merken
PLUS Görlitz

Das Schlesische Musikfest kehrt zurück

Nachdem eine erste Wiederbelebung des Traditionsfests nach 2009 an Geldmangel scheiterte, gibt es nun neue Pläne. Und ein Konzertprogramm für September.

Das letzte Schlesische Musikfest wurde 2009 in der Görlitzer Lutherkirche eröffnet.
Das letzte Schlesische Musikfest wurde 2009 in der Görlitzer Lutherkirche eröffnet. © PR

Für die Schlesischen Musikfeste wurde die Görlitzer Stadthalle erbaut – mit einem Schlesischen Musikfest soll sie auch wieder eröffnet werden. Das ist der große Wunsch einer 2019 gegründeten Initiative, die sich für die Wiederbelebung dieser Feste einsetzt.

Deren Koordinator ist der in Görlitz aufgewachsene Musiker Andreas Wenske, der auch im Förderverein der Stadthalle mitwirkt. Der weltbekannte Organist Matthias Eisenberg gehört dazu und auch der Berliner Musikprofessor Tomasz Tomaszewski, Präsident der Internationalen Beethoven-Gesellschaft, dessen Name seit Anfang des Jahres mit dem Austritt aus der Stadthallenstiftung verbunden ist.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Anknüpfen an über 200-jährige Tradition

Hinzu kommen sieben Vereine und Institutionen, die sich um die Pflege und Aufrechterhaltung der schlesischen Kultur, die Görlitzer Stadthalle oder Musik verdient machen. Darunter das Kuratorium Schlesische Lausitz, das die Feste von 1996 bis 2009 organisierte. Auch das war bereits ein Wiederbelebungsversuch nach jahrzehntelanger Pause, der jedoch 2011 an mangelnder Förderung scheiterte.

Eine Initiative um Andreas Wenske (r.) will das Schlesische Musikfest wiederbeleben. Dazu gehört die Ehrung eines Preisträgers des Young-Ludwig-Wettbewerbs, hier Leonard Toshev (2.v. l.).
Eine Initiative um Andreas Wenske (r.) will das Schlesische Musikfest wiederbeleben. Dazu gehört die Ehrung eines Preisträgers des Young-Ludwig-Wettbewerbs, hier Leonard Toshev (2.v. l.). © Jens Walkowiak

"Wir möchten nun an die lange Tradition dieses ältesten Musikfestes in Deutschland wieder anknüpfen", sagt Andreas Wenske und bezieht sich dabei auf die Vorgeschichte der Festspiele, die schon lange vor der bekannten Gründung durch Bolko von Hochberg im Jahr 1876 begann. Bereits 1788 habe es große Aufführungen mit Chor und Orchester in Breslau gegeben, ab 1820 dann in Görlitz und ab 1830 in verschiedenen Orten erstmals unter dem Titel "Schlesische Musikfeste".

Die hätten unregelmäßig, auch mit jahrelangen Pausen stattgefunden, bis Bolko von Hochberg sie professionalisierte, den Görlitzern eine erste Musikhalle schenkte und schließlich den Bau eines Festspielhauses unterstützte, der Görlitzer Stadthalle.

Kleines Schlesisches Musikfest im September

Hier sollen die Feste in Zukunft im Zusammenspiel mit anderen Orten wieder stattfinden, auch wenn heute Sanierung und Öffnung der Stadthalle noch nicht konkret absehbar sind. Besonders 2030 soll ein großes Jahr werden, weil sich dann die Entstehung der Schlesischen Musikfeste zum 200. Mal jährt.

Zum Spielort wird die Stadthalle aber bereits in diesem Herbst. Vom 18. bis 26. September gibt es auf deutscher wie auf polnischer Seite Schlesiens ein "Präludium Schlesisches Musikfest", einen Vorgeschmack auf später, der schon einiges bietet, aber noch nicht alles enthält, was sich der Initiativkreis für die zukünftigen Musikfeste vorgenommen hat. Chormusik fehlt zum Beispiel, weil viele Chöre noch nicht proben konnten. Auch war es während der Pandemie nicht so einfach, Künstler fest für den Herbst zu buchen.

Matthias Eisenberg und Ludwig Güttler erwartet

Zur Eröffnung des Festes im Kloster Grüssau am 18. September kommt die älteste erhaltene Barockorgel Schlesiens zum Einsatz, Stargast ist der Trompeter Ludwig Güttler mit seinem Blechbläserensemble. Im kleinen Saal der Stadthalle erklingt ein Preisträgerkonzert des internationalen Young-Ludwig-Wettbewerbs für angehende Musiker, bei dem die internationale Beethovengesellschaft einen Sonderpreis der Schlesischen Musikfeste an ein Nachwuchstalent vergibt.

Matthias Eisenberg wird an der Sonnenorgel in der Görlitzer Peterskirche spielen und die beiden neuen Register einweihen, die mit seiner Unterstützung eingebaut werden konnten. Das Berolina Trio aus drei Musikern der Berliner Philharmonie wird auftreten. Und das Polnische Streichquartett Berlin wird Kompositionen für Streicher von Bolko Graf von Hochberg aufführen und im kleinen Saal der Stadthalle mit dem Deutschlandfunk als CD einspielen.

Verbindung zu Berliner Philharmonikern

Konzerte mit hiesigen Ensembles, etwa dem Philmehr-Verein, der auch die 1:1-Konzerte wieder anbieten will, sollen noch dazukommen. Ebenso Konzerte und Vorträge zu schlesischen Orgeln, weil 2021 das Jahr der Orgel ist.

In Zukunft sollen die Schlesischen Musikfeste jährlich stattfinden, was neu in ihrer Geschichte ist, sonst lagen meist zwei oder drei Jahre dazwischen. Die Verbindung zu den Berliner Philharmonikern, wie Bolko von Hochberg sie einst geknüpft hat, soll wieder intensiviert werden. Weil die Initiative auf mehreren Füßen steht und in der Erika-Simon-Stiftung eine wichtige Unterstützerin gefunden hat, sind Andreas Wenske und seine Mitstreiter zuversichtlich, dass die Feste diesmal eine echte Zukunft haben werden.

Über das genaue Programm, die Uhrzeiten und den Ticketvorverkauf wird an dieser Stelle noch informiert werden.

Mehr zum Thema Görlitz