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Segelschule kehrt dem Berzdorfer See den Rücken

Dennis Weichert kam durch das Studium nach Görlitz. Am Berzdorfer See wollte er andere für Wassersport begeistern. Jetzt zieht er weiter.

Mit seinem mobilen SUP-Verleih zog Dennis Weichert vorigen Sommer an die Blaue Lagune. Nun geht er ganz fort.
Mit seinem mobilen SUP-Verleih zog Dennis Weichert vorigen Sommer an die Blaue Lagune. Nun geht er ganz fort. © André Schulze

Die Tryphosa wird bald weitersegeln. Oder besser: ein Kran wird sie aus dem Wasser holen, zu Land geht es dann Richtung Norden. Noch liegt die Yacht von Dennis Weichert im Tauchritzer Hafen des Berzdorfer Sees. Sie ist dort mit ihren 14 Metern das größte Boot im Hafen. Aber Weichert verlässt Görlitz.

2012 kamen seine Frau und er wegen des Studiums in die Oberlausitz. Dennis Weichert stammt aus Berlin, war früher Leistungssportler und nahm mit dem Berliner Segel-Club Wiking an internationalen Segelwettbewerben teil. In Görlitz auf dem Berzdorfer See wollte er anderen Wassersport näher bringen. Er gründete eine Segelschule für Kinder und Jugendliche sowie den Wassersportgeräteverleih "Symphonie der Freizeit". Auf deren Facebookseite stammt der letzte Eintrag vom Dezember, ein Verkaufsangebot für eines seiner Fliteboards.

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Planungssicherheit durch Corona dahin

Bekannt dürfte Weichert vielen durch seine Angebote am Nordstrand sein. Bei ihm konnte man Equipment fürs Standup-Paddling (SUP) leihen, auch andere Wassersportgeräte. Er bot Touren und Kurse an. Voriges Jahr zog Weichert mit der "Symphonie der Freizeit" vom Nordstrand an die Blaue Lagune - der Schönau-Berzdorfer Seebereich.

Hintergrund war, dass der Zugang zum Wasser für SUP-Sportler schwierig geworden war: Jedes Jahr aufs Neue sorgen Wind- und Wellenschlag für Stufenbildungen an bestimmten Stellen des Seeufers, auch am Nordstrand an der Stelle, wo Weichert immer seinen mobilen Verleih betrieb. Jedes Jahr aufs Neue werden die betroffenen Bereiche durch den Bergbausanierer LMBV gesichert. Voriges Jahr wohl aber auf eine Weise, die dafür sorgte, dass Weichert sich einen neuen Standort suchte.

Und nun wird er ganz wegziehen, bestätigt er gegenüber der SZ, "aufgrund der Corona-Situation", begründet er seinen Schritt. Auch wenn der vorige Sommer an der Blauen Lagune gut lief. Der SUP-Trend kam auch in der Oberlausitz an, verstärkt durch die Corona-Krise - SUP ist ein Wassersport mit viel Abstand zu anderen. Nichtsdestotrotz, "man ist unter diesen Voraussetzungen einfach nicht planungsfähig". In Zukunft werde er beruflich etwas anderes machen - und mit seiner Familie Richtung Ostsee ziehen. Die Europastadt Görlitz/Zgorzelec mbH hatte sich auch viel Mühe gegeben, Weicherts Start am See zu unterstützen, sah sie doch in dessen Angeboten eine qualitativ hochstehende Erweiterung der Freizeitmöglichkeiten am See. Doch am Ende half alles nichts.

Tryphosa kam erst vor zwei Jahren an

Die Tryphosa war eines seiner jüngsten Projekte. Im Mai 2019 kam die Yacht in Görlitz an. Weichert hatte sie in einer wahren Odysee von der kroatischen Adria-Küste in die Oberlausitz transportieren lassen. Gäste konnten sie zum einen wie eine Ferienwohnung nutzen. Acht Schlafplätze hat sie. Zum anderen bot Weichert Segelausflüge an: mit Weinverkostung oder Grillabend auf dem See, Sonnenuntergangs- und Romantik-Tour. Mit der Idee schaffte es Weichert bis unter die besten zwölf beim Innovationspreis 2020.

Wie oft die Tryphosa gemietet wurde - wer weiß, zumal kurz nach Start der Angebote die Corona-Pandemie auch die Oberlausitz betraf. Anderes funktionierte aufgrund bürokratischer Hürden nicht. So plante Weichert, Fliteboards auf den Berzdorfer See zu holen. Die Geräte sehen aus wie ein schwebendes Surfbrett, auf dem man steht und das von einem Elektromotor angetrieben wird. Dafür hätte es eine abgegrenzte Strecke gebraucht. Beantragt waren drei Kilometer zwischen der Insel der Sinne und Deutsch Ossig, rund 200 Meter vom Ufer entfernt.

Zunächst konnte sich der Planungsverband Berzdorfer See damit nicht recht anfreunden, wegen der Bojen, die ein Stück See eingrenzen würden. Man einigte sich auf eine Probesaison. Dann wurden die Fliteboards als Wassermotorräder eingeordnet - obwohl sie deutlich weniger Leistung als die Jetski haben. Dann stand die Frage, welche Bedingungen für die Strecke nun gelten.

Kein Wegzug in Ärger

Dass es am See zu schleppend vorangeht, war in den vergangenen Jahren schon häufiger Thema. Zuletzt bei der Widmung der Strandpromenade auf Görlitzer Seeseite als öffentliche Straße. Das ist eine Grundlage für einen Bebauungsplan für den Restort Deutsch Ossig. Mit Stimmen der AfD und CDU, die ein Verkehrschaos befürchteten, wurde die Widmung aber rückgängig gemacht.

Eine Schiffbarkeitserklärung, die die Nutzung des Sees für die Zukunft klärt, ist zwar in Arbeit. Görlitz unternahm in diesem Frühjahr einen neuen Anlauf, um diese Erklärung von der Landesdirektion zu erhalten. Doch ist das Verfahren immer noch nicht abgeschlossen.

Auch die Errichtung von Häusern am Südrand des Tauchritzer Hafens durch Kommwohnen kommt nicht recht voran, weil der Kreis erst den Plänen zustimmen will, wenn klar ist, wie viele Ferienhäuser und von welcher Qualität der See verträgt. Und schließlich sollte Ende des Jahres eigentlich der zweite Jollen-Segelstützpunkt am See in Betrieb gehen. Und zwar am Hafen Tauchritz. Doch das Projekt, das die LMBV mit Bergbausanierungsgeldern verwirklicht, ist hoffnungslos hinter dem einstigen Zeitplan zurück. Es bleibt beim See, wie es schon immer war: Vieles dauert länger als zunächst geplant.

Weichert zieht nun weiter. Nein, sagt er zum Abschied gegenüber der SZ, Ärger schwinge bei ihm nicht mit. "Es war eine rein rationale Entscheidung", sagt er. "Es war für mich eine sehr lehrreiche Zeit und ich habe in Görlitz klasse Menschen kennengelernt."

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