merken
PLUS Görlitz

Scheidender Chefarzt setzt auf Klinik-Kooperation in Görlitz

Dr. Uwe-Karsten Schöbel leitete 15 Jahre die Unfallchirurgie am Klinikum Görlitz. Jetzt geht er in den Ruhestand. Und hat zwei Wünsche zum Abschied.

Dr. Uwe-Karsten Schöbel leitete 15 Jahre lang die Unfallchirurgie im Klinikum Görlitz. Jetzt geht er in den Ruhestand.
Dr. Uwe-Karsten Schöbel leitete 15 Jahre lang die Unfallchirurgie im Klinikum Görlitz. Jetzt geht er in den Ruhestand. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Beinahe wäre Uwe-Karsten Schöbel gar nicht Arzt geworden, sondern hätte die Orthopädie-Werkstatt seines Vaters Gerhard Schöbel auf der Salomonstraße in Görlitz übernommen. Doch der 65-jährige Görlitzer hörte auf den Rat des Vaters und studierte stattdessen Medizin in Jena. Am 1. September 1982 begann für Uwe-Karsten Schöbel die Berufskarriere im Klinikum Görlitz, wo sie jetzt auch endet, an diesem Mittwoch ist offiziell sein letzter Arbeitstag.

Keine freie Arztstelle in Thüringen - Glück für Görlitz

Dass der Mediziner nach dem Studium zurück in seine Heimatstadt kam, war einem Mangel zu verdanken: Mit seiner Frau Anne-Kathrin Schöbel wollte er eigentlich in ihrer Heimat Thüringen arbeiten. Doch für beide Mediziner gab es keine passende freie Arztstelle.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Am Görlitzer Klinikum wurde Uwe-Karsten Schöbel Assistenzarzt. Die sechs Jahre bis zur Facharztprüfung nutzte er, um zu lernen und schob die Qualifizierung zum Unfallchirurgen nach. Das ermöglichte es ihm, ab 1993 unter Chefarzt Edzard Bertram mit am Aufbau der Unfallklinik zu arbeiten. Die Chirurgie wurde in zwei Kliniken aufgeteilt: Allgemein- und Gefäßchirurgie sowie Unfallchirurgie. Später kamen die Neurochirurgie und Plastische Chirurgie hinzu. "Anfangs gab es keine Spezialisierung, sodass ich alle Unfälle behandelte, unabhängig davon, wo die Verletzung war", erzählt Dr. Schöbel. Die Spezialisierung hat den Vorteil, dass jede Verletzung oder Erkrankung von einem Fachmann behandelt werden kann, die einzelnen Fachbereiche aber dennoch eng zusammenarbeiten.

In Teamarbeit rasante Entwicklung der Medizin genutzt

Dieses enge Zusammenwirken sei ein Grund gewesen, dass Uwe-Karsten Schöbel immer Freude an seiner Arbeit empfand. "Wir waren eine gute Truppe, die richtig Spaß daran hatte, gemeinsam zu arbeiten und dem Patienten zu helfen", sagt er. Und: "Unsere Generation hatte Glück", sagt der 65-Jährige. Das Glück sieht der Mediziner in dem Umstand, dass er teilhaben konnte an der rasanten Entwicklung der Medizin, die nach der Wende schnell in medizinischen Einrichtungen im Osten Einzug hielt.

Vieles in der Organisation wurde umstrukturiert oder neu geschaffen, wie 1993 die Unfallklinik. Ab 2008 entwickelte Schöbel das Trauma-Zentrum für Ostsachsen am Görlitzer Klinikum mit als Bestandteil eines sachsenweiten Trauma-Netzwerkes. Ziel dieses Netzwerkes ist es, jeden Patienten innerhalb von 30 Minuten in einem für ihn geeigneten Krankenhaus zu behandeln.

Im Mai 2014 wurde am Klinikum Görlitz ein Endoprothetikzentrum gegründet. Hier werden zerstörte Gelenke durch Prothesen ersetzt. Das Zentrum, in dem 13 Disziplinen und externe Kooperationspartner zusammengeschlossen wurden und das regelmäßig zertifiziert wurde, leitete Uwe-Karsten Schöbel. Bereits 2006 hatte er als Chefarzt die Leitung der Unfallklinik übernommen.

Dr. Ralf Banaskiewicz (links) übernimmt als Chefarzt die Leitung der Unfallklinik im Klinikum Görlitz aus den Händen von Dr. Uwe-Karsten Schöbel (rechts). Er geht in den Ruhestand.
Dr. Ralf Banaskiewicz (links) übernimmt als Chefarzt die Leitung der Unfallklinik im Klinikum Görlitz aus den Händen von Dr. Uwe-Karsten Schöbel (rechts). Er geht in den Ruhestand. © Klinikum Görlitz

Zwei Operationen blieben besonders im Gedächtnis

Jetzt gibt Uwe-Karsten Schöbel die Verantwortung für die Unfallklinik in jüngere Hände ab. Ab 1. Juli ist Dr. Ralf Banaskiewicz Chefarzt der Unfallklinik. Beide Ärzte arbeiteten bislang schon in der Unfallklinik zusammen.

Gezählt hat Dr. Schöbel die Operationen, die er durchführte, nur bis zur Facharztprüfung, denn das ist Vorschrift. An die Zahl kann er sich nicht erinnern. Insgesamt werden es Tausende Operationen in seinem Berufsleben sein, die er durchführte. Zwei davon blieben ihm deutlich im Gedächtnis: Als es den schweren Verkehrsunfall am Kanonenbusch bei Markersdorf gab und gleichzeitig fünf Schwerverletzte ins Klinikum kamen. "In drei Sälen wurde gleichzeitig operiert, mehr hatten wir nicht", erinnert er sich. Und auch an jenen Königshainer Bauarbeiter, der im Auftrag einer Markersdorfer Firma in Rothenburg arbeitete und elf Meter tief von einem Dach stürzte. Uwe-Karsten Schöbel betreute auch diesen Patienten als Durchgangsarzt weiter. Nicht nur die Schwere der Verletzungen und der lange Weg der Genesung des Mannes blieben dem Mediziner im Gedächtnis, sondern auch die Tatsache, dass der Arbeitgeber des Verunglückten an ihm festhielt und ihm mit einer Umschulung in der Firma eine Chance gab.

Zeit für neue Hobbys

Wenn Uwe-Karsten Schöbel nun im Ruhestand ist, will er erst einmal "alles sacken lassen", wie er sagt. Gemeinsam mit seiner Frau, die ihre Hausarztpraxis im April an einen Nachfolger übergab, will er den Ruhestand genießen. "Jetzt bleibt mehr Zeit für die Familie, für Haus und Grundstück und neue Hobbys", sagt der Vater von drei erwachsenen Kindern und Opa eines Enkelkindes. Ein zweites kommt bald dazu.

Zwei Wünsche hegt der Unfallchirurg: Die Stadt Görlitz sollte sich engagieren für die gemeinsame Arbeit von Klinikum Görlitz und Malteser-Krankenhaus St. Carolus oder beide Krankenhäuser vereinigen. "Politisch hat das nicht geklappt, fachlich und wirtschaftlich wäre es sinnvoll", sagt er. Und schon lange wünscht sich Dr. Schöbel, dass das Klinikum ein Medizinisches Versorgungszentrum einrichtet. Das sichere den Menschen ein leistungsstarkes Krankenhaus für die Weiterbehandlung und dem Klinikum Patienten.

Mehr zum Thema Görlitz