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Sie ist die neue „Schlossherrin“ von Krobnitz

Sarah Kinsky ist die erste Frau an der Spitze des Museumsverbundes – und hat ein „dunkles“ Hobby.

Von Constanze Junghanß
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Sarah Kinsky ist seit Anfang Januar 2022 die neue Geschäftsführerin der Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH (SOMV). Hier steht sie vor dem Schloss Krobnitz.
Sarah Kinsky ist seit Anfang Januar 2022 die neue Geschäftsführerin der Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH (SOMV). Hier steht sie vor dem Schloss Krobnitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Sie ist die neue „Schlossherrin“ von Krobnitz: Mit Sarah Kinsky steht seit Jahresbeginn eine Frau an der Spitze der Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund (SOMV) gGmbH. Damit gibt es erneut einen Wechsel bei der Geschäftsführung des SMOV. Viele Jahre lenkte Dr. Steffen Menzel die Geschicke des Verbundes. Überraschend wurde dem renommierten Museologen 2017 im Zuge von Personalabbau gekündigt.

Zwei Jahre zuvor war Menzel als Geschäftsführer abberufen worden und im Verbund beschäftigt. Den Geschäftsführerposten übernahm Sven Mimus, Chef der Entwicklungsgesellschaft des Landkreises (ENO). Mimus, der damit vier Geschäftsführerposten innehatte, verabschiedete sich zum Jahresende von dieser Aufgabe auch mit dem Hinweis, er sei kein Museologe oder Historiker.

Das ist Sarah Kinsky auch nicht. Seit 2019 lebt sie mit der Familie in Großschönau. Dass sie sich beim Museumsverbund bewarb, sei Freunden zu verdanken, die die junge Frau auf die Stellenausschreibung des Landkreises aufmerksam machten. Für Sarah Kinsky geht ein großer Wunsch in Erfüllung: Schon immer habe sie sich erhofft einen Beruf auszuüben, wo sie die Kenntnisse ihrer Handelsfachwirt-Weiterbildung mit Kunst und Kultur verknüpfen kann.

Die 34-Jährige studierte vor einigen Jahren Kunstgeschichte an der TU Dresden und in Breslau und wechselte später in ein ganz anderes Metier – sie wurde Abteilungsleiterin im Lebensmitteleinzelhandel. In Dresden, Bautzen und Zittau arbeitete sie bei Kaufland, wie Sarah Kinsky auf Nachfrage bestätigt.

Kunst und Kultur haben sie jedoch nie ganz losgelassen, und prägten weiter ihren Weg. Als Freie Mitarbeiterin war sie unter anderem ein Jahr beim Kunstgewerbemuseum Pillnitz engagiert, als Kunstvermittlerin führte sie Besucher durch die Ostrale in ihrer Heimatstadt Dresden. Und im Rahmen einer Gruppenausstellung im Dresdener Rathaus konnte sie eigene künstlerische Werke präsentieren: Sarah Kinsky ist leidenschaftliche Hobby-Fotografin, widmet sich da vor allem der Porträt- und Modellfotografie. Eines ihrer Bild-Projekte beschäftigt sich mit der Gothic-Szene.

„So exotisch wie früher bin ich nicht mehr“

„Das ist ein kulturell spannendes Thema“, findet die neue SMOV-Geschäftsführerin. Vor der Corona-Pandemie besuchte sie mehrfach die legendären Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Eine kreative und intellektuelle Szene sei das, findet Sarah Kinsky. Auf ihrer Facebook-Seite ist bei einem Eintrag 2020 zu lesen: „Hier wird es in nächster Zeit ein bisschen darker. Ich kehre mit dieser Serie zurück zu meinen Wurzeln“, bezieht sie sich auf ihr Fotoprojekt. Dabei geht es um Gothic-Modelle, die durch ihre ungewöhnlichen Frisuren, Körperschmuck und dunkle oder barocke Kleidung besonders auffallen. Die Bilder zeigten, so Sarah Kinsky, wie facettenreich sich Gothics präsentieren und wie wenig sie sich in ihrem Alltag optisch verbiegen würden.

Wird die neue Museumschefin ihre Erfahrungen mit in die Arbeit einfließen lassen? Immerhin ist Schloss Krobnitz – ihr Geschäftssitz – ein barockes Herrenhaus, errichtet in der Mitte des 18. Jahrhunderts von der Familie von Üchtritz, welches 1873 der preußische Kriegsminister und Generalfeldmarschall Albrecht Theodor Emil Graf von Roon erwarb, der das Ensemble in ein neoklassizistisches Gebäude umgestalten ließ. „So exotisch wie früher bin ich nicht mehr“, sagt Sarah Kinsky und schmunzelt.

Als Erstes will sie sich nun ein Bild von den Häusern und den Projekten machen, die zum Verbund dazugehören. Das sind neben Krobnitz das Ackerbürgermuseum Reichenbach, das Markersdorfer Dorfmuseum, Schloss Königshain und das Granitabbaumuseum in Königshain. Den Fokus ihrer Arbeit möchte sie auf zeitgenössische Kunst sowie die Vernetzung über Landesgrenzen hinweg und inklusives Gestalten legen. Außerdem geht es um Konzepte für die zahlreichen museumspädagogischen Angebote.

Die Digitalisierung spiele zudem eine nicht unwesentliche Rolle bei ihren Aufgaben, die ausgebaut würden. Das betreffe unter anderem die Arbeitsprozesse im Museumsverbund. Da schwebt ihr ein „papierloses Büro, welches mehr Flexibilität für die Mitarbeiter bietet“ vor. An einer neuen Roon-Ausstellung in Krobnitz werde gearbeitet. Wie es für 2022 mit Veranstaltungen ausschaut, kann Sarah Kinsky jetzt noch nicht sagen. Die Planung sei wegen Corona sehr schwierig und stünde vorerst hinten an.