vergangene Woche bereits Kontakt aufgenommen. Sie ist guter Dinge, dass die kostenlosen Nasen-Rachenabstriche bald bei ihr angeboten werden können. Dafür ausgebildetes Personal hat sie bereits, denn in der Pflege müssen die Mitarbeiter schon seit einigen Monaten mit einem Schnelltest dreimal wöchentlich nachweisen, dass sie nicht mit dem Corona-Virus infiziert sind.

* Name der Redaktion bekannt

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