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Das Kochstudio impft mit

Simone Drescher leitet eigentlich das Kochstudio in Kunnerwitz. Seit einiger Zeit arbeitet sie im Impfzentrum. Nun kam beides zusammen: Impfen im Kochstudio.

Simone Drescher (li) verabschiedet Patienten der Impfaktion in ihrem Kochstudio.
Simone Drescher (li) verabschiedet Patienten der Impfaktion in ihrem Kochstudio. ©  privat

Zwei Tage wurde im Kochstudio "Regenbogen" in Kunnerwitz gegen Corona geimpft. Ein weiterer Termin steht bereits.

Inhaberin des Studios, in dem Catering für Feste gekocht wird, ist Simone Drescher. Die Feste und damit auch das Kochen fielen aber in den vergangenen anderthalb Jahren häufig flach. Seit einiger Zeit arbeitet Simone Drescher deshalb für das DRK. Sie hilft im Impfzentrum Löbau mit und bei mobilen Impfterminen wie zum Beispiel beim Schlesischen Tippelmarkt vor reichlichen drei Wochen.

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Im Impfzentrum kommen immer weniger Menschen zum Impfen, obwohl man keinen Termin mehr braucht. Beim Tippelmarkt dagegen war die Resonanz gut. Landkreis und DRK hatten sich deshalb entschieden, verstärkt auf solche mobilen Aktionen zu setzen, etwa bei Festen, vorm Supermarkt, bei Sportveranstaltungen. Oder im Kochstudio Regenbogen.

Massen ziehen die Aktionen nicht an

Am Dienstag waren 25 Personen da, die sich mit dem Vakzin von Biontech oder - weniger - mit Johnson & Johnson impfen ließen. "Es waren am Dienstag vor allem Leute aus dem Ort und dem Umkreis wie Pfaffendorf und Jauernick da", erzählt Simone Drescher. Patienten, die sie kennen, die über Facebook, WhatsApp oder der Zeitung von der Aktion erfahren haben. Am Mittwoch habe es sich schon mehr rumgesprochen, 35 Patienten waren da.

"Das sind sicher keine hohen Zahlen", sagt Simone Drescher. Dennoch zieht sie ein positives Fazit. "Ich war überrascht, dass doch so einige wirklich spontan Halt gemacht haben. Wir haben zum Beispiel Handwerker geimpft, die auf ihrem Arbeitsweg angehalten haben, als sie das DRK-Banner draußen sahen", erzählt sie. "Vor allem ist es auch für die Dorfbewohner, die bisher nicht nach Löbau fahren konnten oder wollten, eine Möglichkeit. Da sind für Kunnerwitz 25 doch recht viel."

"Gewisse Regelmäßigkeit hilft"

Zweitimpftermin ist am 24. und 25. August im Kochstudio. Den Gastraum haben Simone Drescher und ihr Mann kurzfristig umgestaltet. "Wir haben uns am Impfzentrum orientiert", erklärt sie, mit einem Empfang, einer Arztkabine für die Aufklärungsgespräche mit dem Impfarzt, daneben eine Impfkabine, eine Ruhezone, um eine Viertelstunde unter Aufsicht zu bleiben. "Die Trennwände haben wir aus Löbau bekommen."

Sie können jetzt auch eine Weile stehen bleiben, denn kommenden Mittwoch ist zwischen 9 und 18 Uhr nochmals eine Impfaktion im Kochstudio. "Ich denke, eine gewisse Regelmäßigkeit hilft."

Diese Woche bis zum Freitag kann man sich noch im Städtischen Klinikum Görlitz, von 14 und je nach Patientenaufkommen bis etwa 17 Uhr impfen lassen. Das Impfteam des ASB ist nahe dem Bistro in der Magistrale des Klinikums.

Sachsen ist Impf-Schlusslicht

Beim Tippelmarkt vor drei Wochen wurden an zwei Tagen 214 Personen geimpft. Verglichen mit den Zahlen, die der Kreis noch vor wenigen Wochen aufweisen konnte, ist auch das nicht viel - zu Spitzenzeiten wurden im Mai pro Woche 10.000 Menschen im Impfzentrum Löbau geimpft, teilt der Kreis Görlitz mit. Vorteile sieht er dennoch in den mobilen Aktionen: Man könne Menschen erreichen, die bislang gezögert haben, einer Impfung grundsätzlich aber positiv gegenüberstehen, erklärte der Landkreis.

Der Görlitzer Allgemeinmediziner Leonhardt Großmann hat ebenfalls bereits mobile Impfaktionen angeboten. "Ich denke, dass niederschwellige Impfangebote helfen können, den ein oder anderen Impfwilligen oder Kurzentschlossene zur Corona-Schutzimpfung zu motivieren und die Zugänglichkeit zu erleichtern", erklärte er kürzlich gegenüber der SZ. Ein Allheilmittel ob der sinkenden Impfzahlen seien die Aktionen aber nicht. Mit Blick auf das Impfgeschehen insgesamt sei das Bild dennoch besorgniserregend.

Impfaktionen: Andere Kreise ziehen nach

So bestellte der Freistaat Sachsen mehrere zehntausend Corona-Impfdosen beim Bund wieder ab, darunter rund 58.500 Dosen Biontech. Rund 47,7 Prozent der sächsischen Bevölkerung sind vollständig geimpft, 52,5 Prozent zumindest einmal. Damit ist Sachsen das Schlusslicht. In Bremen haben inzwischen 71 Prozent die Erstimpfung erhalten, 63,3 Prozent sind vollständig geimpft.

Das Problem des sinkenden Interesses haben in Sachsen auch andere Kreise - die nachgezogen haben bei den vermehrten mobilen Aktionen, zum Beispiel Bautzen und Dresden. Das DRK Sachsen vermerkt die mobilen Impftermine in den Städten und Gemeinden sachsenweit seit einigen Tagen auf seiner Startseite im Internet. Angekündigt ist dort auch die Impfaktion bei der Historik Mobil im Zittauer Gebirge an diesem Wochenende.

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