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Sie managt alle Jugendweihen im Landkreis Görlitz

Anja Mai stemmt elf Wochenenden lang alle Feiern im Kreis. Nach vielen Verschiebungen wegen Corona geht es jetzt los.

Anja Mai in ihrem Büro am Görlitzer Klosterplatz. Sie ist die Görlitzer Regionalkoordinatorin vom Sächsischen Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe.
Anja Mai in ihrem Büro am Görlitzer Klosterplatz. Sie ist die Görlitzer Regionalkoordinatorin vom Sächsischen Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe. © Martin Schneider

Bad Muskau, Görlitz, Reichenbach oder Zittau - Anja Mai ist überall dabei, wenn Jugendweihe gefeiert wird. Elf Wochenenden lang jedes Jahr, um die 600 bis 750 Jugendweihlinge. Und jedes Mal fließen nicht nur bei Eltern und Großeltern Tränen, sondern auch bei Anja Mai selber. Dabei ist die 50-Jährige diejenige, die die Feiern überhaupt erst möglich macht, die monatelang Flyer verteilt, Anmeldungen entgegennimmt, Veranstaltungen im Jugendweihejahr organisiert, und nicht zuletzt die Feiern selbst.

Sie arbeitet für den Sächsischen Jugendweiheverband und ist für den kompletten Kreis Görlitz zuständig. Da kommen viele Tränen zusammen. „Ich bin eben so“, sagt sie. Diese Momente, wenn die Jugendlichen aufgerufen werden, wenn die Mütter Taschentücher brauchen, die Jugendlichen zum Platz zurückkommen und der Vater dem Sohn auf die Schulter klopft. Das ergreift Anja Mai mindestens genauso wie die Familien.

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Sie ist gelernte Erzieherin

Die Pfaffendorferin, die aus Niedercunnersdorf stammt, ist die Nachfolgerin von Rolf Liebig, der die Jugendweihen im Kreis jahrelang organisierte und 2020 überraschend starb. Noch vor seinem Tod suchte er allerdings einen Nachfolger und Anja Mai, die sich beruflich neu orientieren wollte, bewarb sich. Eigentlich ist sie Erzieherin, übte auch diesen Beruf mit allergrößter Leidenschaft aus, bis es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ging.

Vor dem großen Jugendweihe-Tag kommt die Stellprobe: Die Jugendlichen treffen sich - wie hier im vergangenen Jahr auf dem Berggasthof auf dem Rotstein, dazu einige Tage vorher. Anja Mai ist natürlich auch da mit dabei (links im Bild).
Vor dem großen Jugendweihe-Tag kommt die Stellprobe: Die Jugendlichen treffen sich - wie hier im vergangenen Jahr auf dem Berggasthof auf dem Rotstein, dazu einige Tage vorher. Anja Mai ist natürlich auch da mit dabei (links im Bild). © Nikolai Schmidt

„Hier beim Jugendweiheverband hatte ich eine Probezeit und wurde dann eingestellt“, sagt sie und strahlt immer noch deswegen. Überhaupt ist die dunkelhaarige Frau nur am Strahlen, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Die Leidenschaft, mit der sie sie macht, ist nicht zu übersehen. Auch wenn es viel Arbeit ist - gerade durch Corona. Im vergangenen Jahr mussten alle Jugendweihen in den Herbst geschoben werden, dieses Jahr gab es für manche Durchgänge nun schon die zweite Verschiebung. Doch jetzt geht es vorwärts. Alle, die ab 19. Juni Termin haben, sollen feiern dürfen. Das wurde vor wenigen Tagen in einer Videokonferenz mit allen Jugendweihe-Organisatoren Sachsen so beschlossen.

Die einen Eltern sind froh über Verschiebungen, weil noch kaum Gelegenheit war, dem Sohn oder der Tochter die festliche Kleidung zu kaufen, weil der Feierort noch nicht feststeht oder das Catering. „Aber bei anderen steht schon alles bis ins kleinste Detail fest und die sind jetzt natürlich sauer, wenn sie bis Herbst warten und wieder alles neu organisieren müssen“, sagt Anja Mai. Man merkt ihr an, dass sie es am liebsten jedem recht machen möchte. Aber das geht nun mal nicht. „Ich bleibe trotzdem fröhlich, auch wenn ich manchmal am Rande meiner Kräfte bin und die Arbeit mir schlaflose Nacht bereitet“, sagt sie und rückt die Anmeldungen für die Jugendweihen 2022 zurecht, die sich auch auf ihrem Schreibtisch im Büro am Klosterplatz stapeln.

Tochter moderiert selber Jugendweihe

Eigentlich bräuchte sie Unterstützung, hat auch schon jemanden in den Startlöchern, der gern als geringfügig Beschäftigter anfangen würde. „Aber das Coronajahr 2020 hat uns so gebeutelt, dass wir jetzt keinen einstellen können.“ Dafür unterstützen Mann und Tochter sie. Und auch Hund Rocky, der sich bei langen Spaziergängen alles von der Arbeit anhören muss. „Wir sind sowieso eine ganz lustige und lockere Familie“, sagt Anja Mai. Ihre 18-jährige Tochter Sina und deren Freundin Celine haben in den vergangenen Jahren viele Jugendweihefeiern moderiert, haben Görlitz jetzt aber wegen des Studiums verlassen. Andere junge Damen, die zum Teil selbst erst vor zwei, drei Jahren Jugendweihe hatten, sind dafür eingesprungen. Auch Rolf Liebigs Tochter Katja moderiert so manche Jugendweihe. Eine starke Stütze für Anja Mai ist zudem ihr Mann. Er ist bei Feiern dabei, hilft auch, wenn sie mal übers Wochenende Arbeit mit nach Hause bringt. So kurz bevor es losgeht, passiert das nicht selten.

In Zittau standen die Jugendweihlinge 2020 noch im Theater auf der Bühne. Diesmal werden die Feiern im Westparkcenter stattfinden.
In Zittau standen die Jugendweihlinge 2020 noch im Theater auf der Bühne. Diesmal werden die Feiern im Westparkcenter stattfinden. © Matthias Weber/photoweber.de

Ganz nebenbei bereitet sie sich auch noch auf elf Namensweihe-Feiern vor. „Ja das mache ich auch. Bei den Ein- bis Dreijährigen, das ist so schön.“ Dafür fährt sie ebenfalls im gesamten Landkreis herum, besucht Familien zu Hause oder in der Gaststätte. Doch manchmal überschneiden sich Namensweihe- und Jugendweihe-Termine. Hier kommen dann Mitglieder des Jugendweihevereins ins Spiel, ohne die sie vollkommen aufgeschmissen wäre, wie Anja Mai in ihrer lockeren Art sagt. „Und ohne meine Mädels, und die Tanzgruppen und die Bands wäre ich sowieso nichts.“ Dennoch laufen alle Fäden bei ihr zusammen. Das ist auch den Jugendweihetagen so, sie ist Ansprechpartnerin für alles - nur auf die Bühne geht sie nicht gern. „Ich habe zwar immer eine Rede dabei, falls der Festredner ausfällt, aber eigentlich ist das gar nicht mein Ding“, sagt sie.

Mit Maske auf der Bühne?

Und ihre eigene Jugendweihe? Ja, die gab es. Aber nur, weil sie eigentlich vorhatte, zu studieren und Lehrerin zu werden. Konfirmation hat die Tochter gläubiger Eltern trotzdem gehabt. Einige Parallelen gibt es zwischen Jugendweihe früher und heute noch: schöne Musik, ein bisschen Tanz, ein Buch, eine Blume. Natürlich auch die vielen Veranstaltungen während des gesamten Jugendweihejahres. Sie konnten diesmal nur online stattfinden, Fahrten wie nach Buchenwald gar nicht. Deshalb konnten sich die Jugendweiheteilnehmer auch untereinander noch nicht kennenlernen.

Das Angebot steht aber für alle diesjährigen Teilnehmer auch noch nächstes Jahr, wenn wieder mehr möglich ist. Man kann alles nachholen. Corona wird die anstehenden Feiern noch bestimmen. Stand jetzt müssen alle negativ getestet kommen, Familien zueinander 1,50 Meter Abstand halten, alle die ganze Zeit über Maske tragen. „Ich hoffe, dass die jungen Leute zumindest auf der Bühne und fürs Foto die Maske abnehmen dürfen“, sagt Anja Mai. Vielleicht ja sogar die Eltern - dann sieht man auch die Tränen besser.

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