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Für diese klotzige Kugel ist Görlitz weltberühmt

In Görlitz gehen die Uhren in Mitteleuropa am genauesten. Seit 60 Jahren symbolisiert das der Meridian-Stein. Wie es dazu kam, wurde in der DDR verschwiegen.

Der Meridianstein von Görlitz behauptet sich in unmittelbarer Nähe der Stadthalle. Der Platz ist gut ausgewählt.
Der Meridianstein von Görlitz behauptet sich in unmittelbarer Nähe der Stadthalle. Der Platz ist gut ausgewählt. © Ralph Schermann

Neben dem Stadtpark und nahe der Stadthalle können Görlitzer und Touristen einen kugelförmigen Stein bewundern, der als 15. Meridian bekannt ist. Dass er dort steht, verdankt er vor allem der Tatsache, dass die Erde in 24 Zeitzonen unterteilt ist. In der Geographie wird unter dem Meridian oder Längengrad ein senkrecht auf dem Äquator stehender und vom Nord- zum Südpol verlaufender Halbkreis verstanden. Das brachte einen Kongress in Rom 1883 zu dem Vorschlag, den Meridian der Sternwarte Greenwich (England) für alle Länder gültig als Bezugspunkt festzulegen, genannt Nullmeridian der Weltzeit.

Das fand zwar auf der Washingtoner Konferenz von 1889 keine allgemeine Zustimmung, dennoch übernahmen 27 Industriestaaten Europas und Amerikas dieses Zeitmodell. Am 1. April 1893 wurde daraufhin in Deutschland die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) eingeführt. Diese Zeitzone entspricht der mittleren Sonnenzeit des 15. Meridians östlich von Greenwich. 1910 schlossen sich dann alle Industriestaaten der Erde diesem System der Zeitzonen an, als letzter Staat folgte 1919 Russland.

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Da Görlitz genau eine Stunde der Erddrehung von Greenwich entfernt liegt, befindet sich die Stadt also auf dem 15. Längengrad, auch Mittagslinie genannt. Hier folgt die zivile Normalzeit ziemlich genau dem leicht ungleichmäßigen Lauf der Sone. Anders gesagt: Der 15. Meridian verbindet alle Orte der Erde, in denen zur gleichen Zeit Mittag ist. In Europa sind dies neben Görlitz die Städte Catania (Sizilien), Gmünd (Österreich) und Motala (Schweden). Der Stadtrat von Gmünd unterbreitete den Vorschlag, in diesen vier Städten je einen Meridianstein aufzustellen. In Görlitz erfolgte das am 6. Mai 1961, und als würdiger Anlass galt damals der erste Weltraumflug Juri Gagarins.

Der Meridian-Stein regt zu vielen Nachnutzungen an. Dieses faustgroße Exemplar schuf der bekannte Görlitzer Magier und Illusionsartikel-Erfinder Lothar Kaulfers für einen Zaubertrick mit Regionalbezug.
Der Meridian-Stein regt zu vielen Nachnutzungen an. Dieses faustgroße Exemplar schuf der bekannte Görlitzer Magier und Illusionsartikel-Erfinder Lothar Kaulfers für einen Zaubertrick mit Regionalbezug. © Ralph Schermann

Dieser 1.150 Kilogramm schwere, aus Lausitzer Granit bestehende, mit einem bronzenen Richtungspfeil versehene und die Form der Erde darstellende Meridianstein ist ein Werk von dem Bildhauer und Steinmetz Carl Däunert. Auf dem Stein eingearbeitet ist eine Landkarte mit dem Verlauf des 15. Meridians. Nach dem 1961 in der DDR verwendeten System steht der Meridianstein fast richtig, nur 25 Zentimeter betrug damals die Abweichung. Spätere Prüfungen sahen ihn elf Meter weiter östlich. Und nach heute möglicher GPS-Technologie wäre die korrekte Stelle sogar rund 137 Meter weiter gen Osten auf den Neißewiesen.

Aber letztlich handelt es sich um keine Datenbank, sondern um ein Denkmal, das auf den durch Görlitz laufenden Meridian hinweist – die Frage Denkmal oder Messpunkt ist also amtlich überflüssig. Zumal diese Differenz auf dem als Stein gestalteten Globus von einem Meter Durchmesser gerade einmal ein Hundertstel Millimeter betragen dürfte, was zu vernachlässigen wäre.

Nicht zu vernachlässigen ist aber heute, was zu DDR-Zeiten tapfer von den Offiziellen verschwiegen wurde – dass der Vorschlag zur Aufstellung auch des Görlitzer Meridiansteines aus Österreich kam.

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