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10.000 Einsätze pro Jahr: Das ist nichts für schwache Nerven

Unfallfahrzeuge zu bergen ist ein Knochenjob, der manchmal auch emotional schwierig ist, weiß Unternehmer Klaus Dussa. Pannen passieren selten.

Klaus Dussa ist seit mehr als 30 Jahren Unternehmer. Selbst LKWs werden von seinen Mitarbeitern aus misslichen Lagen befreit.
Klaus Dussa ist seit mehr als 30 Jahren Unternehmer. Selbst LKWs werden von seinen Mitarbeitern aus misslichen Lagen befreit. © Constanze Junghanß

Landet das Auto im Graben, kommt der LKW vom Weg ab oder verunglückt ein Fahrzeug, muss oft Dussa ran. Rund 10.000 Einsätze fährt Dussa jährlich. Am Tag, in der tiefen Nacht, bei brütender Hitze ebenso, wie bei Sturm, Starkregen und Glatteis kommt das Abschleppunternehmen zum Einsatz. 60 Mitarbeiter stehen bei der Firma in Lohn und Brot. Manchmal läuft nicht alles so glatt, wie geplant.

„Pannen beim Abschleppen passieren - aber sie sind wirklich sehr selten“, sagt Klaus Dussa, der vor mehr als 30 Jahren das Unternehmen in der Gemeinde Markersdorf gründete. Etwa 0,2 Prozent meldeten nach der Bergung ihres Fahrzeugs Schäden, die durch den Abschleppdienst verursacht worden sein sollen. Doch nicht jede dieser Schadensmeldungen werde von der Versicherung reguliert. Etwa die Hälfte dieser von den Haltern gemeldeten mutmaßlichen Bergeschäden lehne der Versicherer ab, so Klaus Dussa.

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Über einen Fall berichtete kürzlich die SZ. Da springt nun die Versicherung ein. Der Schaden wird reguliert. Auf der Facebookseite der SZ meldeten sich mehrere Kommentatoren zu Wort. Einerseits, weil sie Dussa ein gutes Zeugnis ausstellten. Andere übten Kritik. So schildert ein Nutzer der Plattform, er habe schlechte Erfahrungen gemacht. Dussa sei „gleich von der Polizei gerufen worden mit dem Hinweis darauf, dass sie diesen Betrieb immer bei solchen Sachen ordern.“ Das fand er fragwürdig. Dem sei nicht so, dementiert Klaus Dussa. Vielmehr würde von der Polizei der Verkehrsservice Sachsen informiert, der wiederum den nächstgelegenen geeigneten Abschleppdienst zum Unfallort anfordert.

Nicht jeder Fahrer will den Abschleppdienst

Dussa betreibt Standorte in Holtendorf, Döbschütz, Löbau, Zittau und Bautzen und deckt ein großes Einsatzgebiet im Landkreis und darüber hinaus ab.

Da ein Unfallfahrzeug, wenn es nicht mehr fahrtüchtig ist, weder im Vorgarten noch im öffentlichen Verkehrsraum herumstehen darf, wird es abgeholt. Bei Dussa kostet das Standgeld zwölf Euro täglich, bei einer Reparatur entfällt der Betrag. Ein übliches Vorgehen, wie der 66-Jährige bestätigt. Nicht jeder Fahrer wolle allerdings einen Abschleppdienst zu Hilfe holen. Manche versuchten zuerst selbst Hand anzulegen, um das Auto aus dem Graben oder anderen unwegsamen Stellen zu ziehen.

„Es gibt eine stolze Anzahl von Fällen, wo Jeeps oder Traktoren versuchten, Autos aus misslicher Lage herauszuholen“, erzählt der Unternehmer. Dadurch, so seine Erfahrung, seien manchmal zusätzliche Schäden an Unfallfahrzeugen entstanden. Und wenn diese Bergung nicht glückte, kam seine Firma wieder ins Spiel. Dussa verfügt über eine ganze Reihe an Spezialtechnik – vom Kran bis zum Ural. Der Ural zog zum Beispiel Mitte Januar einen Transporter aus einem schneeverwehten, tiefen Straßengraben.

So oder so hatten es die jüngeren Einsätze bei Eis und Schnee in sich.

„Es gibt immer weniger Respekt gegenüber den Helfern“

Allein am 29. Januar, als die Straßenverhältnisse durch den Wintereinbruch katastrophal waren, rückten die Mitarbeiter des Abschleppdienstes zu 82 Einsätzen aus. Davon brauchten neben zahlreichen Autos sieben 40-Tonner Lkws Hilfe. Auf den Bundesstraßen 6, 98 und 99 blieben die Brummis liegen oder gerieten in Schieflage, zur Autobahn A4 musste das Bergeteam ausrücken und auch zur B96. „Dort hatte ein Lkw Glyzerin geladen, stand kurz vor dem Umfallen“, erzählt Klaus Dussa. Eine brisante Situation, die letztendlich gemeistert werden konnte.

Doch ein anderes Problem stellte sich für einige der betroffenen Brummi-Fahrer heraus. Die Besatzung kam ausschließlich aus dem Ausland und musste über Nacht irgendwie untergebracht werden. „In Hotels und Pensionen gab es - bedingt durch die Corona-Einschränkungen - nichts zum Übernachten“, wie Klaus Dussa sagt. Kurzerhand wurden in der Holtendorfer Fahrzeughalle Feldbetten für zwei Ukrainer, einen Slowaken und einen Polen aufgestellt und die Halle beheizt. „Die Ukrainische Botschaft hat sich dafür bei uns bedankt“, sagt Klaus Dussa, der sich über diese Anerkennung freut. Apropos Anerkennung: Die vermisst er manches Mal und will da auch für die Rettungskräfte und das THW sprechen.

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„Es gibt immer weniger Respekt gegenüber den Helfern“, hat er beobachtet. Vor allem die verbalen Angriffe hätten in den letzten Monaten zugenommen. Woran das liegt, kann er sich nicht erklären. Nur soviel: „Manchmal eskalierte das so, dass die Polizei gerufen werden musste.“ Andererseits sei der Großteil derer, denen geholfen wird, sehr dankbar. Ganz einfach sei der Job für die Helfer nicht. Vor allem, wenn Menschen zu Schaden kamen oder gar tödlich verunglückten, lasse das in der Regel niemanden kalt.

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