SZ + Görlitz
Merken

Denkmalschutz lässt Funkmast-Pläne platzen

Die Behörde lehnt den Bau in Königshain bei Görlitz ab. Wird jetzt ein neuer Standort in der Gemeinde gesucht?

Von Constanze Junghanß
 4 Min.
Teilen
Folgen
Markus Hartmann, dem das Mühlenensemble gehört und der das historische Objekt mit viel Geld zu schicken Ferienwohnungen umbaute, ärgert sich über die zwei verlorenen Jahre.
Markus Hartmann, dem das Mühlenensemble gehört und der das historische Objekt mit viel Geld zu schicken Ferienwohnungen umbaute, ärgert sich über die zwei verlorenen Jahre. © Constanze Junghanß

Im Sommer vergangenen Jahres kursierte ein Flugblatt im beschaulichen Königshain. Das richtete sich gegen einen geplanten Funkmast, der in der Nähe des Mühlenhofs gebaut werden sollte. Einige Monate später wurde der Protest im Dorf noch lauter: Eine dreistellige Zahl an Unterschriften gegen den Standort im Niederdorf wurde gesammelt und der Gemeinde übergeben.

Zuvor hatten etwa 30 Bürger vor einer Ratssitzung im Schloss ihrem Unmut über das Vorhaben Luft gemacht und kritisierten auch die in ihren Augen fehlende Kommunikation. Erfolglos. Der Gemeinderat stimmte ein Jahr später im Sommer 2021 aus planungsrechtlicher Sicht dem Bauantrag zu. Und damit schien die Sache gegessen. Doch nun wendet sich das Blatt. Denn das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) Sachsen stimmt dem Bau nicht zu.

Das Denkmalamt war im Rahmen des Bauantragsverfahrens um Stellungnahme gebeten worden. Ergebnis: „Durch die räumliche Nähe des Bauvorhabens zu mehreren Kulturdenkmalen in Königshain werden denkmalpflegerische Belange berührt. Aus denkmalfachlicher Sicht ist das Vorhaben nicht genehmigungsfähig und wird einvernehmlich mit der Unteren Denkmalschutzbehörde abgelehnt“, sagt Sabine Webersinke, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim LfD. Entscheidend sei dabei die geplante Höhe des Stahlgittermastes von mehr als 40 Metern und der anvisierte Standort.

Sicht auf Kirchturm, Mühle und Höfe beeinträchtigt

Der Mast erhalte auf der Anhöhe im Niederdorf „eine das Ortsbild bestimmende Dominante, die weithin sichtbar ist.“ Damit wäre nicht mehr der Kirchturm mit der benachbarten alten Mühle und den umgebenden Höfen bildprägend, sondern die Achse der ortstypischen Bauten würde quasi durch den geplanten Stahlgittermast unpassend fortgesetzt und dominiert, erläutert Sabine Webersinke.

Gerade dieser Teil von Königshain zeige eine authentisch gewachsene Orts- und Gebäudestruktur, deren Erhaltung Aufgabe der Denkmalpflege ist. „Der Neubau des Funkmastes würde durch seinen Standort, seine Höhe und sein Material das Erscheinungsbild der Kulturdenkmale erheblich beeinträchtigen“, sagt die LfD-Referentin. Der Gesamteindruck des geschützten Erscheinungsbildes werde durch so einen Mast empfindlich gestört. Und: Selbst negative Beeinträchtigungen der Sichtachsen zum Schlossareal könnten je nach Vegetationsperiode nicht ausgeschlossen werden. Allerdings sei das Antragsverfahren noch nicht abgeschlossen und das Bauaufsichtsamt des Kreises dafür zuständig.

Das Düsseldorfer Unternehmen Vantage Towers sollte im Auftrag von Vodafone den Mast errichten. „Tatsächlich haben wir von der Absage nichts gewusst“, sagt Vantage Towers Sprecherin Sarah Rötzer. Erst durch die Veröffentlichung im Amtsblatt sei das Unternehmen informiert worden. Wenn der Funkmast im Niederdorf abgelehnt würde, „bemühen wir uns um einen neuen Standort“, sagt Sarah Rötzer.

Endgültiger Bescheid der Bauaufsicht erwartet

Im Amtsblatt hatte Bürgermeister Siegfried Lange mitgeteilt, dass die Untere Bauaufsichtsbehörde des Landratsamtes aus denkmalschutzrechtlicher und -fachlicher Sicht den Funkmast als nicht genehmigungsfähig einschätzt. Ob der Mast nun im Niederdorf gebaut wird oder nicht, kann der Bürgermeister nicht sagen. „Die Entscheidung steht noch aus“, so Siegfried Lange. Im November soll nach seinen Angaben ein endgültiger Bescheid seitens der Bauaufsicht kommen.

War das im Vorfeld bei der Suche nach dem Standort niemandem aufgefallen, dass sich im Sichtfeld Denkmale befinden? Markus Hartmann, Zahnarzt aus Dresden, dem das Mühlenensemble gehört und der das historische Objekt mit viel Geld zu schicken Ferienwohnungen umbaute, hatte schon vor längerer Zeit mehrfach auf die Situation hingewiesen und anwaltliche Unterstützung in Anspruch genommen. „Es ist ärgerlich, dass fast zwei Jahre verloren gingen, weil nicht gleich von Anfang an darüber geredet wurde“, sagt er und betont, dass Königshain den Ausbau des Funknetzwerks brauche. Nur nicht im Niederdorf.