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Corona: Warum die Gärtnerei Fuchs viel zu tun hat

Die Vierkirchner Gärtnerei zählt mit zu den Grundversorgern. Kleine Blumenläden sind dagegen geschlossen.

Norbert Pohl und seine Frau Margit sind froh, dass ihr Familienunternehmen im Lockdown weitermachen kann.
Norbert Pohl und seine Frau Margit sind froh, dass ihr Familienunternehmen im Lockdown weitermachen kann. © Constanze Junghanß

„Es gibt aktuell keine Woche, in der keine Beerdigung stattfindet“, sagt Norbert Pohl. Das sei seit einigen Wochen schon so und wirkt sich auch auf sein Unternehmen aus. Die Gärtnerei Fuchs in Döbschütz hat viel zu tun. Das hängt mit den Bestattungen zusammen. Bei Pohls klingelt ständig das Telefon. Grabkränze und Gestecke werden bestellt. 20 solcher Aufträge pro Woche im Durchschnitt sind das. Norbert Pohl berät zu Trauersprüchen, die auf die breiten Schleifen kommen. Die stellt der Familienbetrieb ebenfalls mithilfe eines Computerdrucksystems selbst her. Links der letzte Gruß, rechts die Namen derer, die Abschied nehmen.

Vorbestellungen für den Grabschmuck, so sagt er, seien bis in den März hinein gebucht. Ja, es werde offenbar mehr gestorben als in den letzten Jahren, schätzt er auf SZ-Nachfrage ein. Und auch, weil die kleinen Blumenläden im Lockdown zumachen mussten, wenden sich die Angehörigen nun verstärkt an die Gärtnerei.

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Der Winter hat in den Gewächshäusern an der S124 keinen Zutritt. Ein Blumenmeer an Stiefmütterchen, Narzissen, bunten Primeln und Tulpen wachsen warm und windgeschützt. Krokusse und blaue Traubenhyazinthen bringen den Frühling zeitig unters Glasdach. Die ersten kleinen Salat- und Kohlrabipflanzen werden jetzt pikiert, 5000 Pelargonien mit der Topfmaschine umgetopft.

Nicht von Zwangsschließung bedroht

Viel Zeit zum Zeigen der Produktionsstätte bleibt Pohls aber nicht. In ihrem Laden wartet die nächste Familie – ganz in Schwarz gekleidet. Wieder ein Trauerfall.

Die Gärtnerei bleibt offen und stellt unter anderem Grabschmuck her. Geregelt ist das in der Sächsischen Corona-Schutzverordnung. Demnach dürfen nur die selbst produzierenden und – vermarktenden Gärtnereien, Floristikbetriebe und Baumschulen weiter verkaufen. Das Döbschützer Familienunternehmen zählt damit zu den Grundversorgern, die weitermachen können. Bereits im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 war das so gewesen. Bei den Blumenläden ist das nicht der Fall. Der Fachverband Deutscher Floristen spricht deshalb auf seiner Internetseite von „harten finanziellen Einschnitten in der Branche.“

Die Döbschützer betraf das nicht. „Wir durften zum Glück weiter für unsere Kunden da sein“, sagt Pohls Gattin Margit. Weil ein großer Teil der Pflanzen selbst in den Gewächshäusern und später in den Frühbettkästen angebaut werden, ist das Familienunternehmen nicht von einer pandemiebedingten Zwangsschließung bedroht. Sonst hätte die Gärtnerei in der Gemeinde Vierkirchen auch nicht so wirklich gewusst, wie es diese Zeit schaffen soll.

Teil-Lösung für kleine Beerdigungen

„Pro Trauerfall können jedoch weniger Gäste zum Abschiednehmen bei den Beerdigungen dabei sein“, weiß der 59-jährige Betriebsinhaber. Maximal zehn Trauergäste sind erlaubt. Für die Angehörigen oft eine emotional schwere Situation. Da darf nicht jeder am Beerdigungstag eigenhändig den Blumengruß am Grab ablegen, der sich persönlich gern würdig von dem Verstorbenen verabschieden wollte. Pohls wissen das. Die Gärtnerei bietet eine Teil-Lösung an. „Wir schaffen in unserer Region die Kränze und Gestecke für diejenigen Angehörigen auf den Friedhof, die nicht selbst dabei sein können“, sagt Norbert Pohl. Das gab es zwar bereits schon vor Corona, wenn beispielsweise Angehörige weit weg wohnten. Die Nachfrage nach dieser Möglichkeit sei jedoch im Zuge der aktuellen Situation stark gestiegen – eben wegen den strengen Corona-Regelungen.

Als Grabschmuck derzeit besonders beliebt sind Herzen. Margit Pohl bestückt die Steckmassen-Gestecke in Handarbeit.
Als Grabschmuck derzeit besonders beliebt sind Herzen. Margit Pohl bestückt die Steckmassen-Gestecke in Handarbeit. © Constanze Junghanß
Bunte Primeln werden selbst angebaut.
Bunte Primeln werden selbst angebaut. © Constanze Junghanß
Die Stiefmütterchen im Gewächshaus bilden ein Blütenmeer.
Die Stiefmütterchen im Gewächshaus bilden ein Blütenmeer. © Constanze Junghanß

Während Kränze vor allem für Sargbestattungen gebunden werden, sind das bei den Urnenbestattungen Gestecke. Sargbestattungen gebe es immer weniger, deshalb auch weniger Kränze. Vor allem Gestecke in Herzform seien im Moment gefragt. Ob das mit der Pandemie zu tun hat, können Pohls nicht genau einschätzen. Auffällig sei der Wunsch nach den Gesteck-Herzen in letzter Zeit auf jeden Fall. Die stellen Margit Pohl und die Mitarbeiter der Gärtnerei in Handarbeit her. Auf der Steckmasse werden grüne Zweige befestigt. Auf das so entstandene grüne Herzkissen kommen dicht an dicht Blüten unterschiedlichster Art - Rosen besonders oft. Die Kränze dagegen werden mit einer speziellen Technik gewickelt. Jeder Abschiedsgruß ist ein individuelles Schmuckstück und eine Ehrung der Verstorbenen.

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