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Kreis Görlitz: Die Unsicherheit mit der Erststimme ist groß

Den CDU-Kandidaten wählen, um den AfD-Kandidaten zu verhindern? Die einen raten dazu, andere winken ab. Nicht nur die AfD selbst.

Harald Paruase-Kosubeck (SPD), Annett Jagielea (Bündnisgrüne), Marko Schmidt (Linke), Florian Oest (CDU), Tino Chrupalla (AfD) und Hans Grüner (FDP): Taktisch wählen oder nicht?
Harald Paruase-Kosubeck (SPD), Annett Jagielea (Bündnisgrüne), Marko Schmidt (Linke), Florian Oest (CDU), Tino Chrupalla (AfD) und Hans Grüner (FDP): Taktisch wählen oder nicht? © Bildstelle

Frank Seibel hat sich noch nicht endgültig entschieden. Zumindest bei der Erststimme, dem Direktkandidaten. "Dabei geht es ja darum, jemanden aus der Region zu haben, der im Bundestag die Interessen aus der Region vertritt", sagt er. Eine Erwartung, die Tino Chrupalla in den vergangenen Jahren seiner Meinung nach nicht umsetzen konnte. "Für die Region hat Chrupalla nichts getan", sagt der Leiter des Stifts St. Wenzeslaus in Jauernick-Buschbach.

Vor vier Jahren holte Chrupalla, heute einer der beiden Vorsitzenden der Bundes-AfD, mehr Erststimmen als der damalige CDU-Direktkandidat Michael Kretschmer und damit das Direktmandat an der Neiße. Dieses Mal nun tritt für die CDU als Direktkandidat Florian Oest an.

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Wenig Unterstützung für Erststimmen-Kampagne

Wahlplakate vor Alstom in Görlitz: Florian Oest im Kampf um Erststimmen.
Wahlplakate vor Alstom in Görlitz: Florian Oest im Kampf um Erststimmen. © Martin Schneider

Dass er die Interessen der Region in Berlin besser vertreten könnte, nimmt Frank Seibel schon an. "Aber ich bin mir trotzdem unsicher. Einerseits vermute ich, dass bei ihm rein rechnerisch die Chance am größten ist, den AfD-Kandidaten zu überholen." So hatten etwa auch zwei SPD-Bürgermeister argumentiert, die vorige Woche die Erststimmen-Kampagne von Oest unterstützen. "Aber wenn absehbar ist, dass Oest dann doch zehn Prozentpunkte hinter Chrupalla landet, würde ich mein Pulver nicht verschießen", sondern einem anderen Kandidaten zumindest den Rücken stärken.

Taktisch wählen - ja oder nein, dazu wird auch in den sozialen Netzwerken diskutiert. Für eine erfolgreiche Erststimmen-Kampagne brauche es auch einen Konsens mit den anderen Parteien. Aber das scheint diesmal nicht gegeben. Mike Altmann, Stadtrat für Motor Görlitz, spricht sich dagegen aus, bezeichnet Florian Oests Erststimmen-Kampagne als "niedlich".

Retourkutsche für CDU?

Auch Altmann schreibt, Chrupalla habe sich wenig um die Region gekümmert. Dennoch wolle er nicht taktisch wählen und ruft dazu auf, Grünen-Kandidatin Anett Jagiela zu wählen.

Gegen das taktische Wählen spricht sich auch Franziska Schubert aus, Fraktionschefin der Grünen im sächsischen Landtag und Görlitzer Landtagsabgeordnete. "Die AfD 'verhindert' man doch nicht durch die Erststimme an jemanden, von dem Mensch nicht mal überzeugt ist!", schreibt Schubert auf ihrer Facebook-Seite.

Schafft es die grüne Kandidatin über die Liste?

Einen "Zweikampf" zwischen Oest und Chrupalla sehe sie zudem nicht. Zehn Kandidaten treten für das Direktmandat im Görlitzer Wahlkreis an. Die Grünen seien dabei keine Kleinpartei mehr. Bundesweit konnte sich die Partei nach der jüngsten TV-Debatte am Donnerstag in Umfragen noch mal leicht auf rund 16 Prozent verbessern. Allerdings stehen die Grünen in Sachsen laut Wahlprognose bei 5 Prozent der Zweitstimmen. Steht die Frage, ob das für Annett Jagiela reichen würde: Auch sie ist über Liste abgesichert, steht auf Platz fünf der sächsischen Landesliste.

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