merken
PLUS Görlitz

Oberlausitzer Sehnsucht nach der Ostsee

Seit einigen Tagen sind Rügen, Usedom & Co. für Touristen wieder offen. Erste Oberlausitzer sind schon da. Der Ansturm kommt aber erst noch.

Zur Abfahrt gen Norden bereit: Roland Jäkel fahrt im Sommer wieder mit dem Wohnmobil in den Urlaub an die Ostsee.
Zur Abfahrt gen Norden bereit: Roland Jäkel fahrt im Sommer wieder mit dem Wohnmobil in den Urlaub an die Ostsee. © André Schulze

Am Anfang fand Susan Lange die Stille fast etwas unheimlich – inzwischen aber sehr entspannend. „Im Moment ist es noch total ruhig“, erzählt sie. Susan Lange stammt aus dem Nieskyer Ortsteil See, wohnt heute in Dresden und verbringt gerade ihren Urlaub in Bansin auf Usedom.

„Wir hatten einfach Glück“, erzählt sie. Den Urlaub hatte sie schon voriges Jahr gebucht, in der Hoffnung, dass die Corona-Pandemie diesen Sommer keine Rolle mehr spielen würde. Es kam anders. „Eigentlich hieß es in Mecklenburg-Vorpommern, dass erst ab 14. Juni Touristen wieder kommen können.“ Deshalb hatte sie den Urlaub beinahe storniert.

Anzeige
Ferientipps für Sachsen und Umgebung
Ferientipps für Sachsen und Umgebung

Da ist sie endlich wieder, die schönste Zeit des Jahres - die Sommerferien! Wir haben tolle Freizeittipps für Familienausflüge in Sachsen, Thüringen und darüber hinaus.

Susan Lange war schon da. Die gebürtige Nieskyerin machte vorige Woche Urlaub in Bansin.
Susan Lange war schon da. Die gebürtige Nieskyerin machte vorige Woche Urlaub in Bansin. © André Schulze

Ansturm blieb aus

Dann aber öffnete Mecklenburg-Vorpommern Hotels und Ferienwohnungen doch schon Anfang Juni wieder für Urlauber aus allen Bundesländern mit Negativ-Test. Tagestourismus ist seit Freitag wieder möglich. Viele Hotels seien jetzt aber noch zu, erzählt Susan Lange. „Sie hatten sich wahrscheinlich auch auf den 14. Juni eingestellt“, vermutet sie. „Aber ein paar sächsische Nummernschilder habe ich schon gesehen.“

Traditionell zählt die Ostsee zu den beliebtesten Reisezielen der Sachsen. Voriges Jahr erlebte sie einen noch viel größeren Zulauf. Viele entschieden sich aufgrund der Corona-Pandemie für Urlaub im eigenen Land.

Dieses Jahr nun fand der große Ansturm nach der Tourismus-Öffnung offenbar nicht statt, noch nicht. Im Moment sei die Auslastung der Gästebetten tatsächlich noch nicht sehr hoch, bestätigt Carsten Nichelmann, Leiter der Kurverwaltung Zinnowitz auf Usedom. Insgesamt gibt es in dem Ostseebad rund 10.000 Gästebetten in privaten Unterkünften und Hotels.

Ab Juli wird es schwer, noch ein Zimmer zu finden

Letzte waren vorige Woche oft noch zu, bestätigt Nichelmann: Als es zunächst seitens der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hieß, ab 14. Juni sei Tourismus wieder möglich, hätten sich die Hoteliers auf dieses Datum eingestellt, erzählt er. Und zum Beispiel auch den Gästen, die für die Tage zuvor gebucht hatten, abgesagt. Das dann auf die Schnelle wieder rückgängig zu machen, kurzfristig für Personal und Infrastruktur zu sorgen, und trotzdem mit einer niedrigen Auslastung dazustehen – viele Hotels hätten sich dagegen entschieden. Dazu kommt: Pfingsten ist vorbei, die Sommerferien haben in noch keinem Bundesland begonnen. „Das rechnet sich für die meisten wirklich nicht.“

Zumindest bis Anfang Juli habe man noch gute Chancen auf ein Zimmer oder eine Ferienwohnung, erzählt Carsten Nichelmann. Danach wird es auch dieses Jahr schwieriger: Nach dem jetzigen Stand sieht es so aus, dass das Urlaubsziel Ostsee auch dieses Jahr besonders begehrt ist. Im Juli und August ist vieles ausgebucht.

Das Problem hat Roland Jäkel nicht. Seinen Urlaubsplatz hat er sicher: eine Woche Camping auf dem Darß im August. „Ich hoffe, das funktioniert“, sagt er. Im April buchte er auf gut Glück den Platz auf einem Natur-Campingplatz. „Früher haben wir immer schon im Januar gebucht, und das war manchmal schon fast zu spät“, erzählt er. Aber: Glück gehabt. Vielleicht vermutet er, hätte es anders ausgesehen, hätte er nach mehr Komfort gesucht. Aber einen Luxus-Campingplatz brauche er im Urlaub nicht - Hauptsache Ostsee. Er fährt eigentlich jedes Jahr gen Norden. Ein bisschen getrübt aber ist die Vorfreude diesmal. Vor allem ist Roland Jäkel großer Fan der Störtebeker-Festspiele in Ralswiek auf Rügen. „Die mussten aber leider auch dieses Jahr abgesagt werden.“

Wie teuer wird es an der Küste?

Bereits voriges Jahr waren die Preise für Inlandsreisen gestiegen. Wie es diesen Sommer an der Ostsee sein wird? So hatte die Ostsee-Zeitung berichtet, dass in beliebten Ostsee-Bädern Doppelzimmer-Preise von 300 Euro im Juli oder August keine Seltenheit mehr seien. Allerdings gehe es dabei größtenteils um Unterkünfte in der ersten Reihe. Carsten Nichelmann nimmt eine moderate Preissteigerung an. „Die Vermutung, Preise könnten um bis zu 25 Prozent steigen, halte ich für übertrieben.“ Sicher würden die Hotels Einbußen aus der Coronakrise oder etwa höhere Kosten, zum Beispiel für die Reinigung, durch die Preise weitergeben. „Aber ich denke, es wird in Maßen bleiben.“ So hatte etwa auch der Landestourismusverband an Hoteliers und Anbieter von Ferienwohnungen appelliert, einen verträglichen Weg zu finden.

Berzdorfer See wieder die "kleine Ostsee"?

Voriges Jahr war der Berzdorfer See die „kleine Ostsee“. Auf den Campingplätzen sah man Nummernschilder auch aus anderen Bundesländern bis hin zu Schweizer Kennzeichen. Dass der Berzdorfer See auch dieses Jahr wieder ein beliebtes Reiseziel sein wird, nimmt Ina Lachmann von der „Insel der Sinne“ an. Juli, August und in den September - ein paar Lücken und freie Zimmer gebe es zwar noch, die Auslastung liege im Sommer aber bereits nahe an hundert Prozent, erzählt sie.

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Arzt Henry Hedrich, führt sie das Hotel am Berzdorfer See. Dass der von Urlaubern zunehmend wahrgenommen wird, sei aber auch schon vor der Coronakrise merkbar gewesen. „Ich finde auch nicht, dass sich der Berzdorfer See da verstecken muss.“ Die natürliche Umgebung, die Größe des Sees, die Wasserqualität, „es ist nicht so überlaufen“ - sie sieht einiges, das für den Berzdorfer See spricht. Eine Entwicklung habe die Coronakrise verstärkt: „Die Buchungszeiten sind länger geworden.“ Während Urlauber früher vielleicht eher für drei Tage Kurzurlaub da waren, entwickeln sich die Aufenthalte jetzt Richtung fünf Tage bis hin zu zwei Wochen.

Mehr zum Thema Görlitz